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Medizin

Soziale Roboter könnten psychische Folgen der Coronaisolation mildern

Dienstag, 10. November 2020

/picture alliance, Christiane Hübscher

Stuttgart – Sogenannte soziale Roboter könnten während der Coronakrise für psychisch anfällige Menschen eine wichtige Stütze sein. Zu diesem Ergebnis kommen Wissen­schaftler aus den Niederlanden, Schweden, der Türkei und von der Universität Hohen­heim in Stuttgart. Ihre Arbeit ist im Journal of Service Management erschienen (DOI: 10.1108/JOSM-05-2020-0145).

„Durch die aufgrund der COVID-19-Pandemie ergriffenen Quarantänemaßnahmen leben derzeit viele Menschen in sozialer Isolation. Das kann sich sowohl kurz- als auch lang­fristig nachteilig auf ihre psychische Gesundheit auswirken“, schreiben die Forscher.

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Der Einsatz von sozialen Robotern könne diese negativen Folgen möglicherweise ver­hindern oder zumindest minimieren. Sie könnten Menschen in ihrem täglichen Leben unterstützen, ein Medium für soziale Kontakte sein und so zu deutlichen Verbesserungen in deren Wohlbefinden führen, so die Wissenschaftler.

„Wir möchten gerne verstehen und Anregungen geben, wie soziale Roboter das Wohlbe­finden schutzbedürftiger Personen verbessern können, wenn diese sich in sozialer Iso­lation befinden. Dafür sind in unsere Arbeit Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen eingeflossen: Dienstleistungsforschung, soziale Robotik, Sozialpsychologie und Medizin“, erklärte Marah Blaurock, Doktorandin am Institut für Marketing und Management in Hohenheim.

Die Wissenschaftler identifizierten aus der Literatur 4 Haupttypen, in die sich soziale Roboter einteilen lassen: den Unterhalter, den sozialen Wegbereiter, den Mentor und den Freund, wobei die beiden letztgenannten noch nicht kommerziell erhältlich seien.

Der Unterhalter-Roboter dient in erster Linie der Zerstreuung. Der soziale Wegbereiter erweitert dies: Er besitzt zwar keine emotionale Intelligenz mit körperlichen Berührungen und der Spiegelung sozialer Gesten, kann sein Verhalten jedoch einem authentischen sozialen Kontakt sehr nahekommen.

Über einen Bildschirm bleiben Kinder zum Beispiel mit Spielkameraden und Lehrern in Kontakt, ältere Erwachsene mit Familie, Freunden und Gesundheitsdienstleistern. So können positive Beziehungen aufgebaut und aufrechterhalten werden.

Ein Mentor-Roboter kann in der Bildung sowie bei der Psycho- und Physiotherapie Auf­gaben übernehmen, die normalerweise die Anwesenheit eines professionellen Dienst­leisters erfordern. So bleiben zum Beispiel durch die regelmäßige körperliche Aktivität mit einem Mentor-Roboter ältere Erwachsener länger mobil und können ein unabhän­giges Leben führen. Bislang werden Roboter vom Typ Mentor laut den Wissenschaftlern allerdings ausschließlich in der Forschung eingesetzt.

Der Roboter-Typ „Freund“ könnte in der Zukunft laut den Forschern durch quasi-soziale Interaktionen die negativen Folgen einer objektiven oder subjektiv empfundenen sozialen Isolation abmildern und durch Fürsorge und emotionalen Trost das kurz- als auch das langfristige Wohlbefinden unterstützen.

„Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Kinder und ältere Erwachsene die Prototypen solcher autonomen Roboter als soziale Wesen und Freunde wahrnehmen könnten, die als fürsorgliche Begleiter alle Aspekte des Wohlbefindens berücksichtigen“, schreiben die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #652782
abusch
am Dienstag, 17. November 2020, 19:50

Soziale Roboter....

Liebes Ärzteblatt , liebe Autoren,
Als Mutter bin ich entsetzt , wie soll ein Roboter Freundschaft/Liebe geben? Aus Erfahrung weiss ich, dass in Krisenzeiten nicht einmal Vater und Oma zusammen eine Mutter ersetzten können . Als Ärzte wissen wir wie wichtig persönlicher Kontakt ist. Es tut meiner Seele weh so etwas zu lesen . Wir sollten alles daran setzten die Menschlichkeit in der Medizin zu erhalten. Ich denke technischer Fortschritt ist toll - aber nicht als Ersatz für Menschlichkeit oder Menschen. Haben unsere Kinder nicht schon genug elektronische "Freunde "? Ich hoffe wir können als Ärzte unserem Gewissen treu bleiben . Liebe Grüsse Dr. Anke Buschmann
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