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Wissenschaftler befürchten breites Misstrauen gegen Coronaimpfstoff

Mittwoch, 21. Oktober 2020

/guerrieroale, stock.adobe.com

Paris – Wissenschaftler befürchten ein breites Misstrauen in der Bevölkerung gegen einen Coronaimpfstoff. In einer gestern veröffentlichten Studie zeigen die Forscher, dass sich weltweit Millionen Menschen gegen eine Coronaimpfung entscheiden könnten.

Eine zu niedrige Impfquote würde nach ihren Angaben die Ausbildung einer Herdenim­munität unmöglich machen. Die Wissenschaftler fordern daher die Regierungen auf, ihre Bürger besser über Impfungen aufzuklären.

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„In den meisten der 19 untersuchten Länder reicht die derzeitige Akzeptanz eines Impfstoffs gegen COVID-19 nicht aus, um eine Herdenimmunität zu erreichen“, warnten die Autoren der Studie, die sie in der Fachzeitschrift Nature Medicine (2020; DOI: 10.1038/s41591-020-1124-9) veröffentlichten.

Die Forscher befragten im Juni 13.400 Menschen; 14 Prozent der Befragten gaben an, eine Impfung gegen das neuartige Coronavirus abzulehnen. Weitere 14 Prozent waren unentschlossen. 72 Prozent sagten, sie würden einer Impfung zustimmen, wenn die Wirksamkeit und Sicherheit eines verfügbaren COVID-19-Impfstoffs nachgewiesen wäre.

Die Impfakzeptanz variiert stark zwischen den Ländern. In Deutschland liegt die Impf­akzeptanzquote der Studie zufolge bei 68,4 Prozent. Und während sich in Polen, Frank­reich und Russland unter 60 Prozent der Bevölkerung impfen lassen würden, liegt die Akzeptanzquote in Südafrika, China und Brasilien über 80 Prozent.

Den Wissenschaftlern zufolge „mehren sich die Anzeichen dafür, dass eine transparente, evidenzbasierte Politik und eine klare und genaue Kommunikation“ nötig ist. Wirksame Präventionskampagnen zeichneten sich durch „eine sorgfältige Aufklärung über den Grad der Wirksamkeit eines Impfstoffs“ aus.

Auch klärten sie darüber auf, wie wichtig eine breite Impfakzeptanz in der Bevölkerung ist, um Herdenimmunität zu gewährleisten. Dies sei umso wichtiger, da Anti-Impf­aktivisten bereits in mehreren Staaten öffentlich die Wirkung von Impfungen hinter­fragten und andere die Existenz von COVID-19 vollkommen bestritten.

Eine weitere Studie hält es für wahrscheinlich, dass in einigen Ländern bis zu ein Drittel der Bevölkerung Falschinformationen und Verschwörungsmythen über COVID-19 glaubt. Die Studie wurde vergangene Woche in der britischen Fachzeitschrift Royal Society Open Science (2020; DOI: 10.1098/rsos.201199) veröffentlicht.

Demnach halten etwa 33 Prozent der mexikanischen und 37 Prozent der spanischen Befragten die Behauptung für glaubwürdig, dass das neuartige Coronavirus absichtlich in einem chinesischen Labor hergestellt wurde. In Großbritannien und den USA halten dies der Studie zufolge etwa 20 Prozent der Befragten für wahrscheinlich. © afp/aerzteblatt.de

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penangexpag
am Donnerstag, 22. Oktober 2020, 05:03

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt ??

Die Gefahr der Impfverweigerung wird groß sein.Denn natürlich ist jedem Bürger klar, daß da ein Riesenwettlauf im Gange ist - und nach allem was die Bürger schon erlebt haben wenn es um Markttanteile geht, werden sich viele Leute fragen, ob die Beschleunigung der Impfstoffentwicklung nicht nur aus pandemischen Gründen geschieht - mit der Folge, daß da ev. auch mal "fünf gerade gelassen wird". Tatsache ist in jedem Fall : Die Risiken einer schnellen Impfstoffentwicklung müssen gegen die Pandemie-Risiken abgewogen werden und dieser Abwägungsprozeß muß der Bevölkerung einsichtig gemacht werden.
LNS

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