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Corona: Viele reiche Staaten verhindern faire weltweite Impfstoffverteilung

Freitag, 23. Oktober 2020

/picture alliance, Kai-Uwe Wärner

Berlin – Zahlreiche Länder weltweit haben Abnahmevereinbarungen mit Impfstoff­herstellern getroffen, um die eigene Bevölkerung bei der Zulassung eines Impfstoffs versorgen zu können. Weniger wohlhabende Drittstaaten werden dabei selten berücksichtigt. Häufig verhindern solche Abmachungen sogar eine faire globale Verteilung von Impfstoffen. Das berichtet die gemeinnützige Organisation ONE nach Auswertung der Verträge.

Deutschland und die Europäische Union (EU) gehören den Angaben zufolge zum Feld derer, die sich derzeit um eine gerechte Verteilung von Impfstoff auch an Entwicklungsländer bemühen. Doch auch hier gebe es Verbesserungsbedarf, berichtet ONE im Vorfeld des World Health Summit, der am Sonntag in Berlin beginnt.

„Kein Land auf der Welt priorisiert eine gerechte Verteilung eines neuen Coronaimpfstoffs“, erklärte Clemens Schwanhold, politischer Referent bei ONE Deutschland, gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Staaten wie die USA, Russland oder China würden eine globale Verteilung von künftigen Coronaimpfstoffen sogar behindern. „Das ist ein Skandal, den wir uns nicht leisten können. Impfnationalismus macht blind und wird viele Leben kosten“, so Clemens.

ONE setzt sich nach eigenen Angaben für die Beendigung extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten bis 2030 ein. Im Vorstand der in den USA ansässigen Organisation sitzen auch bekannte Größen wie der U2-Sänger Bono, der ehemalige britische Premier David Cameron oder Facebook-Managerin Sheryl Sandberg.

In die Auswertung wurden die Länder der G20, die Hersteller, die Teil der Abnahmevereinbarungen sind, sowie auch die Verträge selbst einbezogen. Für ihren Vergleich zog ONE verschiedene Kriterien heran.

Wichtig für ein positives Ranking war demnach unter anderem, ob der von der Weltgesundheitsorganisation WHO mitinitiierte ACT (kurz für Access to COVID-19 Tools) Accelerator unterstützt wird. Das Projekt soll Impfungen, Medikamente und Diagnoseinstrumente im Rahmen von COVID-19 weltweit zugänglich machen.

Zudem achteten die Autoren darauf, ob es eine Zusammenarbeit mit anderen Akteuren gab, die eine faire Verteilung ermöglicht, ob sich diese Einstellung auch in der nationalen oder Unternehmenspolitik spiegelt und, ob in den geschlossenen Verträgen die Verteilung auch an weniger wohlhabende Länder vorgesehen ist.

So entstanden drei Kategorien: Die rote Kategorie „Gerechtigkeit noch nicht vorhanden“, die gelbe Kategorie „Raum für Verbesserungen“ sowie die grüne Kategorie „Gerechtigkeit wird gefördert“. In den grünen Bereich schaffte es kein Land, Unternehmen oder Vertrag.

Neben Deutschland und der EU stufte ONE auch Frankreich, Italien, Großbritannien sowie Saudi Arabien in den gelben Bereich ein. Bei den Unternehmen schafften es AstraZeneca sowie Johnson & Johnson in diese Kategorie. Diese Akteure setzen sich den Angaben zufolge zwar mit wichtigen Maßnahmen für eine gerechte Verteilung von Impfstoffen ein, seien in ihrem Vorgehen aber nicht konsistent.

Alle übrigen Länder und Unternehmen fallen laut ONE derzeit noch in den roten Bereich. Die bisher unternommenen Schritte dieser Akteure tragen demnach nicht zu einer fairen, globalen Verteilung von Impfstoffen bei. Besonders schlecht schnitt laut ONE das deutsche Biotechnologie-Unternehmen BioNTech ab, das an einem aussichtsreichen Impfstoff mitarbeitet. © alir/aerzteblatt.de

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