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Medizin

Mangelernährung: Schulkinder in vielen Ländern zu klein und zu dick

Donnerstag, 19. November 2020

/Africa Studio, stock.adobe.com

London – Körpergröße und Body-Mass-Index (BMI) von Jugendlichen schwanken international sehr stark. Nach einer Studie im Lancet (2020; DOI: 396: 1511-1524) werden Teenager in reicheren Ländern bis zu 20 cm größer als in ärmeren Ländern. Beim Durchschnittsgewicht gibt es Differenzen um bis zu 25 Kilo.

Anders als weithin angenommen wird die Körpergröße nicht allein durch die Gene bestimmt. Auch die Ernährung und andere Umweltfaktoren haben einen großen Einfluss. Bisher galten die ersten 5 Lebensjahre als entscheidend. Mangelernährung kann dort schnell zu körperlichen Entwicklungsstörungen führen, die als „stunting“ bezeichnet werden. Ein Team um Majid Ezzati vom Imperial College London kann jetzt zeigen, dass es auch im Schulalter deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen gibt.

Die Analyse von 2.181 Datenquellen zu 65 Millionen Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 19 Jahren für den Zeitraum von 1985 bis 2019 zeigt zunächst einmal, dass es weltweit große Unterschiede im Wachstum gibt. Am größten sind Jugendliche in Nordwest- und Mitteleuropa.

In den Niederlanden erreichte ein männlicher 19-Jähriger im Jahr 2019 eine mittlere Größe von 183,8 cm. Ein Mädchen war im Durchschnitt 170,4 cm groß. Das andere Extrem bildete bei den männlichen Teenagern Osttimor mit einer Größe von durch­schnitt­lich 160,1 cm und bei den weiblichen Teenagern Guatemala mit 150,9 cm (jeweils im Alter von 19 Jahren).

Der Unterschied von 20 cm oder mehr zwischen Ländern mit der höchsten und der niedrigsten mittleren Körpergröße entspricht einer Wachstumslücke von ungefähr 8 Jahren für Mädchen und 6 Jahren für Jungen. So erreichen Mädchen in Guatemala, Bangladesch, Nepal und Osttimor im Alter von 19 Jahren die gleiche Körpergröße wie ein 11-jähriges Mädchen in den Niederlanden.

In ähnlicher Weise hatten 19-jährige Jungen in 11 Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas südlich der Sahara die gleiche mittlere Größe wie niederländische Jungen im Alter von 13 Jahren.

Dass diese Unterschiede sich nicht allein auf die Gene zurückführen lassen, zeigt die Entwicklung der Körpergröße in den einzelnen Ländern. Sie hat seit 1985 in einigen Ländern Osteuropas, etwa in Montenegro oder in Polen deutlich zugenommen.

Den größten Sprung hat es in den letzten 3,5 Jahrzehnten in einigen Schwellenländern gegeben wie China und Südkorea. So ist ein 19-jähriger Junge in China heute 8 cm größer als im Jahr 1985. In vielen Ländern Afrikas südlich der Sahara ist die Körpergröße von Jugendlichen gleich geblieben oder sogar zurückgegangen.

In einigen Ländern vergrößert sich der Abstand im Verlauf des Schulalters – auch in Europa. So haben beispielsweise Mädchen in Belgien und Jungen in Österreich im Alter von 5 Jahren noch die gleiche Größe wie in den Niederlanden, danach können sie jedoch im Wachstum nicht mehr mithalten.

Die Studie hat auch die Entwicklung des BMI untersucht. Eine Zunahme ist hier, sofern sie nicht ein Untergewicht korrigiert, ein ungünstiges Zeichen. Am höchsten ist der BMI in den pazifischen Inselstaaten in Ozeanien. Er lag dort 2019 bei 19-Jährigen häufig über 28 kg/m2.

Eine ungünstige Entwicklung hat das Team um Ezzati in Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas beobachtet. In diesen Ländern steigt der BMI im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt im Verlauf des Schulteralters stark an. Er kann am Ende 9 bis 10 kg/m2 betragen was etwa 25 kg an Gewicht entspricht.

Die Gründe für die Unterschiede kann die Studie nicht klären, da sie allein Daten zur Körpergröße, nicht aber zu den möglichen Einflussfaktoren gesammelt hat. Es liegt jedoch nahe, sie in der Ernährung zu suchen, wobei heute in den meisten Ländern nicht ein Mangel, sondern die übermäßige Zufuhr von qualitativ minderwertigen Nahrungsmitteln eine Rolle spielen dürfte. © rme/aerzteblatt.de

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