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Medizin

COVID-19: Studie findet robuste Antikörperantwort über mindestens 5 Monate

Donnerstag, 29. Oktober 2020

/Corona Borealis, stock.adobe.com

New York – Wie lange der Immunschutz nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 anhält, gehört derzeit zu den bangen Fragen. Nachdem eine Studie aus England zuletzt auf ein rasches Sinken der Seroprävalenz hingedeutet hat, kommen US-Mediziner in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abd7728) nun zu einer optimistischeren Einschätzung. Die Mehrzahl der untersuchten Patienten hatte eine robuste Immunantwort mit neutralisie­renden Antikörpern, die auch nach 5 Monaten noch nachweisbar war.

Antikörper ist nicht gleich Antikörper. Das Testset, das das britische Gesundheitsministe­rium in der REACT-Studie eingesetzt hat, konnte nur zeigen, welcher Anteil der Bevölke­rung bereits Kontakt zu dem Virus hatte. Dies waren in London im Sommer immerhin 13 %, womit die britische Metropole eine der höchsten (bekannt gewordenen) Seroprävalen­zen in Europa haben dürfte, die allerdings weit von einer Herdenimmunität entfernt ist.

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Eine Herdenimmunität wird zudem nur erzielt, wenn die Antikörper in ausreichender Menge vorhanden und in der Lage sind, das Virus zu neutralisieren. Dies konnte der ein­gesetzte „lateral flow“-Test nicht zeigen. Wesentlich genauer sind die Untersuchungen, die in diesem Sommer am Mount Sinai Health System in New York durchgeführt wurden.

Dort kam ein ELISA-Test („enzyme-linked immunosorbent assay“) zum Einsatz, der gezielt nach Antikörpern sucht, die gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 gerichtet sind. Außerdem wurde der Titer bestimmt, der ein Maß für die Menge der gebildeten Antikör­per ist. Der Test ist mit einer Sensitivität von 92,5 % und einer Spezifität von 100 % sehr genau.

Bis zum 6. Oktober wurden 72.401 Personen getestet, von denen 30.082 positiv waren. Der Titer gibt an, bis zu welcher Verdünnung des Plasmas der Test noch anschlägt. Je höher die Zahl, desto wahrscheinlicher ist es, dass ausreichend Antikörper für einen In­fektionsschutz vorhanden sind.

Für eine Plasmatherapie, bei der Erkrankte mit dem Plasma von Rekonvaleszenten be­han­delt werden, wird ein Titer von 1:320 gefordert. Diese Grenze haben nach den jetzt von dem Team um Florian Krammer von der Icahn School of Medicine mitgeteilten Er­gebnissen mehr als die Hälfte der Getesteten erreicht: Bei 22,49 % wurde ein Titer von 1:320, bei 31,79 % ein Titer von 1:960 und bei 38,60 % sogar ein Titer von 1:2.880 er­reicht.

Der nächste Schritt ist ein quantitativer Mikroneutralisationstest. Diese Untersuchung ist relativ aufwendig, weil dafür Zellkulturen mit SARS-CoV-2 infiziert werden müssen. Bei einer Infektion kommt es zum Absterben der Zellen, dem sogenannten zytopathischen Effekt.

Der Test untersucht, ob dies durch die vorherige Gabe von Plasma verhindert werden kann. Die Virologen haben dies in 120 Tests mit unterschiedlichen Plasmaproben unter­sucht. Schon im niedrigen Titerbereich von 1:80 bis 1:160 wurde eine neutralisierende Aktivität von etwa 50 % gefunden. Bei einem Titer von 1:320 stieg die neutralisierende Aktivität auf 90 % an. Die Titer von 1:960 und 1:2.880 lagen darüber.

Um zu untersuchen, wie lange die hohen Titer erhalten bleiben, wurden 121 Plasma­spen­der mit unterschiedlichen Titern nach etwa 3 Monaten und 5 Monaten erneut ein­bestellt. Es kam zwar zu einem leichten Abfall des GMT (geometrischen mittleren Titer) von ursprünglich 764 auf 690 nach 3 Monaten und 404 nach 5 Monaten.

Diese Titer sollten nach Einschätzung von Krammer jedoch weiterhin für einen Immun­schutz reichen. Bei der Grippe würde ein Titer von 1:40 ausreichen, um das Infektions­risiko um 50 % zu verringern. Ähnliche Titer sind laut Krammer für das Masernvirus, das Hepatitis-A-Virus, das Hepatitis-B-Virus und viele andere beschrieben. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #811177
Mitja
am Donnerstag, 29. Oktober 2020, 14:31

100% Spezifität?

wer soll das denn bitteschön glauben?
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