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Ausland

Pandemien werden in Zukunft häufiger auftreten

Freitag, 30. Oktober 2020

Romolo Tavani stock.adobe.com

Bonn – Bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Lebensweise müssen sich die Menschen nach Einschätzung des Biodiversitätsrats (IPBES) der Vereinten Nationen darauf einstell­en, dass Pandemien in Zukunft häufiger auftreten und höhere Totenzahlen verursachen.

„Dieselben menschlichen Aktivitäten, die den Klimawandel und die Verluste bei der Ar­ten­vielfalt verursachen, erhöhen auch das Pandemierisiko“, sagte der IBPES-Experte Peter Daszak gestern bei der Vorstellung eines Berichts zu diesen Zusammenhängen.

Es gebe bei Tieren bis zu 850.000 Viren, die wie das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 auf Menschen überspringen könnten, sagte Daszak. Pandemien seien eine „existenzielle Bedrohung“ für die Menschheit.

Der Weltbiodiversitätsrat, der seinen Sitz in Bonn hat, wies darauf hin, dass es Zusam­men­hänge zwischen den Pandemien und der Abholzung der Wälder, der extensiven Land­nutzung und dem Handel mit Wildtieren gebe. Auch zunehmend enge Kontakte zwischen Wildtieren und den Tieren aus der Viehzucht spielten eine Rolle.

Jährlich werde derzeit beobachtet, wie sich fünf Krankheiten auf die Menschheit auswei­te­­ten – und jede könne schließlich zu einer Pandemie werden.

Nach den Erhebungen der UN-Koordinierungsstelle sind aktuell mehr als drei Viertel der Landflächen der Erde durch menschliche Aktivitäten schwer geschädigt, drei Viertel des nutzbaren Wassers wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Der Ressourcenverbrauch durch die Menschheit hat sich demnach innerhalb von drei Jahrzehnten um 80 Prozent erhöht.

Um den bisherigen Entwicklungen entgegenzuwirken, empfehlen die Experten Maßnah­men zum Schutz der Biodiversität und Sonderabgaben auf den Fleischverzehr, die Vieh­zucht und andere Aktivitäten, die „ein hohes Pandemierisiko“ in sich tragen.

Die Wissenschaftler zählten seit 1918 sechs Influenzapandemien, die „ausschließlich auf menschliche Aktivitäten zurückgingen“. Wenn nicht die geeigneten Maßnahmen ergriffen würden, entstünden der Menschheit hundertfache Kosten, schätzte das Gremium aus 22 Wissenschaftlern, das den Bericht verfasste. © afp/aerzteblatt.de

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