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Medizin

Desinformations­kampagnen in sozialen Medien senken Impfraten – Wissenschaftler sehen Russland als einen Urheber

Mittwoch, 4. November 2020

/Adriano Siker, stock.adobe.com

Waltham – Die Verbreitung von Nachrichten, die Impfungen abwerten, in den sozialen Medien ist für die öffentliche Gesundheit besorgniserregend. Das meinen Steven Lloyd Wilson und Charles Wiysonge von der Brandeis University in Massachusetts, USA, und dem South African Medical Research Council, Cape Town, South Africa, in der Fach­zeitschrift BMJ Global Health (DOI: 10.1136/bmjgh-2020-004206).

Der Grund für ihre Besorgnis: Laut ihrer Studie gibt es einen signifikanten Zusammen­hang zwischen der Verbreitung von Impfmythen in den sozialen Medien und öffentlichen Zweifeln an der Impfstoffsicherheit.

Die Wissenschaftler analysierten für bis zu 190 Länder 2 verschiedene Dimensionen der Aktivitäten in sozialen Medien: Die öffentliche Nutzung von Twitter, um Aktionen und Widerstand gegen das Impfen zu organisieren, und die Anzahl der Tweets, die negative Gefühle über Impfstoffe ausdrücken. Diese setzten sie in Relation zu Umfragen darüber, welcher Anteil der Bevölkerung pro Land Impfstoffe für unsicher hält (unter Verwendung der Indikatoren des Wellcome Global Monitor für 137 Länder).

Außerdem verwendeten sie jährliche Daten über die tatsächlichen Impfraten der Welt­gesundheitsorganisation (WHO) für 166 Länder. Sie berücksichtigten zudem Messungen des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf der Bevölkerung für jedes Land und den Grad der Internetnutzung.

Es zeigte sich in der Zusammenschau: Eine Verschiebung auf einer 5-Punkte-Skala der Desinformation um einen Punkt nach oben ging mit einem durchschnittlichen Rückgang der jährlichen Impfrate um 2 Prozentpunkte und einem kumulativen Rückgang um 12 Prozentpunkte über das Jahrzehnt hinweg einher.

Die negative Impfpropaganda stammt dabei nicht immer aus dem jeweiligen Land. Vielmehr scheinen auch Kampagnen aus dem Ausland in den betrachteten Ländern eine Rolle zu spielen: „Die Prävalenz von Desinformationen aus dem Ausland ist hoch signifi­kant für die Vorhersage eines Rückgangs der durchschnittlichen Durchimpfungsrate im Laufe der Zeit“, schreiben die Autoren.

Sie empfehlen: Erstens müssten die Regierungen den Unternehmen der sozialen Medien die Verantwortung für die Entfernung von Inhalten gegen Impfungen übertragen.

„Zweitens sollten ausländische Desinformationskampagnen an ihrer Quelle angegangen werden. Ein Übergewicht solcher Kampagnen, die Anti-Impf-Inhalte verstärken, stammt aus Russland selbst oder über pseudostaatliche Akteure, die informell mit Russland in Verbindung gebracht werden“, warnen sie. © hil/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #789658
2haeschen
am Samstag, 7. November 2020, 07:49

Die Erkenntnis, dass besser nur Auserwählte zu Wort kommen?

Das stimmt. Ich mache mir Sorgen.
Avatar #772524
Julius Senegal
am Samstag, 7. November 2020, 00:09

die Erkenntnis ist nicht neu

Bereits 2018 wurde auf die Problematik hingewiesen: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30138075/

Leider fungieren soziale Medien als Workverstärker für diese Wahnwichtel.
Avatar #789658
2haeschen
am Freitag, 6. November 2020, 12:52

Danke, Staphylococcus rex

Ich habe mich bezüglich meiner gestellten Frage natürlich belesen, finde aber eben die Antwort dazu nicht. Auch nach Sichtung Ihrer angegebenen Quellen.

Welche Daten genau erhoben werden (ich rede nur von Verträglichkeit) kann ich eben nicht herauslesen, möglicherweise fehlt mir da ein Gen, aber deswegen hatte ich ja gefragt. Das, was ich herauslesen kann, ist schwammig.

Wenn man sich anschaut, welche Probanden bereits nicht berücksichtigt werden, stellt sich bei mir die Frage, wie man diese Daten später auf die Gesamtbevölkerung übertragen will.

Es ist mir klar, dass nicht jedes Risiko ausgeschlossen werden kann, aber versucht man es, wenn man während der Versuchsreihen alle Eventualitäten ausblendet?

Wir haben verschiedene Kontinente, Hautfarben, Blutgruppen ... oder Vorimmunisierungen usw.

Ich finde es wichtig, gerade auch zu erforschen und aufzuzeigen, wann ggf. eine Impfg. nicht von Vorteil sein könnte. Dies betrifft uns schlicht weg ALLE, entweder uns selbst, die Kinder, die Enkel. Immerhin weiß man, bzw. erwartet man, dass unerwünschte Reaktionen auftauchen, man versucht aber nicht, die Ursachen dafür zu ermitteln. Jedenfalls liest man genau darüber NICHTS ...

Lassen Sie das Wort "Impfgegn." weg. Für die Meisten, die Sie in diese Rubrik einordnen gibt es irgendeinen Grund, die "staatl. angeordnete gute Verträglichkeit" zu hinterfragen.

Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 5. November 2020, 23:49

Wenn Impfgegner sich angesprochen fühlen,

dann werde ich dem nicht widersprechen.

Was Diskussionen mit MITDENKER betrifft, solange seine Autoritäten das „Psiram-Gütesiegel“ haben, spare ich mir die Zeit und die Nerven auf seine Provokationen einzugehen, insbesondere, weil ich gerade in einer Gegend von Deutschland tätig bin, wo Covid-19 echte Probleme für das Gesundheitssystem bereit hält.
https://www.psiram.com/de/index.php/Bert_Ehgartner

@2haeschen:
Wenn Sie sich über die Prüfung von Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 informieren wollen, müssen Sie schon etwas eigene Zeit investieren. Hier nochmals der Link zu den laufenden Impfstoffprojekten:
https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov

Der oberste Impfstoff in der Tabelle ist z.B. der von AstraZeneca, in der ganz rechten Spalte sind Hyperlinks, der auf Clinicaltrials.gov führt direkt zum Studienprotokoll:
https://www.clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04324606

Ich persönlich werde mich erst wieder intensiver mit dieser Thematik beschäftigen, wenn die Impfstoffe verfügbar sind, im Übrigen hatte ich bereits vor zwei Monaten gesagt, was ich von einer derartigen Prüfung erwarte:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/116170/EU-Parlamentarier-Liese-rechnet-mit-Abflauen-der-Pandemie-ab-dem-Fruehjahr
Avatar #789658
2haeschen
am Donnerstag, 5. November 2020, 10:12

Auf der Suche nach einfachen Antworten ...

hatte ich bereits folgende Frage gestellt:

Wie werden die (Neben)wirkungen der derzeit laufenden Forschungen (Corona-Impfst.) erfasst? Werden die oft jungen, gesunden Probanden nach Befindlichkeiten befragt?

Ich bin dahingehend tatsächlich desinformiert und Staphylococcus rex könnte mit seinem Fachwissen für Abhilfe sorgen.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 5. November 2020, 08:57

Empfänglichkeit für einfache Lösungen

Stimmt, S.Rex - die simple (Schein)Lösung, die da lautet u. verbreitet wird: JE MEHR IMPFUNGEN DESTO BESSER. Oder: IMPFEN IST IMMER GUT, verfängt bei vielen etwas einfach gestrickten Mitbürger*innen.

Komplexere Zusammenhänge wie z.B. Nutzen-Risiko-Profile und Einbeziehung von Nebenwirkungen sind für die meisten Leute zu schwierig.
Ich empfehle in diesem Zusammenhang das hervorragende Fachbuch von Bert Ehgartner: "GUTE IMPFUNG - SCHLECHTE IMFPUNG", das fernab von dumpfen Impfmaximalismus und fundamentalistischer Impfgegnerei jede Impfung gut recherchiert durchdekliniert und bewertet.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 4. November 2020, 22:58

Nur ein Kollateralschaden

Desinformationskampagnen brauchen ein Substrat, in den Köpfen der Zielgruppe muss eine Aversion gegen komplexe Zusammenhänge, Fachwissen und logisches Denken herrschen und viel Platz für einfache Antworten, Glaubensinhalte und Verschwörungstheorien sein. Die Antwort, welche Zielgruppen dafür empfänglich sind, dürfte nicht so schwer fallen...
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Mittwoch, 4. November 2020, 22:39

unlogisch

Russland war das erste Land, das einen covid-Impfstoff zum klinischen Einsatz vorgestellt hat, dieser Impfstoff wurde bei uns natürlich in Zweifel gestellt. Wenig logisch, dass Russland Urheber von Impfgegner-Kampagnen sein soll. Aber unsere Politik projiziert alles Schlechte auf Russland, Trump und die Corona-Kritiker....
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