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Medizin

Adipositas: Population Health Management macht Online-Diäten effektiver

Dienstag, 17. November 2020

/Prostock-studio, stock.adobe.com

Boston – Die Begleitung durch einen Population Health Manager hat adipösen Patienten in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.18977) geholfen, ihr Körpergewicht mit Hilfe einer Online-Beratung zu senken. Die kostengünstige Behandlung könnte in die hausärztliche Betreuung integriert werden.

Die Behandlung einer Adipositas ist schwierig. Nur wenigen Betroffenen gelingt es, ihr Körpergewicht auf Dauer aus eigenem Antrieb zu senken. Auch Online-Hilfen oder Apps erzielen meist nur eine geringe Wirkung. In der PROPS-Studie („Integrating Online Weight Management With Primary Care Support“) wurde untersucht, ob ein Population Health Manager die Patienten bei ihrer Diät und der Änderung des Lebensstils unter­stützen kann.

Die Studie wurde an 15 Allgemeinarztpraxen (mit 170 Ärzten) durchgeführt, um heraus­zu­­finden, ob sich das Konzept in die medizinische Grundversorgung integrieren lässt.

Die 840 Patienten, die neben ihrer Adipositas (mittlerer Body-Mass-Index 32,5) fast alle eine Hypertonie und jeder vierte im Alter von 60 Jahren bereits einen Typ-2-Diabetes hatte, wurden auf 3 Gruppen randomisiert.

Die erste Gruppe erhielt per Post nur allgemeine Informationen zum Gewichtsmanage­ment (Kontrollgruppe). Die beiden anderen Gruppen nahmen an einem Online-Programm zur Gewichtsreduktion teil. Eine dieser beiden Gruppen wurde dabei von einem Population Health Manager unterstützt.

Das Online-Programm, das die Teilnehmer am Smartphone, Tablet oder am Computer durchführen konnten, umfasste 33 Unterrichtseinheiten zu einer gesunden Ernährung und zu einem gesunden Lebensstil. Daneben konnten die Teilnehmer online einen Ernährungsplan aufstellen und sich Gewichts- und Bewegungsziele setzen, die sie dann nach Eingabe von Gewicht und Schrittzahl überprüfen konnten. Zum Angebot gehörte auch eine einmalige telefonische Ernährungsberatung.

Die zusätzliche Unterstützung durch den Population Health Manager bestand in monat­lichen Anrufen, in denen die Fortschritte bei der Diät besprochen wurden. Er bot den Patienten nach 6 Monaten auch eine zweite Ernährungsbehandlung an und verstän­digte den Hausarzt, wenn es medizinische Probleme gab. Der Population Health Manager hatte auch Zugriff auf die Einträge des Patienten und intervenierte, wenn sie das Programm länger als 2 Wochen nicht benutzt hatten.

Der primäre Endpunkt war die Gewichtsabnahme der Teilnehmer am Ende der Interven­tion nach 12 Monaten. Wie Heather Baer vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter berichten, kam es in allen 3 Gruppen zu einer Gewichtsreduktion. Auch in der Kontrollgruppe hatten die Teilnehmer, vielleicht motiviert durch die zugesandten Gesundheitsinformationen 1,2 kg abgenommen.

In der Gruppe mit alleiniger Online-Beratung betrug die Gewichtsabnahme 1,9 kg. Bei der zusätzlichen Unterstützung durch den Population Health Manager hatten die Patienten 3,1 kg an Gewicht verloren.

Die Unterschiede zur Onlinegruppe waren mit 1,2 kg und einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,3 bis 2,2 kg signifikant. Die Differenz zur Kontrollgruppe von 1,9 kg war sogar mit einem 97,5-%-Konfidenzintervall von 0,9 bis 2,9 kg signifikant.

Auch 6 Monate nach dem Ende des Online-Programms hatte die Gruppe, die vom Popu­lation Health Manager unterstützt wurde, das Gewicht ungefähr halten können. Die Gewichtsreduktion gegenüber dem Beginn der Studie betrug 2,8 kg (95-%-Konfidenz­intervall 2,0 bis 3,5 kg).

Bei einer alleinigen Online-Betreuung betrug die Gewichts­abnahme nur noch 1,1 kg (0,3 bis 2,0 kg). Sie war damit sogar geringer als in der Kontrollgruppe, wo die Teilnehmer erstaunlicherweise im Schnitt 1,9 kg abgenommen hatten (1,0 bis 2,8 kg).

Die Gewichtsabnahme mag gering erscheinen. Die Erfahrungen aus früheren Studien haben jedoch gezeigt, dass die Wirkung der Diäten begrenzt ist. Andererseits wirkt sich bei adipösen Menschen bereits eine Gewichtsreduktion um 5 % günstig auf den Stoff­wechsel aus.

Dieses Ziel hatten nach 12 Monaten mit Unterstützung des Population Health Managers immerhin 31,5 % der Teilnehmer erreicht gegenüber 20,4 % bei alleiniger Online-Beratung und 12,7 % in der Kontrollgruppe. Nach weiteren 6 Monaten lag der Anteil in den 3 Gruppen bei 31,3 %, 19,9 % und 20,9 %.

Bear ist mit dem Ergebnis der Studie zufrieden. Ein Vorteil der Online-Beratung sei, dass sie ohne größere Kosten angeboten werden kann. Auch die zusätzlichen Personalkosten durch den Population Health Manager dürften sich im Rahmen halten. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich das Programm relativ leicht in die hausärztliche Versorgung einbinden ließe. © rme/aerzteblatt.de

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