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Versetzte Schulanfangszeiten für Lehrerverband keine Lösung

Donnerstag, 5. November 2020

/picture alliance, Domine Jerome,

Berlin/Deggendorf – Versetzte Schulzeiten zur Entzerrung des Schülerverkehrs und damit zur Senkung der Infektionsgefahr beurteilt der Deutsche Lehrerverband skeptisch. Eine entsprechende Forderung hatte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) er­hoben.

„Das stößt sehr schnell an Grenzen“, sagte Lehrerverband-Präsident Heinz-Peter Meidin­ger. Dies habe mehrere Gründe. Das Hauptargument sei: „Da ist dann zwar vielleicht ein bisschen weniger los in den Bussen und in den Pausen, aber am Grundproblem ändert sich nichts. Und das Grundproblem ist die volle Klasse.“

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Auch auf einer ganz praktischen Ebene sei der Vorschlag, die Anfangszeiten des Unter­richts zu staffeln, vielerorts nicht umsetzbar. Zum einen beförderten die Schulbusse in vielen Landkreisen zugleich Berufspendler.

Doch selbst wo es reine Schulbusse gebe, würden die Fahrzeuge außerhalb der Standard­zeiten bereits zu anderen Zwecken eingesetzt, „so dass zusätzliche Kapazitäten wenn, dann nur in einzelnen Regionen, aber nicht flächendeckend realisiert werden können“. Auch würden versetzte Zeiten neue Probleme etwa bei der Mittagsverpflegung bereiten, die dann ebenfalls zeitlich ausgedehnt werden müsste.

Dagegen setzen im Kampf gegen überfüllte Schulbusse erste Städte in Schleswig-Hol­stein auf eine Entzerrung der Schulanfangszeiten. In Flensburg etwa haben sich 15 wei­ter­führende Schulen im September auf gestaffelte Schulanfangszeiten verständigt. Nach langem Zögern will jetzt auch Lübeck einen Runden Tisch dazu einrichten.

Meidingers Gegenvorschlag: „Wenn man wirklich bei stark steigenden Infektions­zah­len wirksamen Gesundheitsschutz machen möchte, muss man tatsächlich wieder in den Wechselbetrieb gehen, das heißt, Klassen halbieren und die eine Hälfte in der einen Woche oder am einen Tag und die andere Hälfte in der anderen Woche oder am anderen Tag in der Schule unterrichten.“

Den jetzigen Kurs der Politik kritisierte Meidinger, der bis zu den Sommerferien Direktor eines Gymnasiums im niederbayerischen Deggendorf war und die Pädagogen lange Jahre auch an der Spitze des Deutschen Philologenverbands vertrat: „Nichts zu tun und die Schulen auf Teufel komm raus offen zu halten, das versteht keiner mehr.“

Die vorhandenen Stufenpläne müssten mit verbindlichen Inzidenzgrenzwerten hinterlegt werden. „Bloß zu sagen: Wir haben einen Stufenplan, und egal welche Werte erreicht werden, wir handeln nicht – das ist grob fahrlässig.“ © dpa/aerzteblatt.de

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