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Medizin

Studie: Valproinsäure in der Schwangerschaft erhöht Risiko auf Autismus und ADHS

Donnerstag, 12. November 2020

/alter_photo, stock.adobe.com

Bloomington/Indiana – Eine pränatale Exposition mit dem Antiepileptikum Valproat, das bereits für Fehlbildungen verantwortlich gemacht wird, könnte auch die Entwicklung von Autismus-Spektrum-Störungen und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) fördern. Dies geht aus einer landesweiten Analyse schwedischer Krankenregister in Neurology (2020; DOI: 10.1212/WNL.0000000000010993) hervor.

Wegen seines hohen teratogenen Potenzials ist Valproinsäure in der Schwangerschaft kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter darf das Mittel nur verschrieben werden, wenn sie eine sichere Kontrazeption betreiben. In der Praxis kommt es immer wieder zu Fällen, in denen Frauen mit einer generalisierten Epilepsie versehentlich schwanger werden (oder der Kinderwunsch stärker ist als die Bedenken) und kein anderes wirksames Mittel zur Verfügung steht.

In Schweden wurden zwischen 1996 und 2011 insgesamt 14.614 Kinder von Frauen mit Epilepsie geboren. Mit 3.316 hatten etwa 1/3 Antiepileptika eingenommen. Die 3 am häufigsten verwendeten Medikamente waren Carbamazepin (1.417 Schwangere), Lamotrigin (996 Schwangere) und Valproinsäure (699 Schwangere).

Von den 699 Kindern, die vor der Geburt Valproinsäure ausgesetzt waren, entwickelten 36 bis zum Alter von 10 Jahren eine Autismus-Spektrum-Störung. Nach den 11.298 Schwanger­schaften ohne eine Exposition mit einem Antiepileptikum kam es zu 154 Erkrankungen. Ein Team um Brian D’Onofrio von der Indiana University in Bloomington ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 2,30, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,53 bis 3,47 signifikant war.

Auch für die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen, an der 54 mit Valproin­säure exponierte und 251 nicht-exponierte Kinder der Epilepsiepatientinnen erkrankten, konnte D’Onofrio ein erhöhtes Risiko nachweisen. Die adjustierte Hazard Ratio betrug 1,74 (1,28 bis 2,38).

Für die beiden anderen Antiepileptika Lamotrigin und Carbamazepin wurden keine Assoziationen gefunden. Die mit Carbamazepin exponierten Kinder erkrankten zwar häufiger an einer Autismus-Spektrum-Störung. Dies ist nach den Ergebnissen der adjustierten Analyse jedoch vermutlich auf andere Ursachen zurückzuführen.

Da die Einwohner in Schweden in verschiedenen Personenregistern mit derselben Identifikationsnummer geführt werden, konnte D’Onofrio eine Reihe von möglichen Fehlerquellen ausschließen. Dazu gehörten psychiatrische Erkrankungen der Eltern einschließlich einer bipolaren Störung, die teilweise mit Antiepileptika behandelt wird.

Dennoch bleibt es möglich, dass andere Ursachen für die Erkrankungen der Kinder übersehen wurden. Die Ergebnisse passen jedoch zu den bekannten teratogenen Eigenschaften von Valproinsäure, und sie liefern eine weitere Bestätigung für die Annahme, dass Autismus-Spektrum-Störungen und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyper­aktivitäts­störungen auf Entwicklungsstörungen des Gehirns beruhen, die ihren Ursprung in der pränatalen Entwicklung des Gehirns haben können. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #621880
Puls123
am Donnerstag, 12. November 2020, 20:02

Grammatik

Früher hieß es doch immer:

"Risiko für" - nun stets hier: "Risiko auf" -- woher kommt das - ist das nur dem google-Übersetzer geschuldet. Inhaltlich ist es jedenfalls Schwachsinn.

JD
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