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Medizin

Zu hohe (und bei Männern auch zu niedrige) Harnsäurespiegel könnten das Leben um mehrere Jahre verkürzen

Freitag, 6. November 2020

/JPC-PROD, stock.adobe.com

Limerick/Irland – Männer und Frauen, die in Irland an einem Programm zur Früh­erkennung von Nierenkrankheiten teilnahmen, hatten dann eine deutlich verminderte Lebens­erwartung, wenn bei der Eingangsuntersuchung eine erhöhte Harnsäure­konzentration im Serum gemessen wurde.

Für Männer war nach den jetzt im European Journal of Internal Medicine (2020; DOI: 10.1016/j.ejim.2020.10.001) vorgestellten Ergebnissen auch bei einem verminderten Harnsäurewert ein erhöhtes Risiko nachweisbar.

Eine erhöhte Konzentration von Harnsäure, die beim Abbau von Purinen im Stoffwechsel anfällt und über die Nieren ausgeschieden wird, war bereits in früheren Studien mit einer Reihe von Erkrankungen in Verbindung gebracht worden wie Hypertonie, metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes, koronare Herzkrankheit, linksventrikuläre Hypertrophie, Vor­hof­flimmern, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und chronische Nierenerkrankungen.

Es blieb jedoch unklar, ob die Harnsäure für die Erkrankungen verantwortlich ist oder nur ein Marker für andere Störungen ist. Dies ist wichtig, da sich der Harnsäurespiegel medi­kamentös senken lässt, was bei einer kausalen Beziehung eine präventive Wirkung er­zielen würde. Diese Frage lässt sich allerdings nur in randomisierten Studien klären. Diese laufen derzeit in den USA.

Die Untersuchung, die ein Team um Austin Stack von der Universität Limerick in Irland jetzt vorstellt, ist erneut eine epidemiologische Studie, die nur Assoziationen herstellen kann, aber keine Beweiskraft hat. Eine Besonderheit besteht darin, dass die Studie eine Reihe von Begleitfaktoren berücksichtigt und damit als Ursache ausschließen kann.

Im Rahmen des „National Kidney Disease Surveillance System“, das älteren Patienten in Irland eine Früherkennung von Nierenkrankheiten anbietet, sind nämlich regelmäßig neben der Nierenfunktion auch die Blutfette und andere Laborwerte erhoben worden. Einige Risikofaktoren wie Hyperlipidämie, Anämie, Serumalbumin und Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom und Entzündungsreaktionen konnten deshalb bei den Berech­nungen berücksichtigt werden.

Von den 26.525 Teilnehmern sind nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,12 Jahren insgesamt 1.288 gestorben. Die Analyse ergab jetzt, dass bei Männern das Sterbe­risiko nicht nur bei erhöhten Harnsäurewerten anstieg. Für einen Serumwert von über 535 µmol/l ermittelt Stack eine adjustierte Hazard Ratio von 2,79, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,91 bis 4,02 signifikant war. Auch ein Harnsäurewert von unter 238 µmol/l war mit einem deutlich erhöhten Sterberisiko verbunden (adjustierte Hazard Ratio 2,32; 1,53 bis 3,27).

Der Einfluss auf die Lebenszeit war beträchtlich. Männer mit erhöhten Harnsäurewerten starben in Durchschnitt um 11,7 Jahre (7,27 bis 16,92) früher. Bei zu niedrigen Werten war die Lebenszeit um 9,52 Jahre (4,38 und 15,53) verkürzt.

Für Frauen ermittelte Stark dagegen eine J-Kurve: Ein Serumwert über 416 µmol/l war mit einem um 69 % erhöhten Risiko verbunden (adjustierte Hazard Ratio erhöht 1,69; 1,13 bis 2,47). Für niedrige Harnsäurekonzentration war dagegen allenfalls ein leichter Anstieg erkennbar. Frauen mit zu hohen Harnsäurewerten sterben laut der Studie um 5,9 Jahre (0,97 bis 12,32) früher.

Der Grund für die unterschiedlichen Assoziationen ist unklar. Bei den hohen Harnsäure­konzentrationen könnten (neben den bekannten und in der Studie ausgeschlossenen Auswirkungen auf die Niere) auch eine Störung der Endothelfunktion oder eine ver­mehrte Entzündungsreaktion für den Anstieg des Sterberisikos verantwortlich sein.

Auf der anderen Seite werden antioxidative Wirkungen von Harnsäure diskutiert. Warum sich ein Mangel bei Frauen nicht im gleichen Maße negativ auswirkt wie bei Männern, kann Stark nicht erklären. © rme/aerzteblatt.de

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