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Politik

60 Wochenstunden: Niedersachsen hebt Pflegearbeitszeit an

Montag, 2. November 2020

/dpa

Hannover – Im Kampf gegen die zweite Welle der Coronakrise hat Niedersachsen die Höchstarbeitszeit für Beschäftigte in Kliniken und Pflegeheimen erneut auf bis zu 60 Stunden pro Woche erhöht. Die Maßnahme, die eine tägliche Arbeitszeit von bis zu 12 Stunden vorsieht, gilt befristet bis Ende Mai kommenden Jahres, teilte das Sozial­ministerium in Hannover mit.

Beim Ausbruch der Epidemie war die Arbeitszeit bereits einmal auf 60 Wochenstunden erhöht worden. Die Pflegekammer Niedersachsen kritisierte die Entscheidung auf das Schärfste.

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„Monatelang hat das Land verschlafen, die medizinischen Einrichtungen auf die zweite Welle der Corona-Pandemie vorzubereiten“, sagte Pflegekammerpräsidentin Nadya Klar­mann. „Jetzt sollen wieder die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen unter Ein­satz ihrer eigenen Gesundheit die Situation retten.“ Pflegevertreter seien im Vorfeld nicht in die Entscheidung einbezogen worden, bemängelte Klarmann zudem.

„Die Landesregierung macht nicht nur eine Politik vorbei an den Interessen der Pflegen­den, sie torpediert sogar das jahrelange Bemühen, Pflegeberufe attraktiver sowohl für die derzeit Beschäftigten als auch den dringend benötigten Nachwuchs zu machen.“

Die Regierung sollte sich schämen, auf den Rücken der Menschen, die das System am Lau­fen halten, ihre eigenen jahrelangen Fehler in der Pflegepolitik auszubügeln, sagte Klarmann.

Das Gesundheitssystem werde nicht zusammenbrechen, weil Betten oder Beatmungs­ge­räte fehlen, sondern weil die Pflegefachpersonen in einer nie zuvor da gewesenen Art und Weise verheizt werden, kritisierte die Kammerpräsidentin.

Schon jetzt bedeuteten Acht-Stunden-Schichten in voller Schutzausrüstung eine extreme Belastung für Beschäftigte in der Pflege, sagte Klarmann. „Eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeit ist unter keinen Umständen zu akzeptieren und wird die Kolleginnen und Kollegen aus dem Beruf treiben.“ © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #839039
FreddyMueller
am Dienstag, 10. November 2020, 11:59

Kurzfristige Denke

Ich finde den Satz: "Die Regierung sollte sich schämen, auf den Rücken der Menschen, die das System am Lau­fen halten", sehr gelungen. Das ist keine langfristige Denkweise. Es sollte sich vielmehr um eine längerfristige Lösung in ambulanten Stationen gekümmert werden.

Ich hoffe nur, dass die Betroffenen auch dementsprechend belohnt werden!
Avatar #109757
Loewenherz
am Donnerstag, 5. November 2020, 11:41

re: es reicht nicht...

mWn sind in den meisten Kliniken eh meistens Regelungen / Betriebsvereinbarungen in Kraft, dass Schichten von max 10 auf max 12h ausgeweitet werden können, wenn dadurch eine Reduktion der Inanspruchnahme an Wochenenden erzielt werden kann. Also konkret: Wochenenden mit 12h Schichten statt 8, dafür nur 2 statt 3 im Monat.
Am Ende des Tages greifen eh die übergeordneten Berufsordnungen, die uns eh dazu "zwingen", die Versorgung sicher zu stellen.
Avatar #38287
Bretscher
am Dienstag, 3. November 2020, 13:28

Es reicht nicht,

wenn N. Klarmann sich zu Recht gegen die willkürliche Anhebung der Wochenarbeitszeit wettert, sie sollte sofort gerichtlich mit Eilantrag dagegen anzugehen. Trifft auch für die Ärzteschaft zu.
Avatar #731782
astridschulze@massai.dk
am Montag, 2. November 2020, 21:58

Na dann eben lieber ...

... nicht Krankenschwester werden.
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