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Medizin

Hoher Blutdruck in der Nacht erhöht auch Risiko auf Herzinsuffizienz

Montag, 2. November 2020

/Andrei, stock.adobe.com

Shimotsuke/Japan – Ein nächtlicher Anstieg des systolischen Blutdrucks, der ohne eine 24-Stunden-Messung übersehen wird, war in einer prospektiven Beobachtungsstudie aus Japan mit einer Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.

Die „Riser“, die nachts einen höheren Blutdruck haben als tagsüber, sind laut der Publikation in Circulation (2020; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.120.049730) vor allem von einer chronischen Herzinsuffizienz bedroht.

Zur Diagnose einer arteriellen Hypertonie sollte nach Einschätzung der meisten Hyperto­no­logen eine Langzeitblutdruckmessung gehören (die Leitlinien halten die wiederholte Messung in der Praxis ebenfalls für ausreichend). Der Grund liegt zum einen im Aus­schluss einer „Weißkittel“-Hypertonie. Zum anderen liefert nur ein Blutdrucktagesprofil einen Einblick in die tageszeitlichen Schwankungen.

Vor allem der nächtliche Blutdruck hat einen deutlichen Einfluss auf die Prognose. Physiologisch ist ein nächtlicher Abfall des systolischen Blutdrucks um 10 bis 20 % („dipping“). Ein fehlender Abfall („non-dipping“) oder sogar ein Anstieg („rising“) kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Dies zeigte sich auch in der JAMP-Studie („Japan Ambulatory Blood Pressure Monitoring Prospective“), an der zwischen 2009 und 2017 insgesamt 6.359 Patienten aus ganz Japan im medianen Alter von 68 Jahren teilnahmen, bei denen wenigstens ein kardiometabo­lischer Risikofaktor vorlag. Insgesamt 3/4 nahmen Blutdrucksenker ein, aber keiner hatte zum Zeitpunkt der Blutdrucklangzeitmessung bereits eine symptomatische Erkrankung.

Dies änderte sich in den folgenden 4,5 Jahren der Nachbeobachtung: Insgesamt 119 Teilnehmer erlitten einen Schlaganfall, 99 ein koronares Ereignis und 88 eine Herzin­suffizienz. Während die Blutdruckwerte in der Praxis des Hausarztes nicht auf ein erhöhtes Risiko hinwiesen, obwohl fast 60 % eine unkontrollierte Hypertonie von über 140/90 mm Hg hatten, hatten die nächtlichen Blutdruckschwankungen einen deutlichen Einfluss.

Ein Anstieg des systolischen Blutdrucks um 20 mm Hg war laut den Berechnungen von Kazuomi Kario von der Medizinischen Hochschule Jichi in Shimotsuke (nördlich von Tokio) mit einem Anstieg von atherosklerotischen kardiovaskulären Ereignissen um 18 % verbunden (adjustierte Hazard Ratio 1,18; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 1,37). Noch stärker, nämlich um 25 %, stieg das Risiko auf eine chronische Herzinsuffizienz (adjus­tierte Hazard Ratio 1,25; 1,00 bis 1,55).

Am meisten gefährdet waren die „riser“, bei denen die nächtlichen Blutdruckwerte die Tageswerte überschritten. Kario ermittelt eine Hazard Ratio von 1,48 (1,05 bis 2,08) für kardiovaskuläre Erkrankungen und von 2,45 (1,34 bis 4,48) für die chronische Herzin­suffizienz.

Auch ein extremes „dipping“, bei dem der systolische Blutdruck nachts um mehr als 20 % gegenüber dem Tagesdruck abfällt, könnte gefährlich sein. Kario ermittelt einen Anstieg des Schlaganfallrisikos, der jedoch in 4 verschiedenen Modellrechnungen nicht das Signifikanzniveau erreichte.

Die Ergebnisse unterstreichen laut Kario die Notwendigkeit einer nächtlichen Blutdruck­messung, da diese zusätzliche Risiken erkennt. Neu ist die Erkenntnis, dass ein erhöhter nächtlicher Druck und vor allem ein Anstieg („rising“) mit einem erhöhten Risiko auf eine chronische Herzinsuffizienz verbunden ist. Obwohl die chronische Herzinsuffizienz eine mögliche Folge einer länger dauernden arteriellen Hypertonie ist, stand sie bisher nicht bei den Risikofaktoren im Vordergrund.

Warum vor allem ein nächtlicher Anstieg des systolischen Blutdrucks das Risiko steigert, ist unklar. Leider wurden in der Studie keine Echokardiografien durchgeführt, sodass nicht ermittelt wurde, welche Form der Herzinsuffizienz bei den nächtlichen „Risern“ häufiger auftritt. © rme/aerzteblatt.de

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