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Medizin

SARS-CoV-2: Hohes Ansteckungsrisiko für andere Personen im Haushalt

Montag, 2. November 2020

/Sergey, stock.adobe.com

Nashville/Tennessee – Menschen, die mit einem SARS-CoV-2-Patienten zusammen leben, haben ein hohes Infektionsrisiko. In einer US-Studie mit täglichen Abstrichen infizierte sich die Hälfte der Mitbewohner, die meisten in den ersten 5 Tagen, wobei die Symptome laut dem Bericht im MMWR (2020; DOI: 10.15585/mmwr.mm6944e1) häufig erst später auftreten.

In 2 Städten in den Bundesstaaten Tennessee und Wisconsin wurden die Angehörigen von 101 SARS-CoV-2-Infizierten gebeten, bei sich selbst täglich einen Abstrich zu machen oder eine Speichelprobe abzugeben. Außerdem sollten sie etwaige Symptome von COVID-19 in ein Tagebuch eintragen.

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Innerhalb von 7 Tagen wurden 102 der 191 anderen Haushaltsmitglieder positiv getestet, was eine sekundäre Infektionsrate von 53 % ergab. Allerdings waren bereits 54 Personen bei der ersten Probe positiv. Ob diese sich beim Indexpatienten infizierten, ist nicht ganz sicher. Da die Indexpatienten jedoch zu Beginn der Studie schon median 4 Tage infiziert waren, ist dies wahrscheinlich.

Nur 41 der 102 sekundär infizierten Haushaltsmitglieder hatten bereits am Tag, an dem ihr Test erstmals positiv war, Symptome. Im Verlauf der Studie wurden 68 Patienten symptomatisch. Ihre Symptome traten wenige Tage nach den Symptomen des Index­patienten auf. Eine Übertragung war demnach häufig und die Infektionen erfolgten zu 75 % innerhalb von 5 Tagen, schreiben Carlos Grijalva vom Vanderbilt University Medical Center in Memphis, Tennessee.

Eine Übertragung der Ergebnisse auf andere Länder ist nur bedingt möglich, da die Größe der Wohnung und die Zahl der Zimmer sicherlich von Bedeutung ist – abgesehen vom Risikobewusstsein und dem Verhalten der Bewohner.

In den US-Haushalten stand für jede Person in etwa ein Schlafzimmer zur Verfügung. Fast 70 % der Indexpatienten gaben an, dass sie am Vortag mehr als 4 Stunden mit einem oder mehreren Haushaltsmitgliedern im selben Raum verbracht hatten. Am Tag nach dem Krankheitsbeginn waren es noch 40 %.

Ebenfalls 40 % der Indexpatienten gaben an, mit einem oder mehreren Haushaltsmit­gliedern vor Beginn der Krankheit und 30 % nach Beginn der Krankheit im selben Raum geschlafen zu haben.

Zu den Maßnahmen, die das Infektionsrisiko in einem Haushalt senken können, gehören für Grijalva ein abgetrenntes Schlafzimmer und nach Möglichkeit auch ein eigenes Badezimmer.

Die Selbstisolation sollte beginnen, bevor die Testergebnisse vorliegen. Alle Familien­mitglieder sollten eine Maske tragen, vor allem in gemeinschaftlich genutzten Räumen, in denen sich die Mindestabstände nicht einhalten lassen. Andere Mitglieder im gleichen Haushalt sollten sich ebenfalls soweit möglich in Selbstquarantäne begeben, sich aber in jedem Fall von Personen fernhalten, für die eine Infektion ein tödliches Risiko bedeutet. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 2. November 2020, 22:08

Keine neuen Erkenntnise!

Die hier vorgelegte Studie bietet nun wirklich keine neue Erkenntnis.

Der gefährlichste Ort ist der Haushalt - Unsere Anstrengungen, im bio-psycho-sozial-kulturellen Bereich Sars-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen zu verhindern und zu beschränken, werden durch disziplinierende, distanzierende und hygienische Maßnahmen in Arbeit, Sozialwesen und Kultur, aber auch ganz besonders in Familie, Wohnen und häuslicher Gemeinschaft unmittelbar belohnt. Kehrseite dieser Medaille ist, dass sich die Infekte dann aber auch in das häusliche Milieu zurückverlagern und zurückverfolgen lassen. Dies belegt mein Beitrag
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/28473-der-gefaehrlichste-ort-ist-der-haushalt
auf meinem DocCheck Blog vom 21.07.2020 und bezieht sich auf:
"Contact Tracing during Coronavirus Disease Outbreak, South Korea, 2020" von Young Joon Park et al. https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/26/10/20-1315_article
Haushalts- vs. Öffentliches Leben bedeutet in seiner Zusammenfassung: "Abstract - We analyzed reports for 59,073 contacts of 5,706 coronavirus disease (COVID-19) index patients reported in South Korea during January 20–March 27, 2020. Of 10,592 household contacts, 11.8% had COVID-19. Of 48,481 nonhousehold contacts, 1.9% had COVID-19. Use of personal protective measures and social distancing reduces the likelihood of transmission" nicht mehr und nicht weniger, dass der Schulschließungs-bedingte, nahezu 24-stündige Aufenthalt mit Zusammensein im Haushalt besonders in der Altersgruppe der Zehn- bis Neunzehn-Jährigen für die Infektiosität und Verbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen den höchsten Risikofaktor darstellt.
"Das Alter der Index-Patienten hatte einen deutlichen Einfluss auf das Infektionsrisiko. Die höchste Inzidenz wurde mit 18,6 % in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen gefunden. Es folgen mit 18,0 % die 70- bis 79-Jährigen vor den 60- bis 69-Jährigen mit 17,0 %. Am niedrigsten war die Infektiosität bei den unter 10-Jährigen. Hier wurden nur 5,3 % der Angehörigen positiv getestet. Unter den Nichthaushaltskontakten lag die Infektiosität in dieser Altersgruppe nur bei 0,9 %. Sie war damit niedriger als bei den 70- bis 79-Jährigen."
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/114850/Kinder-im-Schulalter-uebertragen-SARS-CoV-2-im-Haushalt-haeufiger

Dass Nicht-Haushaltskontakte im Durchschnitt mit nur 1,9% eine deutlich niedrigere CORONA-Infektiosität als Haushaltskontakte mit 11,8% aufweisen, liegt nicht nur in Südkorea an dem im Gegensatz zu innerfamiliären Kontakten eher distanzierten und zeitlich reduzierten sozialen Miteinander in Arbeitswelt, sozialem Umfeld bzw. der Geschäfts- und Warenwelt. Hinzutreten "social distancing", MNS-Maskenpflicht (MNS), "Home Office", Hygienemaßnahmen im öffentlichen Raum und i.d.R. äußerst kurz gehaltene Kontaktzeiten.

"We monitored 59,073 contacts of 5,706 COVID-19 index patients for an average of 9.9 (range 8.2–12.5) days after severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2) infection was detected...

https://www.doccheck.com/de/detail/articles/28473-der-gefaehrlichste-ort-ist-der-haushalt

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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