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Medizin

Antenatales Dexamethason senkt Sterberisiko von Frühgeburten auch in ärmeren Ländern

Mittwoch, 4. November 2020

/dpa

Genf – Eine antenatale Steroidbehandlung, die in reicheren Ländern bei einer drohenden Frühgeburt seit langem Standard ist, hat sich jetzt in einer randomisierten Studie der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) auch in Entwicklungsländern als effektiv erwiesen. Nach den jetzt im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2022398) publizierten Ergebnissen rettet die Behandlung einem von 25 zu früh geborenen Kindern das Leben.

Das Atemnotsyndrom des Neugeborenen gehört zu den wichtigsten Todesursachen von sehr früh geborenen Säuglingen. Betroffen sind bis zur Hälfte der Kinder, die vor der 28. Woche und 1/3 der Kinder, die vor der 32. Woche geboren werden. Ursache ist vor allem ein Mangel an Surfactant.

Ohne die oberflächenaktive Substanz können sich die Alveolen nach der Geburt nicht entfalten, was einen ausreichenden Gasaustausch verhindert. Eine Steroidgabe kann die Bildung von Surfactant anregen. Die Behandlung ist nach einer Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2017 durch 30 Studien belegt (die auch eine präventive Wirkung auf Hirnblu­tungen oder Darmschäden gezeigt haben).

Es gab allerdings Zweifel, ob die guten Erfahrungen auf ärmere Länder übertragbar sind. Auslöser waren die vor 5 Jahren im Lancet (2015; DOI: 10.1016/S0140-6736(15)60956-4) publizierten Ergebnisse der ACT-Studie („Antenatal Corticosteroids in Developing Countries“), die keinen Rückgang der Mortalität in ärmeren Ländern nachweisen konnte. Daraufhin ging vielerorts die Zahl der Behandlungen zurück. Auch die Weltgesundheits­organisation (WHO) schränkte die Empfehlungen ein.

Gleichzeitig wurde die WHO ACTION-I-Studie („Antenatal Corticosteroids for Improving Outcomes in Preterm Newborns“) angeschoben, an der seit Dezember 2017 an 29 Kliniken in Bangladesch, Indien, Kenia, Nigeria und Pakistan 2.852 Schwangere (und ihre 3.070 Feten) teilnahmen.

Bei den Schwangeren war es zwischen der Gestationswoche 26+0 und 33+6 zu einer Frühgeburt gekommen (zu etwa 60 % spontan und zu 40 % ärztlich induziert). Die Schwangeren wurden auf eine antenatale Behandlung mit einem Steroid oder Placebo randomisiert (6mg Dexamethason alle 12 Stunden, maximal 4 Dosen).

Die primären Endpunkte waren erstens der Tod des Neugeborenen, zweitens eine Totgeburt oder der Tod des Neugeborenen und drittens bakterielle Infektionen der Mutter. Die Studie wurde nach der zweiten Zwischenauswertung abgebrochen, als für alle 3 Endpunkte ein deutlicher Vorteil der antenatalen Steroidgabe erkennbar wurde.

Zu diesem Zeitpunkt waren in der Dexamethasongruppe 278 von 1.417 Säuglingen (19,6 %) gestorben gegenüber 331 von 1.406 Säuglingen (23,5 %) in der Placebogruppe. Rajiv Bahl von der WHO in Genf ermittelt ein relatives Risiko von 0,84, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,72 bis 0,97 signifikant war.

Der zweite Endpunkt (Totgeburt oder neonataler Tod) trat in der Dexamethasongruppe bei 393 von 1.532 Feten und Säuglingen (25,7 %) auf gegenüber 444 von 1.519 Feten und Säuglingen (29,2 %) in der Placebogruppe, was ein relatives Risiko von 0,88 (0,78 bis 0,99) ergibt. Die Inzidenz einer möglichen mütterlichen bakteriellen Infektion betrug 4,8 % gegenüber 6,3 %. Das relative Risiko von 0,76 verfehlte hier mit einem 95-%-Konfi­denz­intervall von 0,56 bis 1,03 das Signifikanzniveau, ein Nutzen ist jedoch nicht ausschlossen.

Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen. Die Inzidenz schwerwiegender uner­wünschter Ereignisse lag bei den Frauen in beiden Gruppen bei 1,1 %. Bei den Neuge­borenen wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse beobachtet.

Das Fazit der WHO fällt deshalb eindeutig positiv aus. Die Differenz von 3,9 Prozent­punkten im ersten primären Endpunkt bedeutet, dass auf etwa 25 Neugeborene eines kommt, dem durch die antenatale Steroidbehandlung das Leben gerettet wird.

Die WHO schränkt allerdings ein, dass die Behandlung nur dann wirksam ist, „wenn sie von Gesundheitsdienstleistern durchgeführt wird, die zeitnahe und genaue Entschei­dungen treffen und ein Mindestpaket an qualitativ hochwertiger Versorgung für die schwangeren Frauen und ihre Babys bereitstellen können.“

Laut WHO sind Frühgeburten weltweit die häufigste Todesursache bei Kindern unter 5 Jahren. Jedes Jahr werden schätzungsweise 15 Millionen Kinder zu früh geboren, und 1 Million sterben aufgrund von Komplikationen, die sich aus ihrer frühen Geburt ergeben.

In einkommensschwachen Verhältnissen stirbt die Hälfte der Kinder, die in oder vor der 32. Woche geboren wurden, weil es an einer einfachen und kostengünstigen Betreuung fehlt. © rme/aerzteblatt.de

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