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Politik

Ärzte und Krankenhäuser warnen vor dramatischem Mangel an Pflegekräften

Dienstag, 27. Oktober 2020

/picture alliance, Marcel Kusch

Berlin – Der Mangel an Pflegepersonal in deutschen Krankenhäusern entwickelt sich nach Ansicht von Ärztevertretern zum zentralen Problem bei der Versorgung von COVID-19-Patienten.

Viele der Zusatzbetten, die geschaffen worden seien, könnten „nicht belegt werden, weil das Personal zur Versorgung der Patienten fehlt“, sagte der Präsident der Deutschen Inter­disziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, den Zei­tungen der Funke Mediengruppe.

Es gebe einen dramatischen Mangel an Pflegekräften, beklagte er weiter. Zwar würden in­zwischen ausreichend Kapazitäten an freien Intensivbetten und Beatmungsgeräten be­reitstehen. Das allein helfe aber nicht weiter. Grob geschätzt fehlten bundesweit 3.500 bis 4.000 Fachkräfte für die Intensivpflege.

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, rechnet damit, dass sich der Personalmangel in den Krankenhäusern bald massiv bemerkbar macht. „Sechs bis neun Prozent der Infizierten von heute werden in zwei Wochen im Kranken­haus behandelt werden müssen.“ Und pro schwer krankem COVID-19-Patienten auf der Intensivstation werde eigentlich eine Pflegekraft benötigt.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, bezeichnete den Engpass beim Pflegepersonal als „die zentrale Herausforderung, wenn die Patienten­zahlen steigen“. Die Kliniken müssten dann Personal umbesetzen und sich wie im Früh­jahr auf die Versorgung von dringenden Fällen konzentrieren.

„Wir werden uns auf Wartezeiten bei der Regelversorgung ebenso einstellen müssen wie auf die Verlegung von Patienten aus hoch belasteten Standorten in entferntere Kranken­häuser“, so Gaß.

Der DKG-Chef warnte zugleich davor, allein die Lage auf den Intensivstationen zum Krite­rium für die Beherrschbarkeit der Pandemie zu nehmen.

„Nicht alle Patienten, die mit einer Coronainfektion ins Krankenhaus kommen, müssen intensivmedizinisch behandelt werden.“ Nur jeder Fünfte müsse auf die Intensivstation. Doch auch auf den Normalstationen bedeuteten COVID-19-Patienten eine große Heraus­forderung für das Personal.

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU), appellierte an Patienten mit anderen Krankheiten, sich trotz der Pandemie nicht von einem Klinikbe­such abhalten zu lassen. Niemand müsse sich „Sorgen machen, in einer Notfallsituation wie bei Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht versorgt zu werden“. © kna/aerzteblatt.de

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