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Medizin

SARS-CoV-2: Abstrich bei asymptomatischer Leukämiepatientin erst nach 105 Tagen wieder negativ

Donnerstag, 5. November 2020

/Robert Kneschke, stock.adobe.com

Hamilton/Montana – Die meisten Patienten scheiden SARS-CoV-2 nur über wenige Tage aus. Eine ältere abwehrgeschwächte Leukämiepatientin aus dem US-Staat Washington war dagegen über viele Wochen infiziert, ohne jemals Symptome von COVID-19 zu zeigen.

Laut dem Bericht in Cell (2020; DOI: 10.1016/j.cell.2020.10.049) überlebte das Virus eine zweimalige Serumtherapie, bevor die Abstriche dann nach 105 Tagen aus ungeklärten Gründen wieder negativ ausfielen.

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Die 71-jährige Patientin, bei der seit 10 Jahren eine chronisch lymphatische Leukämie bekannt war und die inzwischen eine Hypogammaglobulinämie entwickelt hatte, war Mitte Februar wegen einer Wirbelfraktur und Spinalstenose an einer Klinik in Kirkland/Washington operiert worden.

Nach einer erneuten Hospitalisierung wegen einer Anämie konnte sie nicht ins Pflege­heim zurückkehren, weil es dort inzwischen einen SARS-CoV-2-Ausbruch gegeben hatte. Ein Test am 2. März ergab, dass sie sich ebenfalls infiziert hatte.

Sie wurde deshalb auf ein Isolationszimmer verlegt. Obwohl sie keinerlei Anzeichen von COVID-19 zeigte, fielen die Abstriche (insgesamt 14 im Verlauf der Infektion) weiter positiv aus. Die Ärzte nahmen Kontakt zu einem Hochsicherheitslabor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Hamilton/Montana auf. Ein Team um Vincent Munster hat den Verlauf der Infektion in den folgenden Wochen genauer verfolgt.

Die Tests ergaben, dass in den Nasenabstrichen zwischen dem 49. und 70. Tag infektiöse Viren vorhanden waren, obwohl in dieser Zeit die Behandlung mit intravenösen Immun­globulinen fortgesetzt worden war (die allerdings nicht notwendigerweise Antikörper gegen SARS-CoV-2 enthielten). Die Experten vom NIAID schlugen deshalb eine Serum­therapie vor.

Die Patientin erhielt in den folgenden Wochen gleich 2 Mal Plasmaspenden von Patienten, die sich von COVID-19 erholt hatten und Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hatten. Diese Antikörper waren nach der Behandlung auch im Blut der Patientin nachweisbar.

Die Viren, die sich in der Schleimhaut im Nasen-Rachen-Raum festgesetzt hatten, erreichten die Antikörper des Spenderplasmas jedoch nicht, was nach Einschätzung von Munster an den relativ geringen Titern von neutralisierenden Antikörpern im Spender­plasma gelegen haben könnte.

Allerdings waren zum Zeitpunkt der beiden Serumtherapien keine infektiösen Viren mehr bei der Patientin nachweisbar, während ihre Abstriche weiter positiv waren. In den Abstrichen werden mit der Polymerase-Kettenreaktion einzelne Gene des Erregers nach­ge­wiesen, was nicht unbedingt mit einem intakten Virus gleichzusetzen ist. Es könnte sich auch um Virusreste der früheren Infektion handeln.

Erst 105 Tage nach dem Beginn der Infektion fielen die Abstriche negativ aus. Der Grund dafür ist unklar. Erstaunlich ist auch, dass die Patientin trotz ihrer Abwehrschwäche und der Unfähigkeit, eine Antikörperantwort zu entwickeln, niemals Symptome von COVID-19 zeigte.

Die Forscher haben die aus den Abstrichen isolierten Viren mehrmals sequenziert. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Viren im Verlauf der Infektion genetisch verändert haben. Die Forscher glauben jedoch nicht, dass diese Mutationen die Persistenz der Infektion erklären. Es gebe keine Hinweise auf eine natürliche Selektion. Die Mutationen hätten die Fähigkeit oder die Geschwindigkeit der Virusreplikation im Labor nicht verändert.

Laut Munster ist der Fall die längste bisher dokumentierte aktive Infektion mit SARS-CoV-2. Ähnliche Fälle seien jedoch von der Influenza her bekannt und auch beim Middle East Respiratory Syndrome (MERS) beobachtet worden, das ebenfalls durch ein Corona­virus verursacht wird. Munster geht deshalb davon aus, dass es kein Einzelfall ist.

Er vermutet, dass es bei den schätzungsweise 3 Millionen Menschen in den USA, die aufgrund von Chemotherapie, Stammzelltransplantationen, HIV-Infektionen oder Steroid­therapien eine Abwehrschwäche haben, ebenfalls zu persistierenden Infektionen kommen könnte, wenn sie sich mit SARS-CoV-2 anstecken. © rme/aerzteblatt.de

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