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Psychotherapie per Video auch nach Corona eine Option

Donnerstag, 5. November 2020

/agenturfotografin, stock.adobe.com

Berlin – Videosprechstunden sind offenbar eine längerfristige Option für die Psychothe­rapie: Neun von zehn Therapeuten (88,5 Prozent) können sich vorstellen, auch nach Ende der Coronapandemie Videobehandlungen durchzuführen.

Allerdings will dies die Hälfte nicht mehr so häufig tun, wie während der Pandemie. Das ergab eine Onlinebefragung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) bei rund 3.500 Psychotherapeuten zu ihren Erfahrungen mit Videobehandlungen während der ersten Welle der Pandemie.

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„Die Coronapandemie hat zu einem massiven Innovationsschub bei Videobehandlungen geführt. Fast alle Psychotherapeuten haben Behandlungen per Videotelefonie durchge­führt und fast alle haben dies erstmals seit Beginn der Coronapandemie gemacht,“ sagte BPtK-Präsident Dietrich Munz. Videobehandlungen seien eine wichtige Ergänzung, aber kein Ersatz für Behandlungen im unmittelbaren Kontakt, betonte er.

Denn bei Videobehandlungen sei die nonverbale Wahrnehmung eingeschränkt, es seien nicht alle psychotherapeutischen Interventionen möglich und zudem ließen sich mit Videobehandlungen manche Menschen nicht oder nur schlecht erreichen. Dazu gehörten kleine Kinder, ältere Menschen und solche, die nicht über die notwendige technische Ausstattung oder einen ungestörten Raum für die Videobehandlung verfügten.

Das größte Hindernis bei Videobehandlungen sind laut der Befragung instabile Internet­verbindungen. Auf dem Land war die Internetverbindung laut der Umfrage bei rund 40 Prozent der Patienten nicht ausreichend, in Großstädten bei 25 Prozent.

„Rund 80 Prozent der Psychotherapeuten berichten von instabilen Internetverbindungen als Grund für Probleme bei Videobehandlungen. Dagegen war nur bei jeder fünften Psy­chotherapeut (19,1 Prozent) eine instabile Internetverbindung selten oder nie der Grund für ein Problem“, heißt es in der Studie.

Auch ein fehlendes Endgerät aufseiten der Patienten (49,8 Prozent) oder eine Überforde­rung der Patienten mit den technischen Anforderungen (50,8 Prozent) machte eine Vi­deobehandlung oft unmöglich.

„Digitalisierung kann sozial benachteiligte Patienten von der psychotherapeutischen Ver­sorgung ausschließen“, warnte die Kammer daher. Für Menschen mit wenigen sozioöko­no­mischen Ressourcen seien deshalb in ihren Wohnvierteln vermehrt Beratungs- und Be­handlungsangebote zu schaffen. Für ältere Menschen sei eine aufsuchende Psychothera­pie in Wohnungen und in Altenheimen wichtig.

Die BPtK fordert, Psychotherapeuten sollten je nach Patient eigenverantwortlich ent­schei­den können, ob und wie oft eine Videobehandlung angemessen sei. Die Behandlun­gen sollten künftig deutlich flexibler auch per Videotelefonat erbracht und abgerechnet werden können. © hil/aerzteblatt.de

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