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Ausland

Stiller Erfolg im Kampf gegen die Pandemie

Freitag, 6. November 2020

/AIDAsign, stock.adobe.com

Helsinki – Während fast ganz Europa mit harten Maßnahmen gegen die zweite Corona­welle kämpft, hat Finnland die Pandemie gut im Griff. Die Zahl der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 in dem skandinavischen Land geht zurück.

Die Infektionsrate lag in den vergangenen zwei Wochen im Schnitt bei 45,7 Fällen je 100.000 Einwohner – die niedrigste in der EU. Und auch die wirtschaftlichen Folgen durch die Seuche fallen in Finnland weit milder aus als bei den europäischen Nachbarn.

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Die internationale Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den Sonderweg des Nachbar­lan­des Schweden. Doch stiller Sieger bei der Eindämmung der Pandemie ist Finnland. Meh­rere Faktoren spielen bei dem Erfolg eine Rolle: Im Frühjahr reagierte die Regierung rasch und verhängte im März einen zweimonatigen Lockdown. Reisen in und aus der Hauptstadt Helsinki waren verboten.

Danach kehrte das Land weitgehend zur Normalität zurück. Ein effektives System für Tests und die Nachverfolgung von Ansteckungsketten helfen, die Infektionen gering zu halten. Zentraler Bestandteil ist die App „Corona Flash“, die 2,5 Millionen der 5,5 Millio­nen Finnen auf ihr Smartphone geladen haben.

Wie in anderen nordeuropäischen Ländern auch ist das Vertrauen der Bürger in die Be­hör­den groß. Widerstand gegen die Coronaregeln der Regierung gibt es kaum. Die Finnen halten sich nicht nur an die Vorgaben, einige sehen sie sogar als Bereicherung. Bei einer Umfrage im Auftrag des EU-Parlaments gaben 23 Prozent der befragten Finnen an, der Lockdown habe ihr Leben verbessert.

Das oft als zurückhaltend beschriebene Naturell der Finnen mag dabei eine Rolle spielen. „Wir sind nicht so gesellig und gern allein“, sagt die Sozialpsychologin Nelli Hankonen von der Universität Helsinki. Dennoch hat der Lockdown Spuren hinterlassen; psychische Probleme, unter denen ohnehin einer von fünf Finnen leidet, nahmen zu.

Die Umstellung auf die Arbeit im Homeoffice fiel in dem hoch digitalisierten Land relativ leicht. „Die Wirtschaft ist so strukturiert, dass es für einen großen Teil der finnischen Ar­beitskräfte nicht notwendig ist, am Arbeitsplatz zu sein“, sagt Hankonen.

In den Geschäftsstraßen von Helsinki sind kaum weniger Menschen unterwegs als vor der Pandemie. Wenige tragen eine Maske, obwohl die Behörden sie seit Kurzem empfehlen. „Mein Alltag hat sich kaum verändert“, sagt der 36-jährige Gegi Aydin, der im Gesund­heits­wesen arbeitet. „Nur meine Freunde haben keine Lust mehr auf Treffen – verständ­lich­­erweise.“

Im schicken Viertel Punavuori dekoriert Richard McCormick den neuen Wintergarten vor seinem Restaurant gerade mit Pflanzen und Lichtern. Während in den Restaurants nur noch halb so viele Gäste sitzen dürfen wie früher und die Öffnungszeiten verkürzt wur­den, gibt es für den Außenbereich keine Beschränkungen.

Deshalb hat McCormick die Glashäuser aufgestellt. „Wir lassen sie wie ein Wohnzimmer aussehen, dann haben die Leute darin das Gefühl von einem privaten Essen“, sagte der Gastronom.

Die finnische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal um 6,4 Prozent. Damit lag der Rückgang deutlich unter dem Minus von 14 Prozent im EU-Durchschnitt. Die Auswirkun­gen auf die Gastronomie seien dennoch „verheerend“, sagt McCormick. Er musste Ange­stellte in seinen beiden Restaurants entlassen. „Aber die Glashäuser haben uns geholfen, die meisten wieder einzustellen“, sagt er. „Wir müssen einfach versuchen, neue Wege zu finden.“ © afp/aerzteblatt.de

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