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Politik

Länder bereiten sich auf Coronaimpfungen vor

Freitag, 6. November 2020

/picture alliance, Ole Spata

Berlin – Mitten in der Pandemie treiben viele Bundesländer ihre Vorbereitungen für künf­tige Coronaimpfungen voran. Bundesweit soll es demnach 60 Logistikstandorte geben, an die der Impf­stoff geliefert wird. Auch sollten Impfzentren eingerichtet werden.

Der Bund habe die Länder aufgefordert, „zeitnah“ eine Strategie für die Lagerung und Ver­teilung eines Impfstoffs zu erarbeiten, sagte ein Sprecher von Bremens Gesundheits­senatorin Claudia Bernhard (Linke) dem Weser-Kurier.

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In Niedersachsen liefen die Vorbe­reitungen „auf Hochtouren“, sagte Gesundheitsministe­rin Carola Reimann der Hannover­schen Allgemeinen Zeitung. Die SPD-Politikerin erklärte: „Wir können Stand heute aber noch nicht sagen, wann die ersten Impfdosen bereitstehen werden und für welche Gruppen der Impfstoff empfohlen wird.“

Dem Bericht zufolge gibt es nach Angaben des Ministeriums für Niedersachsen drei mög­liche Impfstoffe, die in einigen Wochen zur Verfügung stehen könnten. Die Vorbereitun­gen umfassen demnach unter anderem die Planung und den Aufbau der Impfzentren.

Im Land Bremen wird es nach Angaben des Sprechers einen Logistikstandort und ein Impfzentrum geben. „Dabei macht es Sinn, beides räumlich anzudocken. Unter anderem damit die Wege kurz sind, denn der Impfstoff muss auf etwa minus 70 Grad Celsius he­runtergekühlt werden“, erklärte er.

Die Gesundheitsbehörde gehe von etwa 400.000 Menschen im Land Bremen aus, die geimpft würden. Nach jetzigem Stand handele es sich um eine Zweifachimpfung, es sei also eine zweite Impfung nach einer bestimmten Zeit notwendig. Bewohner von Pflege­heimen oder medizinisches Personal gehörten voraussichtlich zu denjenigen, die mit Vorrang geimpft würden.

Reimann erwartet zunächst begrenzt verfügbare Impfdosen. „Aus meiner Sicht wird es unerlässlich sein, den gesamten Impfprozess sehr genau zu beobachten und zu begleiten, um auch mögliche Nebenwirkungen schnell erkennen zu können“, sagte sie der Zeitung.

Auch Thüringen rüstet sich für Coronaschutzimpfungen. Derzeit arbeiteten Land und Kassenärztliche Vereinigung (KV) Thüringen an einem Konzept für die Einrichtung von Impfpraxen und deren Ausstattung, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Heike Werner (Linke).

Ziel sei es, in jedem der 23 Landkreise und kreisfreien Städte solche Anlaufstellen für die Impfung einzurichten. Auch zusätzliche mobile Impfteams für den Einsatz etwa in Pflege­heimen sollen Werner zufolge gebildet werden. Einem Sprecher der KV Thüringen zufol­ge soll das Impfkonzept bis zum Monatsende weitgehend stehen.

Keine großen Zentren in Thüringen

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte sich für große Impfzentren ausge­spro­chen. In Thüringen zeichnet sich ab, dass eher mehrere, regional verteilte Arztpraxen die Coronaimpfung übernehmen sollen.

Vorbild für die Impfpraxen könnten die im Zuge der Pandemie errichteten Abstrichstellen für Coronatests sein, die in Regie von KV, Krankenhäusern und Kommunen in Thüringen seit März flächendeckend eingerichtet worden sind. „Das funktioniert und das kann man sich auch beim Impfen vorstellen“, so Werner.

Bund und Länder haben sich laut Werner auf eine Arbeitsteilung bei der Vorbereitung der Coronaimpfungen verständigt. Der Bund sei verantwortlich für die Beschaffung der Impf­stoffe, die Länder für die Anschaffung von Impfutensilien wie Spritzen und Kanülen. „Wir haben ausreichend bestellt“, sagte Werner. Für die Einlagerung von Impfstoff seien zwei zentrale Tiefkühllager festgelegt worden.

Derzeit wird in Deutschland und anderen Ländern mit Hochdruck an Coronaimpfstoffen geforscht. Noch ist nicht klar, wann sie auf den Markt kommen. Werner hofft darauf, dass ein erster Impfstoff möglichst Anfang 2021 verfügbar ist. „Wir werden ihn dann aber zu­nächst nur in einem begrenzten Umfang zur Verfügung haben.“ Das bedeute, dass nicht gleich alle Impfwilligen geimpft werden könnten.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) sei für die Erarbei­tung einer Rangfolge, welche Personengruppen zuerst an die Reihe kommen sollen, zu­ständig. „Wir als Land sind uns einig: Diese Priorisierung der STIKO werden wir genauso übernehmen“, betonte Werner.

Auch Sachsen treibt die Vorbereitungen voran. Bei den Überlegungen spielte auch die Einrichtung von Coronaimpfzentren eine Rolle, teilte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium mit. Details, wo diese eingerichtet werden könnten, wurden nicht genannt. Den Angaben zufolge wird auch der Einsatz mobiler Teams geprüft, damit sich auch diejenigen impfen lassen können, die aus medizinischen Gründen kein Impfzentrum aufsuchen können. Noch liegt aber kein Impfstoff vor.

„Für mögliche COVID-19-Impfungen müssen viele Punkte berücksichtigt werden“, so eine Behördensprecherin. Man müsse davon ausgehen, dass es zumindest zu Beginn nicht aus­­reichend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung gebe. Daher sollten Personengruppen ausgemacht werden, die sich zuerst impfen lassen können. Zudem müsse Sachsen klären, wer diese Impfungen personell leisten könne, auch Fragen der Lagerung, Verteilung und Terminvergabe müssten geklärt werden.

Schleswig-Holsteins Behörden treffen ebenfalls erste Vorbereitungen für Impfzentren. Das Land bereite „derzeit die Etablierung einer Verteilstruktur bei Verfügbarkeit der Impf­stoffe vor“, sagte ein Sprecher des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums. Dazu zähle auch die Be­schaf­f­ung erforderlicher Materialien wie Spritzen, die bei der Arbeit in den Impfzentren notwendig sein werden. Die konkrete Struktur der Verteilzentren stehe ebenso wenig fest wie der zeitliche Rahmen.

Das Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern plant, bis Mitte Dezember Impfzentren in Rostock und Greifswald aufzubauen. „Sollte ein Impfstoff kommen, müssen wir vorberei­tet sein. Das hängt vom Verlauf der aktuellen Impfstudien und dem Zulassungsverfahren ab“, sagte Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU). „Die Gespräche mit dem Bund laufen auf Hochtouren.“ Laut dem Schweriner Ge­sund­heits­mi­nis­terium plant der Bund, die Impfstoffe in die Bundesländer zu liefern. Die Verteilung solle gemäß Bevölkerungs­anteil erfolgen. © dpa/aerzteblatt.de

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