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Medizin

COVID-19: Antiphospho­lipid-Antikörper könnten thrombotische Komplikationen (und Versagen einer Serumtherapie) erklären

Dienstag, 3. November 2020

/7activestudio, stock.adobe.com

Ann Arbor/Michigan – Die Blutgerinnsel in den kleinen Blutgefäßen, die häufig zu einem katastrophalen Verlauf von COVID-19 beitragen, könnten nach Beobachtungen von Rheu­m­a­tologen auf die gleichen Autoantikörper zurückzuführen sein, die beim Antiphospho­lipid-Syndrom zu thrombotischen Komplikationen führen.

Die Publikation in Science Translational Medicine (2020; DOI: 10.1126/science.abd3876) könnte Auswirkungen auf die Behandlungsstrategien haben.

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Schon früh im Verlauf der Pandemie war aufgefallen, dass es bei vielen Patienten mit COVID-19 zu einem Anstieg der D-Dimere kommt. Anfangs wurde dies als Zeichen für eine dissiminierte intravaskuläre Koagulation gedeutet, doch die Konzentration der Gerinnungsfaktoren, die bei dieser Störung verbraucht werden, ist bei COVID-19-Patienten nicht vermindert.

Es kommt eher zu thrombotischen Störungen, die in den Autopsien vor allem in den kleineren Blutgefäßen beobachtet wurden. Hier besteht eine Parallele zum Antiphospho­lipid-Syndrom, das ebenfalls mit einer erhöhten Neigung auf Thrombosen einhergeht.

Auslöser sind beim Antiphospholipid-Syndrom verschiedene Autoantikörper gegen Phos­pho­­­­­lipide und phospholipidbindende Proteine, zu denen Prothrombin und Beta-2-Glyko­protein I gehören.

Diese Antikörper hat ein Team um Yogen Kanthi von der Universität von Michigan in Ann Arbor jetzt bei 89 von 172 Patienten (52 %) nachgewiesen, die wegen einer schweren COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden. Bei 52 Patienten (30 %) war der Titer der Antikörper deutlich erhöht. Der Nachweis der Antikörper war mit einem schwereren Verlauf der Erkrankungen und insbesondere mit Nierenschäden verbunden.

Auffällig war eine Assoziation mit einem Anstieg des Calprotectins im Serum (einem Marker für die Aktivierung von neutrophilen Granulozyten) und mit einem Anstieg von Myeloperoxidase-DNA-Komplexen, die auf „neutrophil extracellular traps“ (NET) hinweisen.

NET sind eine primitive Abwehrreaktion des Immunsystems, bei dem die neutrophilen Granulozyten „explodieren“, um mit der dadurch freigesetzten DNA Krankheitserreger wie in einer Falle („trap“) zu fangen. NET sollen auch an der Pathogenese des Antiphospho­lipid-Syndroms beteiligt sein. Die Autoantikörper sollen die „Explosion“ der Abwehrzellen provozieren.

Schon im April hatten die Forscher zeigen können, dass es auch bei COVID-19 zur vermehr­ten Freisetzung von NET kommt. Ihre aktuelle Studie deutet darauf hin, dass die jetzt nachgewiesenen aPL-Antikörper dafür verantwortlich sein könnten.

Dafür sprechen einmal Laborversuche, in denen die IgG-Antikörper aus dem Blut von COVID-19 Patienten die neutrophilen Granulozyten von gesunden Probanden zur Frei­setzung von NET provozierten. Zum anderen konnten die Forscher bei Mäusen durch die Injektion der IgG-Antikörper von COVID-19-Patienten Thrombosen auslösen.

Die Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die Pathogenese von COVID-19, und sie könnten derzeitige Behandlungsversuche infrage stellen. Bei der Serumtherapie erhalten die Patienten das Plasma von Menschen, die eine COVID-19 überstanden haben. Die Antikörper aus dem Blut der Rekonvaleszenten sollen die Viren abfangen.

Wenn das Spenderserum allerdings auch Antiphospholipid-Antikörper enthalten sollte, könnte dies die Thromboseneigung der Patienten verstärken. Dies würde erklären, warum die Serumtherapie in Studien bisher keine eindeutig positiven Ergebnisse erzielt hat.

Eine weitere Konsequenz der jetzigen Ergebnisse wäre, dass Therapien, die für das Anti­phos­­­­pholipid-Syndrom entwickelt wurden, auch bei COVID-19 wirksam sein könnten. Dazu gehört neben einer Behandlung mit Heparinen (die bei COVID-19-Patienten inzwischen eingesetzt werden) die Behandlung mit dem Antithrombotikum Dipyridamol.

Die US-Mediziner konnten in einer früheren Studie zeigen, dass Dipyridamol die Frei­setzung von NET hemmt. In einer Phase-2-Studie prüfen sie jetzt, ob Dipyridamol eine Verschlechterung von COVID-19 in der Klinik verhindern kann. © rme/aerzteblatt.de

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