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Medizin

Cave: Fluorchinolone können Herzklappen beschädigen

Freitag, 13. November 2020

/picture alliance, Julian Stratenschulte

Bonn – Eine Behandlung mit Fluorchinolonen kann zu schweren Schäden an den Herzklappen führen. Zu den Folgen gehören Regurgitationen und Insuffizienzen der Mitral- oder Aortenklappe.

Die Ergebnisse einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie haben jetzt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zu einer Warnung veranlasst. In Deutschland mussten die Hersteller einen Rote-Hand-Brief verschicken.

Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass Fluorchinolone das kollagene Bindegewebe beschädigen, auch wenn der Pathomechanismus nicht genau bekannt ist. Diskutiert werden ein vermehrter oxidativer Stress, eine Hemmung der Kollagensynthese oder ein vermehrte Abbau durch Metalloproteasen.

Zuletzt war in einer Laborstudie an Gewebeproben von Patienten, die sich einer Resek­tion der aufsteigenden Aorta unterzogen hatten, ein Kollagenabbau in Myofibroblast­zellen nachgewiesen worden (Journal of Thoracic and Cardiovascular Surgery, 2019; DOI: 10.1016/j.jtcvs.2018.08.079).

Die Folgen machen sich unter Umständen bereits nach einer kurzen Behandlungsdauer bemerkbar. Sie bestehen in einer erhöhten Neigung zu einer Tendinitis und Sehnenrup­turen, die bereits im Jahr 2008 zu einem Warnhinweis der Arzneimittelagenturen geführt hat. Vor 2 Jahren wurde erkannt, dass die Behandlung insbesondere bei älteren Menschen auch mit einem erhöhten Risiko auf ein Aortenaneurysma oder eine Aortendissektion verbunden ist.

Der Fallbericht eines Patienten, der innerhalb von 2 Tagen nach dem Beginn einer Behandlung mit Ciprofloxacin einen Aortenklappenprolaps entwickelte (Medical Hypotheses, 2018; DOI: 10.1016/j.mehy.2018.09.013), hat ein Team um Mahyar Etminan von der Universität von British Columbia in Vancouver zu einer Analyse der FDA-Daten­bank (FAERS) und zu einer Fall-Kontroll-Studie veranlasst.

In beiden Untersuchungen war die Verordnung von Fluorchinolonen mit einem erhöhten Risiko auf eine Klappenschädigung verbunden. In der Fall-Kontroll-Studie kam es nach der Behandlung mit einem Fluorchinolonen 2,40-mal häufiger zu einer Mitral- oder Aorteninsuffizienz als nach einer Behandlung mit Amoxicillin. Gegenüber einer Behand­lung mit Azithromycin war das Risiko um 75 % erhöht (Journal of the American College of Cardiology, 2019; DOI: 10.1016/j.jacc.2019.07.035).

Diese Studie hat jetzt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bewogen, die Hersteller zu einem Rote-Hand-Brief zu verpflichten. Er weist auf das Risiko von einer Herzklappenregurgitation/‐insuffizienz nach einer systemisch oder inhalativen Anwendung von Fluorchinolone hin.

Prädisponierende Faktoren seien ein angeborener oder vorbestehender Herzklappen­fehler sowie Bindegewebserkrankungen wie zum Beispiel das Marfan­‐Syndrom, das Ehlers­‐Danlos­‐Syndrom, das Turner­‐Syndrom sowie ein Morbus Behçet, eine Hypertonie, eine rheumatoide Arthritis und eine infektiöse Endokarditis.

Bei den Risikopatienten systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone nur nach sorgfältiger Nutzen­‐Risiko-­Abwägung unter Berücksichtigung anderer Therapieoptionen angewendet werden, heißt es in dem Schreiben.

Patienten sollten im Falle von akuter Atemnot, neu auftretendem Herzklopfen oder Ödemen unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. © rme/aerzteblatt.de

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Hortensie
am Mittwoch, 23. Dezember 2020, 15:47

Bei Penicillin-Allegikern gibt es wenig sinnvolle Alternativen

Es sollten endlich weitere Antibiotika auf den Markt kommen, die als Alternative in Betracht kommen.
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