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Kritik an Ernährungsberatung und -therapie chronisch kranker Kinder

Donnerstag, 5. November 2020

/Monkey Business, stock.adobe.com

München – „Große Defizite in der Ernährungstherapie kranker Kinder in Deutschland“ be­klagt die Stiftung Kindergesundheit. „Die Ausstattung der Kinderkliniken mit Ernäh­rungs­fachkräften entspricht nicht dem tatsächlichen Bedarf, und die Kosten einer bedarfsge­rech­ten Ernährungsberatung werden durch das starre System der Fallpauschalen nicht gedeckt“, heißt es in einer neuen Stellungnahme.

„Die Auswirkungen einer unausgewogenen Ernährung sind bei Kindern gravierender als bei Erwachsenen“, betonte Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit und Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Im Vergleich zu Erwachsenen seien bei kranken Säuglingen, Kin­dern und Jugendlichen die Folgen einer Fehlernährung weitaus schwerwiegender.

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Besonders bei Babys und Kleinkindern wirke sich ein durch Fehlernährung entstehendes Untergewicht nachteilig auf das Längenwachstum aus, könne die körperliche und intel­lek­tuelle Reifung hemmen und das Immunsystem schwächen, mit der Folge von gehäuf­ten Infekten. „Die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit werden nachhaltig be­einträchtigt“, so der Experte.

Besonders wichtig ist laut der Stiftung die fachgerechte Ernährungs- und Diätberatung für die große Gruppe von Kindern mit einer chronischen oder ernährungsbedingten Er­krankung. Dazu zählten unter anderem Kinder mit Morbus Crohn, Zöliakie, Leberentzün­dun­gen, Asthma, Allergien, Epilepsie und angeborenen Fehlbildungen wie Herzfehlern.

Neben dem großen Problem Übergewicht sei zudem Untergewicht ein wichtiges, oft un­terschätztes Thema der Ernährungsmedizin, betonte die Stiftung. Besonders hoch sei das Risiko einer Mangelernährung bei kranken Kindern unter zwei Jahren und bei Kindern mit Erkrankungen des Nervensystems und der Verdauungsorgane.

„Entsprechend ist ein bedarfsgerechtes Angebot einer qualifizierten präventiven und therapeutischen Ernährungsberatung und -therapie in der Pädiatrie besonders wichtig“, unterstrich die Ernährungskommission der DGKJ.

Dieses erfordere pädiatrisch geschulte und erfahrene Ernährungsfachkräfte in der ambu­lanten und der stationären Versorgung sowie ausreichend ausgestattete multidisziplinäre Ernährungsteams an allen kinder- und jugendmedizinischen Kliniken. Aber an den Klini­ken herrsche Personalnot und Zeitmangel, es fehle an Fachpersonal, Ernährungsteams und an Geräteausstattung, so die Kommission.

Erschwerend komme hinzu, dass die ernährungsmedizinische Diagnostik und Behandlung im Kindesalter wesentlich zeit- und personalaufwendiger sei als bei erwachsenen Patien­ten. „Im Gegensatz zur Ernährungsberatung bei Erwachsenen ist bei Babys, Kleinkindern und Jugendlichen ein individueller und für die jeweilige Altersgruppe angepasster Ansatz erforderlich, der für viele Kinder spezielle Beratungs- und Schulungskonzepte für die Familie benötigt“, so Koletzko.

Diese zeit- und personalintensive ernährungsmedizinische Betreuung von Kindern und Jugendlichen werde jedoch im System der Fallpauschalen in deutschen Kliniken nicht ausreichend berücksichtigt, kritisierte er. Es sei daher notwendig, die derzeit geltenden Fallpauschalen für die stationäre Kinder- und Jugendmedizin grundlegend zu verändern und durch ein kostendeckendes Vergütungssystem zu ersetzen, so die Forderung von Stiftung und Fachgesellschaft. © hil/aerzteblatt.de

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