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Medizin

Der Nutzen von psychologischen Interventionen für Menschen mit Epilepsie

Dienstag, 10. November 2020

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Witten/Herdecke – Epilepsie kann das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Patien­ten erheblich beeinträchtigen. Psychotherapeutische Verfahren können dem entgegen­wirken und die Lebensqualität der Patienten verbessern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler um Rosa Michaelis in einem neuen Cochrane-Report (DOI: 10.1002/14651858.CD012081.pub3).

„Wir freuen uns insbesondere darüber, dass die Ergebnisse unseres Reviews bei der aktuellen Überarbeitung der Leitlinien zur Behandlung von Menschen mit Epilepsie in Deutschland und in Großbritannien berücksichtigt werden“, erklärte Michaelis gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Die deutschen Leitlinien würden beispielsweise erstmals differenzierte Empfehlungen zur Behandlung der häufigen psychischen Begleiterkran­kungen von Menschen mit Epilepsie enthalten.

„Dies ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Allerdings fehlen vielerorts die notwendigen Versorgungsstrukturen, um diese Empfeh­lungen auch umsetzen zu können. Da gibt es hierzulande und auch international Verbesserungsbedarf“, so Michaelis.

Die Behandlung von Epilepsie konzentriert sich in der Regel darauf, die Zahl der Anfälle, die ein Patient hat, mit so wenigen Nebenwirkungen wie möglich zu verringern. Die Wissenschaftler wollten wissen, inwieweit psychologische Interventionen die Lebens­qualität von Menschen mit Epilepsie zusätzlich verbessern können.

„Wir fanden 36 randomisierte kontrollierte Studien, an denen insgesamt 3.526 Patienten mit Epilepsie teilnahmen. Die Teilnehmer der meisten Studien waren Erwachsene (27 Studien). Nur 3 Studien schlossen Jugendliche und Erwachsene ein und an 6 Studien waren Kinder und Jugendliche beteiligt“, berichten sie.

In den meisten Studien (27) wurde die Wirkung von psychotherapeutischen Interven­tionen untersucht. Im Gegensatz zu rein edukativen Interventionen vermitteln diese Verfahren den Betroffenen Kompetenzen, die sie in ihrem täglichen Leben anwenden können. Zu diesen Behandlungsansätzen zählen neben Verfahren der kognitiven Verhal­tenstherapie (CBT) Selbstmanagementverfahren und sogenannte achtsamkeitsbasierte Therapie.

In den anderen 9 Studien wurden rein edukative Interventionen untersucht. Diese Inter­ventionen zielen darauf ab, Betroffenen Wissen über Epilepsie und Anfälle, über die Funktionsweise des Gehirns und über die Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsie zu vermitteln. Die Studien verglichen die Wirkung der psychologischen Therapien mit der Regelbehandlung, sozialer Unterstützung oder antidepressiven Medikamenten.

„Die von den 36 Studien untersuchten Interventionen waren recht heterogen und die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Teilnehmer wurde mit verschiedenen Skalen beurteilt, so dass wir nicht alle Studien in die Metanalyse aufnehmen konnten. Wir konnten jedoch die Ergebnisse von 11 Studien zu psychotherapeutischen Verfahren vergleichen, weil die Interventionen ähnlich genug waren und sie dieselbe Skala zur Beurteilung der Lebensqualität verwendeten“, so die Cochrane-Autoren.

In den 11 Studien wurden mit dem 7 Subskalen umfassenden QOLIE-31 (Quality of life in Epilepsy-31) verschiedene Aspekte der Lebensqualität gemessen. Bei den Teilnehmern an der psychotherapeutischen Interventionsgruppe fand sich insgesamt eine signifikant größere Verbesserung der Lebensqualität als in der Kontrollgruppe.

Die Teilnehmer in der Kontrollgruppe hatten die Regelversorgung (8 Studien), soziale Unterstützung (2 Studien) oder antidepressive Medikamente (1 Studie) erhalten. Das Ausmaß der Verbesserung der Lebensqualität war zudem auch klinisch bedeutsam. 10 dieser 11 Studien hatten Angaben zu den Subskalen des QOLIE-31 gemacht, was die Mitbeurteilung verschiedener Aspekte der Lebensqualität erlaubte.

So fanden sich auch signifikant bessere Ergebnisse auf den 6 Subskalen „emotionales Wohlbefinden“, „Energie und Müdigkeit“, „allgemeines Wohlbefinden“, „anfallsbezogene Sorgen“, „Medikamentenwirkung“ und „soziale Funktion“.

„Wir kamen zu dem Schluss, dass Psychotherapie die Lebensqualität von Erwachsenen und Jugendlichen mit Epilepsie verbessern kann“, so das Fazit des Reviews. © hil/aerzteblatt.de

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