NewsMedizinSARS-CoV-2: Kinder haben häufiger schon vor der Infektion protektive Antikörper
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

SARS-CoV-2: Kinder haben häufiger schon vor der Infektion protektive Antikörper

Montag, 9. November 2020

/SciePro, stock.adobe.com

London – Können frühere Infektionen mit harmlosen Coronaviren Kinder und manchmal auch Erwachsene vor SARS-CoV-2 schützen? Britische Forscher berichten in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abe1107), dass eine beträchtliche Zahl von Kindern kreuz­reaktive Antikörper hat, die das Eindringen des Virus in die Zellen verhindern könnten.

SARS-CoV-2 ist nicht das erste Coronavirus, das den Menschen infizieren kann. Mehrere verwandte Betacoronaviren (HCoV-OC43, HCoV-HKU1, HCoV-NL63 und HCoV-229E) sind seit längerem weltweit verbreitet. Anders als SARS-CoV-2 lösen sie jedoch keine schwere systemische Infektion aus. Meist bleibt es bei einer leichten Erkältung – und einer zeitlich begrenzten Immunität.

Anzeige

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie wird untersucht, ob die gegen Betacoronaviren gerichteten Antikörper auch vor SARS-CoV-2 schützen. Die bisherigen Studien sprachen eher gegen eine solche Kreuzimmunität. Forscher des Francis Crick Institute in London kommen jetzt jedoch zu einer anderen Einschätzung.

Kevon Ng und Mitarbeiter hatten einen neuen Test zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 entwickelt. Um zu prüfen, wie gut der Test funktioniert, haben sie ihn an Seren aus der Zeit vor COVID-19 getestet. Zu ihrer Überraschung fiel das Ergebnis häufiger positiv aus. Daraufhin wurden noch einmal mehrere frühere Kohorten unter­sucht. Jedesmal wurden Antikörper gefunden, die auf SARS-CoV-2 reagierten. Die Prävalenz schwankte zwischen 5,3 % bei Erwachsenen und 43,8 % bei Kindern.

Die genauen Analysen zeigten, dass die Kreuzimmunität gegen die S2-Einheit von SARS-CoV-2 gerichtet war. Es ist einer der beiden Bestandteile, die das Spike-Protein benötigt, um eine Zelle zu infizieren. Mit S1 bindet das Virus an den menschlichen Zellen, S2 ermöglicht dann das Eindringen in die Zelle.

Der S2-Anteil zeigt laut Ng bei SARS-CoV-2 eine größere Übereinstimmung mit den Erkältungsviren als der S1-Anteil. Dies könnte die Kreuzimmunität erklären. Dass die Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen höher war als bei den Erwachsenen könnte an den häufigen Erkältungen in dieser Altersgruppe liegen. Die Chance, dass sie bei einer möglichen Attacke von SARS-CoV-2 noch eine zeitlich begrenzte Immunität aufgrund einer früheren Infektion mit einem Betacoronavirus haben, ist erhöht.

Die Forscher konnten an Zellkulturen zeigen, dass die kreuzreaktiven Antikörper Zellen vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen. Ob sie auch im menschlichen Körper eine protektive Wirkung haben, ist nicht bekannt. Sollte dies der Fall sein, wäre dies eine mögliche Erklärung für die zumeist milden Verläufe bei Kindern.

Der S2-Anteil der Coronaviren könnte sich dann auch als Bestandteil für einen möglichen Impfstoff eignen, der nicht nur vor einem schweren COVID-19, sondern auch vor Erkäl­tungen schützen könnte. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER