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Ärzteschaft

Diabetes Typ 1: Drängen auf frühe Diagnose und engmaschige Kontrolle

Freitag, 30. Oktober 2020

/Andrey Popov, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist auf die Notwendigkeit hin, Kin­der mit Typ-1-Diabetes frühzeitig zu diagnostizieren und ihre Stoffwechsellage engma­schig zu kontrollieren, um mögliche Folgeschäden durch schwere Ketoazidosen zu ver­meiden.

„Eine mittelschwere bis schwere Stoffwechselentgleisung wirkt sich bei den Betroffenen negativ auf die Aufmerksamkeitsleistung aus – im Vergleich zur Gruppe der Kinder, die keine oder nur eine milde diabetische Ketoazidose hatten“, erläuterte der DDG-Vizeprä­sident Andreas Neu. Dies habe eine Studie gezeigt, die vor bereits rund zwei Jahren im Fachmagazin „Diabetes Care“ erschienen ist (DOI: 10.2337/dc18-1405).

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„Diese Erkenntnis ist alarmierend. Denn mehr als jedes fünfte Kind kommt bei Diabetes­manifestation mit einer Ketoazidose ins Krankenhaus, in rund sechs Prozent der Fälle liegt bereits eine schwere diabetische Ketoazidose vor“, sagte Neu.

Während der Coronapandemie hat sich diese Situation laut einer weiteren Studie ver­schärft: Danach hat sich die Rate einer Ketoazidose bei Diabetesmanifestation von Kin­dern und Jugendlichen während des Corona-Lockdowns verdoppelt (DOI: 10.1001/jama.2020.13445).

„In dieser Zeit bekam fast jedes zweite Kind eine verspätete Diagnose“, sagte Reinhard Holl, Mitautor der Studie. Kleinkinder waren besonders betroffen. Neben Fehlinterpreta­tio­nen der Symptomatik durch Eltern oder Ärzte lasse sich dies auch auf die Angst vor der Ansteckung mit COVID-19 in Arztpraxen und Kliniken zurückführen.

Der DDG-Experte aus Ulm warnte davor, dass die zweite Welle zu einer ähnlichen Situa­tion führen könne und forderte Eltern und alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbei­ten, dazu auf, Warnsignale ernst zu nehmen und gegebenenfalls umgehend einen Kinder­arzt oder eine Kinderklinik aufzusuchen.

Gerade im Kleinkindalter könne ein starker Insulinmangel und die dadurch bedingte Über­säuerung im Blut Folgen auf die Gehirnentwicklung und auf die Lern- und Konzen­trationsfähigkeit haben, warnte Thomas Kapellen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie der DDG aus Leipzig.

Wichtig sei, dass Eltern die ersten Symptome einer diabetischen Ketoazidose erkennen könnten. „Hier brauchen wir mehr Aufklärung“, forderte Kapellen. © hil/aerzteblatt.de

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