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Ärzteschaft

Labore hoffen auf Entlastung durch geänderte Testkriterien

Freitag, 6. November 2020

/picture alliance, Moritz Thibaud, ABACA

Berlin – Besonderes Augenmerk liegt jetzt auf den Symptomen und deren Schwere: Mit den geänderten Empfehlungen für den Einsatz von Coronatests hoffen die bundesweit am Limit arbeitenden medizinischen Labore auf Entlastung.

Man sei überzeugt, dass die aufgebauten Kapazitäten mit dem nun gewählten Fokus auf medizinisch begründete Tests ausreichen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Ver­bands der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), Jan Kramer.

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Voraussetzung sei, dass die neuen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) an Ärzte eingehalten wer­den. „Was wir nicht schaffen können in den medizinischen Laboren, ist, wenn jegliche Erkäl­tungs­symptomatik abgeklärt wird“, sagte der Internist und Laborarzt.

Kramer schilderte, dass Tests gemäß RKI-Empfehlung etwa angezeigt seien bei schweren Symptomen der Atemwege – bei akuter Bronchitis, Lungenentzündung, Atemnot und Fie­ber –, bei Störungen von Geruchs- und Geschmackssinn, bei Symptomen nach direktem Kontakt mit einem bestätigten COVID-19-Fall oder bei akuter Verschlechterung des Krank­heitsbildes.

Mit einem Test abgeklärt werden sollten demnach auch akute Atemwegsprobleme bei Risikogruppen und bei Menschen, die in medizinischen Einrichtungen und in der Pflege arbeiten. Auch die Wahrscheinlichkeit, dem Virus ausgesetzt gewesen zu sein, spielt laut RKI eine Rolle.

Im Sommer waren auch Reiserückkehrer auf SARS-CoV-2 getestet worden – viele Labor­experten werteten dies als anlasslos. RKI-Vizechef Lars Schaade sagte kürzlich, dass Men­schen, die nun trotz Symptomen nicht getestet werden könnten, weitere Ansteckun­gen verhindern sollten: „Sie sollten sich bitte fünf Tage isolieren und ihre Isolation da­nach erst beenden, wenn sie weitere 48 Stunden ohne Symptome waren.“

Im Fall einer Verschlechterung der Krankheitsanzeichen solle man sich testen lassen. Wie bisher sollen Menschen ohne Symptome laut Nationaler Teststrategie getestet werden, wenn sie zum Beispiel engen Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten.

Der Verband ALM hatte in dieser Woche auf Basis von Daten aus 162 Laboren berichtet, die Testkapazität sei bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgereizt. Bei Fortsetzung einer solchen Überflutung mit Proben oder einem möglichen Geräte- oder Personal­ausfall drohe ein Zusammenbruch der Versorgung.

Kramer sagte, eine Zielgröße für eine tragbare Auslastung wäre bei 65 bis 85 Prozent: „Wenn man darüber kommt, dann laufen die Lager für Reagenzien und Verbrauchs­mate­ri­alien, die wir für diese Teste benötigen, leer.“ Die wegen der Pandemie interna­tional ge­fragten Materialien würden rationiert an Labore abgegeben.

Wie Kramer schilderte, bemühen sich die medizinischen Labore um Laufzeiten von 24 bis 48 Stunden bei medizinischen Proben. Gerade bei anlasslosen Testungen könne es aber passieren, dass Menschen drei oder vier Tage auf ihr Testergebnis warten müssen.

Die bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer hat unterdessen die von der Staatsregierung bezahl­ten Coronatests für Bürger ohne Symptome kritisiert. „Die bislang praktizierte Corona­test­strategie führt leider, wie ich befürchtet habe, zu einer Überlastung der Labore“, sagte Kammerpräsident Gerald Quitterer dem Münchner Merkur.

Außerdem gebe es teilweise bereits Lieferengpässe bei den benötigten Reagenzien. Quit­te­rer plädierte deswegen dafür, sich bei den Tests auf Patienten mit Symptomen, Risiko­gruppen, medizinisches Personal und Patienten vor einem Kranken­haus­auf­enthalt oder der Aufnahme ins Pflegeheim zu konzentrieren.

Das bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­terium erklärte auf Anfrage der Zeitung, „dass die „Tes­tung für jedermann“ in der Laborauslastung eine eher nachrangige Rolle spielt“. Das Test­programm für jedermann und jederfrau war im Sommer angelaufen, in den ersten drei Monaten hatten sich bis Ende Oktober über 700.000 Bürger auf den COVID-19-Erreger untersuchen lassen. © dpa/aerzteblatt.de

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