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Schmerzmediziner fordern Möglichkeit zum personalisierten Einsatz von Migräne-Antikörpern

Mittwoch, 21. Oktober 2020

/DKcomposing, stock.adobe.com

Rostock – Traditionellerweise besteht das Problem in der Schmerzmedizin in einer Überversorgung mit Medikamenten, aber zu wenig interdisziplinären Therapieansätzen. Bei den seit gut zwei Jahren verfügbaren Antikörpern zur Migräneprophylaxe scheint das anders zu sein. Sie würden zu zögerlich und kaum personalisiert eingesetzt, hieß es heute bei einer virtuellen Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses.

Tim Jürgens, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), sieht die Ursache dafür auch in der Verschreibungssituation: „Die aktuellen Therapiealgorithmen für den Einsatz der monoklonalen Antikörper in der Indikation Migräne sind bei permissiver Zulassung – Erwachsene mit mindestens vier Migränetagen im Monat – im Wesentlichen durch sozialrechtliche und vergütungsrelevante Aspekte bestimmt.“

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Gemäß den Vorgaben des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) und der Verpflichtung zum zweckmäßigen und wirtschaftlichen Handeln werden Antikörper erst am Ende der Eskalationskaskade eingesetzt – wenn alle anderen prophylaktischen Maßnahmen versagt haben oder nicht vertragen wurden. „Aus Sicht der Kostenträger ist das attraktiv, aus Patientensicht nicht“, sagte Jürgens, der als Ärztlicher Leiter auch dem Kopfschmerzzentrum Nord-Ost, Universitätsmedizin Rostock, vorsteht.

Oft müssten Patienten über Jahre alle Substanzen durchprobieren, bis dann am Ende feststehe, dass sie nicht ansprechen und deshalb für eine Antikörperprophylaxe in Frage kommen. Jürgens wünscht sich für seine Disziplin deshalb einen Paradigmenwechsel wir er auch in der Onkologie stattgefunden habe – weg von der einheitlichen Therapie für alle hin zur personalisierten Medizin.

Mit den aktuellen Vorgaben sei ein personalisierter Einsatz von Antikörpern zur Migräneprophylaxe aber nicht möglich. „Wir müssen uns von Verschreibungsalgorithmen, die auf sozialrechtlichen Verfahren beruhen, befreien“, sagte Jürgens. Nur so könnten Patienten individuell, entsprechend ihrer Situation und ihres Schmerztyps, optimal und möglichst frühzeitig behandelt werden.

Personalisierte Schmerztherapie erfordert mehr Prädiktoren für das Ansprechen

Er räumte allerdings ein, dass für den frühzeitigen und gezielten Einsatz von kostspieligen Therapieformen wie prophylaktischen Antikörpern paraklinische und klinische Prädiktoren wünschenswert wären.

Zwar gebe es erste Daten, dass ein exzellentes Ansprechen auf den CGRP-Antikörper Erenumab mit einem positiven Provokationstest korreliere, bei dem eine Migräneattacke mittels CGRP induziert werde. Aber darüber hinaus gebe es noch kaum Möglichkeiten vorherzusagen, welche Patienten auf eine Therapie ansprechen werden und welche nicht.

Zusammenfassend sei die aktuelle Datenlage für einen personalisierten Einsatz der neuen monoklonalen Antikörper dürftig. Dies lasse sich nur durch größere prospektive Studien – idealerweise im Rahmen von Registern – klären, ein guter Anfang sei hier das Kopfschmerzregister der DMKG. © nec/aerzteblatt.de

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