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Medizin

Immunologischer Stuhltest kann Darmkrebs bei symptomatischen Patienten sicher ausschließen

Montag, 26. Oktober 2020

/Andrey Popov, stock.adobe.com

London – Ein negatives Ergebnis in einem immunologischen Stuhltest, der okkultes Blut im Stuhl nachweist, hat in einer größeren Studie des britischen National Health Service bei Patienten mit unspezifischen Symptomen eine Darmkrebserkrankung mit hoher Sicherheit ausgeschlossen. Der Test könnte nach den in Gut (2020; DOI: 10.1136/ gutjnl-2020-321956) veröffentlichten Ergebnisse die Zahl der Koloskopien um 2/3 senken.

Eine Koloskopie ist die sicherste Methode, bei unklaren Beschwerden einen Darmkrebs auszuschließen. Die Untersuchung ist jedoch aufwendig und belastet deshalb die Endoskopiekapazitäten. In Großbritannien ist die Zahl der Koloskopien wegen unklarer Beschwerden in den letzten Jahren um mehr als 90 % gestiegen. Dies hatte zur Folge, dass mehr als die Hälfte der Endoskopiezentren das vorgegebene Ziel, die Untersuchung innerhalb von 2 Wochen durchzuführen („2WW“), nicht mehr erfüllen können.

Ein Grund für die starke Zunahme war, dass die Hausärzte kein Vertrauen in den Stuhltest haben, der eine mögliche Krebserkrankung anhand der Blutspuren anzeigt, die vom Krebs freigesetzt und in Stuhlproben nachgewiesen werden können.

Der National Health Service hat deshalb an 55 Kliniken des Landes eine Vergleichsstudie durchgeführt. Patienten mit Verdacht auf ein Kolorektalkarzinom wurden gebeten, vor der Koloskopie zuhause eine Stuhlprobe zu nehmen und an ein Labor zu schicken. Zum Einsatz kam ein moderner immunologischer Stuhltest (FIT), der eine Komponente des Hämoglobins erkennt.

Ein Team um Muti Abulafi vom Croydon University Hospital in Südlondon hat bei 9.822 Patienten die Ergebnisse von Koloskopien und Stuhluntersuchungem verglichen. Erwartungsgemäß wurde nur bei den wenigsten Patienten ein Darmkrebs entdeckt. Insgesamt 329 Diagnosen (3,3 %) wurden gestellt. Der FIT-Test hatte 319 von ihnen erkannt. In 10 Fällen wäre die Diagnose übersehen worden.

Abulafi gibt den negativen Vorhersagewert mit 99,8 % an mit einem wegen der hohen Teilnehmerzahl engen 95-%-Konfidenzintervall von 99,7 bis 99,9 %). Das heißt: Ein Patient mit unklaren Darmbeschwerden kann bei einem negativen Ergebnis des FIT-Tests zu 99,8 % sicher sein, dass er nicht an Darmkrebs leidet.

An den Zentren könnte der Test die Zahl der Koloskopien um 2/3 Denn der Test fiel nur bei 37,2 % der Patienten positiv aus. In diesem Fall liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sich hinter den Beschwerden ein Krebs verbirgt, bei 8,7 %. Auch bei diesem positiven Vorher­sagewert war das 95-%-Konfidenzintervall von 7,8 bis 9,7 % relativ eng, die Aussage also statistisch zuverlässig.

Der FIT-Test könnte deshalb die Endoskopiezentren deutlich entlasten. Dies hätte den Vorteil, dass mehr Patienten innerhalb der 2-Wochen-Frist koloskopiert und im Fall einer Darmkrebsdiagnose zeitnah behandelt werden könnten (wenn Engpässe in der Chirurgie dies nicht verhindern).

Da der Test zuhause durchgeführt werden kann, könnte sich auch die Zahl der Arztkon­takte vermindern, was vielen Patienten während der derzeitigen Pandemie entgegen käme. © rme/aerzteblatt.de

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