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Ethiker Dabrock: „Vernünftige Mehrheit“ stärker einbeziehen

Freitag, 23. Oktober 2020

Prof. Dr. Peter Dabrock, Professor fuer Systematische Theologie und ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. /picture alliance, Eventpress Stauffenberg

Berlin – Eine breite Debatte über die richtige Balance im Umgang mit der Corona­pandemie fordert der Theologe Peter Dabrock. „Es war fatal, dass wir uns im Sommer so ausgiebig mit den Aluhut-‚Argumenten‘ beschäftigt haben“, sagte er im Interview der Welt von heute. Dabei sei übersehen worden, dass die „vernünftige Mehrheit“ sehr heterogen sei.

Nun gehe es mit einer „Grundspannung“ in den Herbst, mahnte der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrats: Einerseits habe der Staat ein berechtigtes Interesse am Gesund­heitsschutz – „auf der anderen Seite steht das Recht der Menschen auf Freizügigkeit, Selbstbestimmung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit“.

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Zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehörten nicht nur Nahrung oder ein Dach über dem Kopf: „Es gibt zum Beispiel auch ein Recht darauf, andere Menschen zu treffen, Spaß haben zu dürfen, zu lieben oder Sexualität zu leben.“

Dabrock sprach sich gegen eine Diskreditierung junger Menschen als „Partylöwen“ aus. Wenn Grundbedürfnisse über längere Zeit nicht befriedigt werden könnten, „geht der Mensch ein wie eine Primel“, warnte er. „Solche Grundbedürfnisse müssen uns in der Pandemie ein Kompass sein.“

Zudem stünden auch bei jungen Leuten „ganze Lebensentwürfe auf dem Spiel“, und durch neue Schulden wegen Überbrückungshilfen werde der jungen Generation eine „zusätz­liche, möglicherweise lebenslange Last“ aufgeladen.

Der Ethiker verwies ebenso auf die Lage älterer Menschen. „Viele sagen selbst: Sie wollen lieber zwei Jahre gut leben als vier Jahre vereinsamt auf einer Isolierstation.“ Daher sollten Schnelltests vorrangig in Pflegeheimen eingesetzt werden. „Der Besuch durch einen geliebten Menschen gehört für mich elementar zum Menschsein“, betonte Dabrock. Und: „Wir dürfen auch nicht die Erwartung schüren, als ob der Tod immer aufhaltsam ist und wir alles opfern sollten, um ihn zu verhindern.“

Die Politik müsse die Bürger und lokale Organisationen stärker einbinden, forderte der Experte. In moderierten Chats könnten etwa Kita-Leiterinnen oder Jugendverbände ihre Konzepte und Erfahrungen vorstellen.

„So hätten wir eine andere Diskurskultur und müssten jetzt nicht geradezu beschwörend an die Eigenverantwortung, auf deren Impulse bisher wenig gehört worden ist, appel­lieren." Statt Horrorszenarien auszumalen, gelte es, über kreative Lösungen und Kompro­misse nachzudenken. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #789658
2haeschen
am Sonntag, 25. Oktober 2020, 17:02

@penangexpag

Genau so hab ich einen "Kommentar" erwartet .... nörgeln und anfeinden....

Er hat Recht, der Herr Dabrock... genau so ist die Lage und genau dieses Vorgehen ist wichtig. Schauen, wo ich wie helfen kann und Panik und Angst vermeiden. Alle unsere derzeitigen Maßnahmen zielen darauf ab, um jeden Preis jede Infektion vermeiden zu wollen (koste es was es wolle und jeder, der auf der Strecke bleibt hat Pech). Ganz zu schweigen davon, wie der spätere Umgang mit Krankheiten, welcher Art auch immer, stattfinden soll (wenn unsere Kinder jetzt lernen, dass nur Isolieren uns schützt).

Wo sind vernünftige Vorschläge für Abhilfe? Ich kann keine finden, in Ihrem Kommentar nicht und seitens der Politiker nicht.

Ich werde nicht innerhalb des nächsten Jahres neues Personal haben und dann ist es zu spät, wenn das Problem jetzt da ist! Also muss ich nach Lösungen suchen, die jetzt oder demnächst greifen können. Hab ich Personal in Teilzeit, nur wegen fehlender Kinderbetreuung? Dann schafft sie unkompliziert! Das nächste halbe Jahr zum Beispiel Kitas mit Früh- und Spätdienst sowie Wochenendbetreuung. Dann gibts nicht Frühstück und Mittag, sondern Abendbrot für die Kinder. Die Eltern der med. Berufsgruppen (und andere) würden davon sehr profitieren! Es muss ja nicht jede Kita dieses Konzept fahren, eine pro Stadt reicht. Und wir brauchen auch hier nicht zwingend neues Personal, wenn ich die Stunden hochsetzen kann. Viele Erzieher sind ohnehin nur "in Teilzeit" angestellt. Hier kann die Politik tatsächlich einen Beitrag leisten. Und die "bezahlte Freistellung" während des Lockdowns hat doch der öffentliche Dienst auch angenommen.

Die Politik muss nur vernünftige Hilfen schaffen (flexible Arbeitsverträge fürs nächste halbe Jahr - Stunden hoch, Stunden runter)

Meine Schwiegermutter arbeitet als Rentner derzeit fast Vollzeit, da man die Möglichkeit in der Pflege geschaffen hat (bis Dezember). Sie ist aber erst seit diesem Jahr Rentner, ich weiss nicht, ob es für andere Fälle auch zutrifft... ihr Arbeitgeber kann sie flexibel beschäftigen und so abrechnen, wie sie da war - Daumen hoch Herr Spahn, das war sinnvoll.

Sowas brauchen wir ... !!!

Nicht Panik, dass in Kürze alle dahinsterben und keiner mehr aufgenommen werden kann.

Stattdessen streikt der öffentliche Dienst... stattdessen diskutieren wir über Mindestlöhne und ein Recht (!) auf Home Office ... dafür ist "hinterher" Zeit. Stattdessen diskutiert man auch darüber, ob nach 21.00 Uhr Alkohol getrunken werden darf usw. Und bitte auch alles schön kontrollieren und bestrafen. Und jedes Vergehen breit im Fernsehen austratschen, frei nach dem Motto "hier ist der Schuldige".

Und wenn in 2 Jahren die Kassen leer sind, weil wir jetzt mit vollen Händen alles raus hauen, dann gucken wir uns fröhlich an? Dann schließen wir paar Pflegeheime? Aber Hauptsache, vorher wurden alle noch getestet...
Avatar #760232
penangexpag
am Sonntag, 25. Oktober 2020, 11:18

Ethiker Dabrock: „Vernünftige Mehrheit“ stärker einbeziehen

zit.("..Der Ethiker verwies ebenso auf die Lage älterer Menschen. „Viele sagen selbst: Sie wollen lieber zwei Jahre gut leben als vier Jahre vereinsamt auf einer Isolierstation.“ ")
Natürlich gibt es solche Meinungen bei älteren Menschen - wahrscheinlich bei solchen, denen es gerade noch ganz gut geht. Aber es gibt auch die ganz gegenteiligen Meinungen - und das sind eher diejenigen, die den Tode bereits in der Tür stehen sehen. Und nun soll der Ethiker mir mal sagen, welche Gruppe größer ist - aber nicht aus religiösem Bauchgefühl heraus , sondern aufgrund erhobener konkreter Daten - selbstverständlich statistikrelevant . Die Medizin hat einen ehernen Grundsatz : den KRANKEN helfen. Das impliziert eine oberste Priorität, gleichsam Priorität "a priori" : ohne Wenn und Aber ! Er wird sich nicht immer durchsetzen lassen, weil manchmal die Umstände es einfach nicht ermöglichen. Aber das Sozialisationsbedürfnis, so bedeutsam es auch ist, kann und darf diese Priorität nicht aushebeln. Wer Krieg erlebt hat,weiß das und weiß auch, daß LEBENDE Menschen enorme soziale Belastungen ertragen können - eben um das Überleben zu schaffen. Der Theologe jedenfalls sollte das wissen. Was er da an Ansichten äußert ist eigentlich leeres Stroh. Aber einen Begriff wie "vernünftige Mehrheit" zu benutzen ohne zu erklären und zu begründen, wie die denn definiert ist - das schon fast gewissenlos. Man könnte durchaus versucht sein, seine Intention SO zusammenzufassen:
Statt nicht völlig erfolgssicher medizinische und präventive Maßnahmen zu ergreifen, lasse man den Theologen in die Altersheime, damit er den Insassen verdeutliche, daß das Jenseits ohnehin die bessere Welt ist.
LNS

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