NewsPolitikHarte Einschnitte sollen nationale Gesundheitsnotlage verhindern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Harte Einschnitte sollen nationale Gesundheitsnotlage verhindern

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Michael Müller, Angela Merkel, Markus Söder /picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Fabrizio Bensch

Berlin – Harte Einschnitte in der Coronapandemie sollen in Deutschland eine nationale Gesundheitsnotlage verhindern. Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute nach einem Beschluss mit den Ministerpräsidenten der Länder betont, der weitreichende bundesweite und vorübergehende Maßnahmen vorsieht.

Bund und Länder einigten sich heute auf massive Beschränkungen des öffentlichen Lebens ähnlich wie im Frühjahr. Die Maßnahmen sollen ab kommendem Montag (2. No­vember) bis Ende November gelten. Restaurants und Kneipen sollen wieder schließen, genauso wie Kosmetikstudios, Massa­gepraxen, Tattoo- und Fitnessstudios oder Kinos.

Anzeige

Für die von den temporären Schließungen erfassten Unternehmen, Betriebe, Selbststän­di­gen, Vereine und Einrichtungen will der Bund eine außerordentliche Wirtschaftshilfe gewähren. Der Erstattungsbetrag beträgt 75 Prozent des entsprechenden Umsatzes von November 2019 für Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern, womit die Fixkosten des Unternehmens pauschaliert werden.

Die Prozentsätze für größere Unternehmen werden nach Maßgabe der Obergrenzen der einschlägigen beihilferechtlichen Vorgaben ermittelt. Die Finanzhilfe wird ein Finanzvo­lumen von bis zu zehn Milliarden haben. Bisherige Überbrückungshilfen für die Betriebe werden verlängert. Die Konditionen für die am stärksten betroffenen Bereiche werden verbessert. Zudem wird der Schnellkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau für Beschäf­tigte mit weniger als zehn Beschäftigten angepasst.

Eine große Rolle spielt in dem Beschluss die Einschränkung der privaten Kontakte. In der Öffentlichkeit sollen sich demnach nur noch maximal zehn Menschen aus dem eigenen und einem zweiten Hausstand gemeinsam aufhalten dürfen. Veranstaltungen werden ge­stri­chen und Zuschauer in der Fußball-Bundesliga wieder verboten.

Besuche in Pflege- und Altenheimen sollten, so der Wunsch Merkels, unter Hygiene­auf­la­gen weiter ermöglicht werden. Für Bewohner, Beschäftigte und Besucher in Pflege- und Seniorenheimen sowie für Krankenhäuser wurden bereits Maßnahmen auf den Weg ge­bracht, darunter Schnelltests. Bei Gottesdiensten soll es keine Verschärfungen ge­ben. Geöffnet bleiben sollen Schulen, Kindergärten, der Groß- und Einzelhandel sowie Friseur­lä­den.

Bund und Länder appellierten in dem Beschluss an die Menschen, Heim­arbeit zu machen, wo immer möglich. Die Arbeitgeber müssen dafür sorgen, ihre Mitarbeiter vor Infektionen zu schützen. Jedes Unternehmen muss ein Hygienekonzept umsetzen.

Auch sollen die Bürger auf nicht notwendige private Rei­sen verzichten. Dazu gehören auch Besuche von Verwandten und tagestouristische Ausflüge. Die Menschen seien an­gehalten, „die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der An­gehörigen des eigenen Hausstandes auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren“.

Merkel sprach davon, dass eine Kontaktreduzierung um 75 Prozent notwendig sei. Ziel sei es, die Nachverfolgung von Infektionen wieder notwendig zu machen und Infektionskett­en wieder unterbrechen zu können. Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plät­zen, in Wohnungen so­wie privaten Einrichtungen seien angesichts der ernsten Lage „in­akzeptabel“, heißt es darin.

Zum Handeln verpflichtet

„Wir sind verpflichtet, so rechtzeitig zu handeln, dass der Notstand nicht schon da ist“, sagte Merkel heute in Berlin. Sie verwies dabei unter anderem auf den deutlichen Anstieg der COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen. Notwendig sei es nun, die Zahlen nach unten zu drücken. Wenn die Zahl der Neuinfektionen im bisherigen Tempo weiter ansteigen würden, gerate die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems binnen Wochen an seine Grenzen, so die Kanzlerin.

Die Entwicklung sei inzwischen an einem Punkt, bei dem man bei 75 Prozent der Infek­tio­nen nicht mehr wisse, woher sie kämen, begründete Merkel. Man könne also nicht mehr sa­gen, dass bestimmte Bereiche nicht zur Ausbreitung beitrügen. Merkel begrüßte erarbei­tete Hygienekonzepte, die aber im Augenblick nicht mehr ausreichend Wirkung bei der Eindämmung entfalteten.

Die Kanzlerin kündigte an, dass Bund und Länder zwei Wochen nach dem Inkrafttreten der Beschränkungen die Auswirkungen bewerten wollen. All dies diene dem Ziel, im Dezember wieder unter Coronabedingungen das öffentliche Leben besser gestalten zu können – etwa so wie derzeit. Merkel bekräftigte zudem das Ziel, dass Kon­takte von Infizierten wieder generell nachverfolgt werden könnten.

Merkel erklärte darüber hinaus, dass es bei der letzten Runde vor zwei Wochen noch kei­ne Akzeptanz für so weitreichende Regeln gegeben habe. Die Lage sei nun eine andere. Alle Bundesländer würden die Beschlüsse mittragen, so Merkel. Sie merkte zugleich an, dass man vor Gerichten werde nachweisen müssen, dass Handlungsbedarf bestehe. Sie sieht aber Unterschiede etwa zum Beherbergungsverbot. Nun würden touristische Reisen generell unterbunden.

Die Kanzlerin ließ heute keine Zweifel an der Notwendigkeit der Beschlüsse. „Wir müssen han­deln, und zwar jetzt“, sagte sie. „Die Kurve muss wieder abflachen.“ Man brauche jetzt im November eine befristete „nationale Kraftanstrengung“. „Wir müssen Kontakte nach­ver­­folgen können“, sagte sie. Ansonsten käme man zu Kapazitätsengpässen bei den Tes­tungen und Arzneimitteln.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hält den geplanten bun­des­weiten Teillockdown zur Eindämmung der Pandemie für richtig und sachgerecht. „Das wird ein schwerer Weg, jetzt diese Beschlüsse umzusetzen“, sagte er. „Wir wissen alle, was das bedeutet, was das für Zumutungen und Einschränkungen für die Menschen sind.“

Aber: „Wenn wir jetzt zugucken, werden wir vielen Menschen nicht helfen können“, un­ters­trich Müller. In Berlin würden die Intensivbetten jetzt schon wieder mindestens ge­nauso stark genutzt wie zu Beginn der Pandemie – mit stark steigender Tendenz. „Das ist nichts Abstraktes mehr.“ Es gehe um die Gesundheit und um Menschenleben.

Aus Sicht Müllers ist es richtig und wichtig, Schulen und Kitas weiter offenzuhalten. In der ersten Phase der Pandemie habe sich gezeigt, dass Kita- und Schulschließungen dramatische soziale Folgen haben könnten. Wichtig sei ihm zudem, dass die Wirtschaft weiter unterstützt werde.

„Es sind harte Maßnahmen, aber es handelt sich um vier Wochen“, sagte Müller. Natürlich werde es Menschen geben, die sagen, das sei eine lange Zeit, womöglich eine zu lange Zeit. Aber die Hoffnung sei, dass es durch die Maßnahmen eine Chance gebe, die aktuelle dramatische Entwicklung der Pandemie zu entschärfen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete den teilweisen Lockdown ab dem kommenden Montag als „bittere Pille“ für die Menschen. Es gehe aber um eine „Vier-Wochen-Therapie“, von der „wir hoffen, dass die Dosis richtig ist“, sagte er.

Bund und Länder hätten abgewogen und genau überlegt, welche Auswirkungen die be­schlossenen Regeln hätten. Klar sei aber auch, „je länger wir warten, desto schwieriger wird es“, sagte Söder. Als drohende Konsequenz könnten die Krankenhäuser wegen der überfüllten Intensivstationen am Ende vor der Entscheidung über Leben und Tod stehen.

Wenn sich jetzt alle gemeinsam an die Regeln hielten, dann gebe es eine gute Basis, dass es „keine Dauerschleife“ von immer wiederkehrenden Beschränkungen gebe, betonte Söder. Dies gebe Anlass für Optimismus.

Intensivmediziner besorgt, Warnung vor zu weitgehenden Maßnahmen

Im Vorfeld der Beschlüsse hatten die Intensiv- und Notfallmediziner in Deutschland die Sorge geäußert, bei weiter steigenden Infektionszahlen die intensivmedizinische Versor­gung bald nicht mehr in vollem Umfang gewährleisten zu können, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Mit einem YouTube-Video wendet er sich an die Bevölkerung. Darin bittet er darum, Kon­takte zu minimieren, größeren Veranstaltungen fernzubleiben und die Teilnahme an Fes­ten zu vermeiden. „Ohne Ihre Hilfe werden wir es nicht schaffen“, so Janssens. Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften und die Nutzung der Corona-Warn-App würden helfen.

„Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, wird es uns gelingen, die Kurve der derzeit steigenden Infektionszahlen wieder flach zu halten“, ergänzte Janssens. Damit werde Druck aus den Krankenhäusern, insbesondere den Intensivstationen herausgenommen. Er spricht stellvertretend für mehr als 3.000 Intensivmediziner und Pflegekräfte. Sie dankten für jede Unterstützung.

Zugleich mahnten Ärztevertreter und Wissenschaftler heute im Vorfeld des Treffens Be­schlüsse mit Augenmaß an. Im weiteren Management der COVID-19-Pandemie sollten die bisherigen Evi­denz- und Erfahrungsgewinne berücksichtigt, ein breites Herunter­fah­ren des Alltagsle­bens ver­mieden und zugleich die Akzeptanz für zielgerichtete Maßnah­men zur SARS-CoV-2-Ein­dämmung gesteigert werden, heißt es in einem von Ärzten und Wissen­schaft­lern vorge­legt­en Positionspapier.

Ein „wochenlanges Koma“ der gesamten Gesell­schaft sei nicht zielführend und drohe bleibende Schäden für Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft anzurichten, warnte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassen­ärztli­chen Bundesvereingung (KBV).

Die Maßnahmen will Bundeskanzlerin Merkel am Donnerstag auch im Bundestag bei einer Regierungserklärung erläutern. © may/dpa/afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 29. Oktober 2020, 14:29

Der R-Wert sinkt auf 1,03 beim Rekordwert von 1,36 Millionen PCR Tests

Irgendwie sehr "unglücklich gelaufen", das die Veröffentlichung dieses Bericht erst 1 Tag NACH der Verhängung des zweiten Lockdowns erfolgt ist.

>>> https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Okt_2020/2020-10-28-de.pdf?__blob=publicationFile
Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 29. Oktober 2020, 14:15

Fitnessstudios bergen kaum Covid-19 Ansteckungsgefahr

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie. Das könnte juristische Konsequenzen haben.

Unter europaweit 62 Millionen Eintritte in Fitnessstudios waren lediglich 487 Covid-19 Fälle. Damit liegt die Infektionsquote bei 0,78 auf 100.000 Fitnessstudiobesuche. Das berichtet das Fachportal BodyMedia.

Bereits am 25. September hatte EuropeActive eine gross angelegte Studie gestartet, «um herauszufinden wie hoch das Infektionsrisiko mit COVID-19 in Fitnessstudios in Europa tatsächlich ist», wie BodyMedia schreibt.

Dazu kooperierten die King Juan Carlos Universität in Spanien und das AWRC-Sheffield, ein Forschungszentrum der Hallam Universität in England, mit EuropeActive.

«Befragt wurden Fitnessstudios aus den wichtigsten europäischen Fitnessmärkten Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Spanien, aber auch Länder wie Schweden, Norwegen, Dänemark, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Portugal, Polen und Tschechien», fasst das Portal zusammen.

>>> https://www.bodymedia.de/news/studie-sehr-geringe-ansteckungsgefahr-in-fitnessstudios.html
>>> https://www.europeactive.eu/news/safeactive-study-%E2%80%93-preliminary-results-showing-extremely-low-levels-covid-19-risk-fitness-clubs
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 29. Oktober 2020, 13:39

Wem nützt die CORONA-KAKOPHONIE?

"Heute ist ein schwerer Tag", sagte die Bundeskanzlerin nach der Bund-Länder-Konferenz gestern, am 28.10.2020. "Wir wissen, was wir den Menschen zumuten."

'Hier stehen wir und können nicht anders'? Was ist das bloß für eine Botschaft der Politik angesichts steigender SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen?

Nach Gutsherrenart legen Bund und Länder ohne parlamentarische Abstimmung weite Bereiche des öffentlichen Lebens still.

Die Beschlüsse ab 02.11.2020:

- Nur noch Angehörige von zwei Haushalten mit maximal zehn Personen sollen sich treffen.
- MitarbeiterInnen sollen Heimarbeit machen.
- Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoostudios müssen im November schließen, Friseursalons bleiben geöffnet.
- Schulen und Kindergärten bleiben geöffnet.
- Einzelhandels-Geschäfte dürfen nicht mehr als einen Kunden pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche einlassen.
- Gottesdienste bleiben erlaubt.
- Verbot für Veranstaltungen im Unterhaltungs- und Freizeitbereich: Kinos, Theater und Freizeitparks bzw.
- Amateursport müssen ruhen; Spiele im Profisport finden ohne Zuschauer statt.
- Fitnessstudios und Schwimmbäder werden geschlossen.
- Verzicht auf private Reisen, Tagesausflüge und Verwandtenbesuche, Hotels und Pensionen dürfen keine Touristen aufnehmen...

Der Verein "ÄRZTE FÜR AUFKLÄRUNG", der ja eigentlich gegen Aufklärung ist, lehnt die gewählte Bundesregierung rundweg ab. Das war bei deren Verschwörungstheorien auch nicht anders zu erwarten.

In der seriöseren Medizin-Szene gibt es einen Dissens. Einerseits wird beklagt: Ohne Nachverfolgbarkeit gerät das Infektionsgeschehen bei COVID-19 außer Kontrolle. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/117819/COVID-19-Ohne-Nachverfolgbarkeit-geraet-Infektionsgeschehen-ausser-Kontrolle
Zu diesem Thema erklärte die Bundeskanzlerin aktuell, dass die Nachverfolgung bereits in 75% logistisch scheitern würde.

Andererseits wird die Abkehr von der individuellen Kontaktperso­nen­nach­verfolgung durch die Gesundheitsämter sowie die Einführung eines bundesweit ein­heitlichen Ampelsystems gefordert.
Letztgenannte Forderungen werden vom Chef der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), dem orthopädischen Kollegen Dr. med. Andreas Gassen, von Prof. Dr. med. Hendrik Streeck, Prof. Dr. med. Jonas Schmidt-Chanasit und KBV-Vize, Dr. med. Stephan Hofmeister gestellt und von vielen Ärzteverbänden unkritisch unterstützt: Die Gesundheitsämter sollten zudem eine Priorität auf Fälle mit Bezug zu medizinischen und pflegerischen Einrichtungen oder Veranstaltungen mit vielen Infizierten legen.
Risikogruppenadaptierte Maßnahmen unterscheiden sich damit aber kaum noch von regierungsamtlichen Bund-Länder-Runden.

Hendrik Streeck/Jonas Schmidt-Chanasit sind jedoch nicht die alleinvertretenden, allwissenden Meinungsmacher und -führer in der internationalen CORONA-Debatte. Sie bewirken mit ihrer Initiative leider auch, Reste von Konsens bei der Bekämpfung von SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen zu zerstören.

Die Bundesärztekammer (BÄK) mit ihrem Vorsitzenden Dr. med. Klaus Reinhardt, der sich im ZDF bei Markus Lanz mit irritierend-verstörenden Masken-Aussagen blamierte und am Folgetag zurückruderte, hat sich zum Thema 2. Lockdown erfreulicherweise nicht geäußert.

Die von der Kanzlerin und den Länder-Chefs aufgebaute „Drohkulisse“ führe eher zur Ermüdung der Menschen im Land denn zu einer Verbesserung der Wirksamkeit der vorgeschlagenen und sogar angeordneten Maßnahmen, heißt es auch in einem Papier von Experten, zu denen die ehemaligen Gesundheitsweisen Professor Matthias Schrappe und Professor Gerd Glaeske sowie der Kassenverbands-Chef Franz Knieps zählen.

Doch was ist dran an den neuen Forderungen der Bundesregierung und der Länder? Sind diese nicht doch zu selbstherrlich, unbegründet und unverhältnismäßig autoritär? Die zu Grunde liegende Datenbasis ist erschreckend dürftig!

Das Robert-Koch-Institut (RKI) liefert dazu eine eher verstörende Grafik:

bildschirmfoto_2020-10-22_um_15.27.08_original_original.jpg

Was soll z.B. die Unterscheidung zwischen Wohnstätten und Privater Haushalt? Warum Flüchtlingsheim und Wohnheim getrennt? Med. Behandlungseinrichtung, Krankenhaus und Praxis spielen zusammen eine völlig untergeordnete Rolle im Corona-Krankheitsgeschehen! Warum Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte getrennt?

Und was um Himmels Willen sollen Speisestätten sein? Mensa, Cafeteria, Kantine, Tageseinrichtung, Imbissbude, Gaststätte, Hotel-Gastronomie oder gar Buffet im Swingerclub oder Erdnüsse/Oliven in der Nacht-, Nackt- oder Ski-Bar?

Während in den Kalenderwochen 14-17 extrem viele Pandemie-Fälle in Alten-, Pflege- und Flüchtlings-Heimen auftraten, tauchen Kategorien wie Kino, Kultureinrichtungen und Schwimmbäder nie als Risiko-Hotspots auf.

Angesichts von Pandemie, Lockdown II, realen Bedrohungen durch SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen dann auch noch von "Nationaler Gesundheitslage" zu sprechen, ist erschreckend dilettantisch: Es muss "Nationale Krankheitslage" heißen!

Mit ihrer beschönigenden Gesundheits-Begrifflichkeit und den wahllos-willkürlichen, unbegründeten, unverhältnismäßigen und unlogischen Lockdown-Maßnahmen heizen Bundesregierung und Länder nur das an, was sie vermeiden zu wollen vorgeben:

Eine CORONA-KAKOPHONIE mit wiedersprüchlichsten bio-psycho-sozial-medizinischen gesellschaftspolitischen und juristischen Auseinandersetzungen.

Einzelheiten mit Abb. unter
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/30089-corona-kakophonie

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #760232
penangexpag
am Donnerstag, 29. Oktober 2020, 12:44

Die Stunde der Kanzlerin

In ihrer Regierungserklärung hat die Bundeskanzlerin mit der notwendigen Klarheit die notwendigen Maßnahmen aufgelistet. Eine Regierungserklärung hat diesen Zweck. Sie ist NICHT Auftakt einer Grundsatzdebatte, sondern deren Ende. Diese Debatte hat auch seit Monaten stattgefunden : in der Bevölkerung, in den Landesparlamenten und auch im Bundestag, vor allem aber in den Wissenschaftsbereichen . Die Bundesregierung hat getan, wozu sie verpflichtete ist, nämlich aus diesem großen Spektrum von Debatten rationale Schlußfolgerungen zu ziehen und sie tut nun was sie tun muß - nämlich mit der der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus angepaßten Konsequenz Handlungen einzuleiten. Niemand hat das Parlament gehindert und niemand hindert das Parlament an Debatten und Gesetzesvorlagen. Den räumlichen und zeitlichen Gradienten der Virusausbreitung immer wieder zu hinterfragen ist Unsinn. Jeder kann das aus den täglichen Veröffentlichungen des RKI ganz einfach entnehmen. Die AfD als Opposition kann durchaus Normenkontrollklagen starten - einen Gefallen tut sie sich damit nicht. Denn allen Bürger, die die Regierungserklärung und die anschließenden Redebeiträge gesehen haben, wird die Profilierungsneurose der AfD und übrigens auch der FDP nicht verborgen geblieben sein. Es ist jetzt unerheblich, von wo sich das Virus anfänglich ausgebreitet hat ( es kam von den westlichen und südlichen Grenzen der Bundesrepublik). Jetzt gilt mit absoluter Priorität :"Ausbreitung stoppen". Das bedeutet nichts anderes als "Bewegung der Virustransporteure stoppen" - und die Virustransporteure sind wir selbst - die Bürger.
LNS

Nachrichten zum Thema

27. November 2020
Berlin – Die Gesamtzahl der nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektionen in Deutschland hat die Marke von einer Million überschritten. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) 22.806 neue
Mehr als eine Million Infektionen mit SARS-CoV-2 in Deutschland
27. November 2020
Berlin – Die Bundesregierung setzt in der Vorweihnachtszeit auch auf die Eigenverantwortung der Bürger, um persönliche Kontakte zu reduzieren und die Coronapandemie besser in den Griff zu bekommen.
Politiker richten Corona-Appell an Bürger
27. November 2020
Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat die Bundeswehr einem Bericht zufolge um logistische Hilfe bei der Vorbereitung der Impfungen gegen das Coronavirus gebeten. In einem Brief bat
Ministerium bittet Bundeswehr um Hilfe bei Impfvorbereitungen
27. November 2020
Kiel/Berlin – Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat dem Bund vorgeworfen, eine verbesserte Finanzierung von freigehaltenen Intensivbetten für SARS-CoV-2-Patienten vorerst verhindert zu
Bessere Krankenhausfinanzierung am Bund gescheitert
27. November 2020
Düsseldorf – Die Bundesregierung hat entschieden, dass zunächst nur Kliniken der höheren Notfallstufen 2 und 3 bei einer Auslastung von mehr als 75 Prozent der Intensivbetten die Freihaltepauschale
Krankenhausgesellschaft befürchtet Versorgungsengpässe
27. November 2020
Berlin – Coronaschnelltests sollen nach einem Bericht bei besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen, die bislang keine Symptome zeigen, verstärkt zum Einsatz kommen. Das geht aus einem
Mehr Schnelltests für Risikogruppen ohne Symptome geplant
27. November 2020
Berlin – Der Vorstandsvorsitzende und Medizinische Vorstand des Klinikums Stuttgart, Jan Steffen Jürgensen, hat betont, dass die Krankenhäuser in der zweiten Pandemiewelle auch die
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER