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Politik

KBV-Chef Gassen will wiederholte Lockdowns vermeiden

Montag, 2. November 2020

Andreas Gassen /picture alliance, Annegret Hilse, Reuters-Pool

Berlin – Wiederholte Lockdowns stellen aus Sicht von Andreas Gassen, Vorstandsvor­sit­zender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), „kein tragfähiges Konzept“ im weiteren Umgang mit der Coronapandemie dar. Deshalb seien zusätzliche Wege gefragt – schließlich stünden SARS-CoV-2-Impfstoffe vollumfänglich wohl erst in der zweiten Jah­reshälfte 2021 zur Verfügung.

Im Interview mit dem TV-Sender Phoenix verwies Gassen vorgestern auf das kürzlich vor­gestellte Konzeptpapier, welches neben der KBV von Hendrik Streeck, Direktor des Insti­tuts für Virologie der Universität Bonn, sowie Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abtei­lung Arbovirologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, erarbeitet wurde.

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Er hoffe zwar auf einen Erfolg des nun beschlossenen und angelaufenen Lockdowns. Llar sei aber, dass man darüber hinaus die hohe Infektionsdynamik anders reduzieren müsse. Einen weiteren Lockdown hielten Menschen und Wirtschaft nicht aus, so Gassen.

Der KBV-Chef erinnerte diesbezüglich an die Kernelemente des Papiers: Die konsequente, aber großteils eigenverantwortliche Einschränkung von Kontakten ohne Vorsichts­maß­nah­men (Hygiene, Abstand, Maske) sowie der verbesserte Schutz von Risikogruppen.

Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, kündigte heute ge­meinsam mit Gassen an, dass in der vergangenen Woche veröffentlichte Positionspapier durch einen breiten Dialog um weitere konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige All­tagsgestaltung zu erweitern. „Wir laden Berufsverbände und Fachgesellschaften ein, sich weiter intensiv an der Diskussion zu beteiligen“, führte Hofmeister aus.

„Richtig und zielorientiert“, nannte Gassen in diesem Zusammenhang die jüngste Ent­schei­dung von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). Dieser will 290 Millionen Schutzmasken aus Bundesbeständen an Pflegeheime und ambulante Pflegedienste lie­fern lassen. „Vulnerable Gruppen müssen besonders geschützt werden. Dazu gehören sowohl Pflege­kräfte als auch Pflegebedürftige. Deshalb ist diese Maßnahme sehr zu begrüßen“, ergänz­te Hofmeister.

Auch der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) plädiert dafür, verstärkt den Schutz der Bevölkerungsgruppen in den Mittelpunkt zu stellen, für die ein hohes Risiko schwerer Krankheitsverläufe besteht.

Da langfristig bei fortgesetzter Coronapandemie allein ein „grob gestrickter Lockdown nicht das Mittel der Wahl“ sei, solle ein Runder Tisch von Wissenschaft, ärztlichen Verbänden und Gesundheitspolitik differenziertere Konzepte für eine Langfriststrategie erarbeiten. Dies müsse umgehend in Angriff genommen werden, weil zu befürchten sei, dass der derzeitige partielle Lockdown bei weiter steigenden Infektionszahlen nicht ausreichen wird.

Die Vorsitzenden der KV Baden-Württemberg, Norbert Metke und Johannes Fechner, haben heute nachdrücklich die Maßnahmen von Bundes- und Landesregierung zur Eindämmung der Coronapandemie begrüßt.

Die fehlende Eigenverantwortung bestimmter Kreise der Gesellschaft sei mitverantwortlich für die derzeitige Entwicklung. „Wie die Anschnallpflicht im PKW und das Alkoholverbot am Steuer werden es auch in Zeiten einer tödlichen Bedrohung durch eine Pandemie Verbote sein, die diejenigen zur Vernunft bringen, die sich willentlich und vorsätzlich über wirksame Schutzmaßnahmen hinwegsetzen“, so die KV-Vorsitzenden.

Die Aufforderung auf mehr Eigenverantwortung als Gebote zu setzen, halte man in der derzeitigen Pandemiephase für nicht ausreichend. „Nur eingeschränktes Verständnis“ könne man zudem für die die Menschen im Lande verwirrenden Äußerungen ärztlicher Spitzenvertreter auf Bundesebene aufbringen – eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse zum Nutzen der AHA-Regeln dürften nicht relativiert werden. © aha/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 3. November 2020, 23:28

Meldepflichten und Falldefinition

Diejenigen, welche politische Entscheidungen treffen müssen, brauchen verlässliche und aktuelle Zahlen als Grundlage für ihre Entscheidungen. Das Beispiel Covid-19 zeigt, dass bei Infektionskrankheiten Meldepflichten ein wichtiges Instrument bei der Generierung dieser Zahlen darstellen.

Was bei der ganzen Diskussion gern vergessen wird, für diese Meldungen gibt es keine speziellen Meldemitarbeiter, sondern es sind genau diejenigen, die an der Versorgungsfront kämpfen, die diese Aufgaben tagtäglich nebenbei erledigen müssen. Die Zeit, die für Meldungen benötigt wird, fehlt dann in der Patientenversorgung. Nehmen wir das Beispiel DIVI-Register. Knapp 1300 Standorte melden dort täglich ihre Daten. Dabei handelt es sich um mehrere Zahlen, in der Regel sind zumindest Fachärzte damit betraut. Angenommen, ein Facharzt benötigt für diese Meldung täglich 15 Minuten, dann ist dies 1/32 eines Arbeitstages. Da es sich hier um 1300 Standorte handelt, muss der Zeitverlust von 15 Minuten mit der Zahl 1300 multipliziert werden. Bezogen auf die Bundesrepublik bedeutet diese Meldepflicht allein für die Meldung der Primärdaten ein Zeitäquivalent von ca. 40 Facharztstellen. Und dies nur bei den jetzt gültigen Falldefinitionen. Wenn für jeden Einzelfall eine gutachterliche Prüfung nötig wäre, ob Sars-CoV-2 eine Haupt- oder Nebendiagnose ist, würde sich der Arbeitsaufwand vervielfachen, ohne dass die Datenqualität wesentlich steigen würde. Eine Krankheit ist immer ein dynamischer Prozess, bei einem Infektionserreger kann eine Besiedlung (als Nebendiagnose) im Verlauf zur schweren Krankheit und damit zur Hauptdiagnose werden.

Nehmen wir im Gegenzug das vielbeschworene Beispiel des Autofahrers, der zufällig PCR-positiv ist und auf der ITS liegt. Wenn wir ganz hoch einsteigen, dann sind derzeit maximal 1% der Fälle auf ITS Polytraumen nach Verkehrsunfall. Wenn wir bei der Inzidenz ganz hoch einsteigen, dann sind maximal 2% der Autofahrer Träger von Sars-CoV-2 (ich erinnere mich an Berichte über Reiserückkehrer aus Endemiegebieten im August/September, dort waren je nach Quelle 0,5-2% positiv). Nach dieser Modellrechnung könnten 2/10 000 ITS-Patienten zu diesem Beispiel passen, bei ca. 30 000 ITS-Betten wären dies maximal 6 Patienten, auf die dies zutreffen könnte. Und selbst diese 6 Fälle verursachen durch die Isolierungsmaßnahmen Zusatzkosten, diese 6 Polytraumen haben eine Unfallursache (auch ein leichter Fall von Covid-19 kann die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen) und auch diese 6 Fälle können im Verlauf Covid-19 bedingte Komplikationen entwickeln. Eine Covid-Pneumonie wird in erster Linie nicht durch den PCR-Test, sondern durch das typische Bild im CT definiert. Das genaue Verhältnis von Haupt- und Nebendiagnose stellt sich in der Praxis beim Schreiben des Arztbriefes, bei der DRG-Abrechnung und ggf. bei einer späteren wissenschaftlichen Aufarbeitung sowie im worst case beim Ausfüllen des Totenscheines. Das Verhältnis von Haupt- und Nebendiagnose hat aber definitiv nichts in der Meldepflicht zu suchen, in der Meldepflicht müssen die Falldefinitionen möglichst einfach sein.

Unerfüllbare Forderungen gehören zum Standardrepertoire von Wissenschaftsleugnern und Blasenschützern.
https://www.klimafakten.de/meldung/p-l-u-r-v-dies-sind-die-haeufigsten-desinformations-tricks-von-wissenschafts-leugnern
Avatar #745246
Andre B.
am Dienstag, 3. November 2020, 20:42

Doch was sind diese Zahlen wert?

Ich verweise nochmal auf folgende Tatsachen, die auch das RKI so bestätigt hat:

""In der Tat ist laut den Tagesreporten des DIVI-Intensivregisters die Anzahl der Intensivpatienten mit Diagnose "COVID-19" in den letzten Wochen stark gestiegen. Eine offizielle Antwort auf eine Anfrage an das DIVI-Intensivregister zur Diagnostik von "COVID-19-Intensivpatienten" offenbart aber ein fundamentales diagnostisches Problem. Dort wird bestätigt, dass (1) jeder Intensivpatient – unabhängig von der Symptomatik – mit einem SARS-CoV-2-PCR-Test getestet wird und (2) jeder Intensivpatient – unabhängig von der Symptomatik – mit einem positiven SARS-CoV-2-PCR-Testergebnis als "COVID-19-Intensivpatient" geführt wird. Letzteres wird auch in einer offiziellen Antwort des RKI auf eine entsprechende Anfrage bestätigt. Selbst wenn demnach beispielsweise eine Person wegen eines Autounfalls auf Intensivstation liegen würde und ein positives SARS-CoV-2-PCR-Testergebnis aufweist ohne jede weitere COVID-19-spezifische Symptomatik, würde diese Person als "COVID-19-Intensivpatient" zählen…"
Avatar #672734
isnydoc
am Dienstag, 3. November 2020, 17:44

... rund ... gestrickt weiter ... im Herbert-Lewin-Karussel?

"Da langfristig bei fortgesetzter Coronapandemie allein ein „grob gestrickter Lockdown nicht das Mittel der Wahl“ sei, solle ein Runder Tisch von Wissenschaft, ärztlichen Verbänden und Gesundheitspolitik differenziertere Konzepte für eine Langfriststrategie erarbeiten. Dies müsse umgehend in Angriff genommen werden, weil zu befürchten sei, dass der derzeitige partielle Lockdown bei weiter steigenden Infektionszahlen nicht ausreichen wird."
Zu Tisch, es geht rund, das Experten-Karussel ... Showbusiness ...
Avatar #760158
wilhem
am Dienstag, 3. November 2020, 17:30

Zahl der COVID-19 Patienten auf Intensivstationen versechsfacht

mag ja sein, aber wie hätten Sie denn auf die exponentielle Steigerung der Intensivbettenbelegung reagiert? Mit gutem Zureden? Am 1. Oktober lagen 362 COVID-19 Patienten auf den Intersivstationen, Ende Oktober 2.243, wie der Präsident der DIVI heute sagte....
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 3. November 2020, 17:08

Die Stimme(n) der Vernunft

...kann man bei Prof. Streeck und Herrn Dr. Gassen etc. wahr nehmen. Auch die WHO hat sich gegen Lockdowns ausgesprochen. So wie die vielen Wissenschaftler, Nobelpreisträger und Mediziner der Barrington Declaration (bitte selbst im Netz suchen).
Die KV Baden.-W. hingegen verhält sich wie schlechte Erzieherinnen im Kindergarten. Sie suchen den Schuldigen. Typisches Verhalten in Pandemie-Zeiten. Keine gute Idee wenn man die aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung beruhigen will. Aber will man offenbar gar nicht...
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 3. November 2020, 17:05

Die Stimme(n) der Vernunft

Avatar #783236
filoujojo
am Montag, 2. November 2020, 23:05

Links gefunden über startpage

https://youtu.be/hXtAOtGrYE0
https://www.kbv.de/html/48910.php
https://www.kbv.de/html/1150_48918.php
Über Google nicht gefunden
Avatar #783236
filoujojo
am Montag, 2. November 2020, 22:48

Link zum Konzeptpapier

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