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Medizin

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verkürzen das Leben noch immer um Jahre

Freitag, 20. November 2020

Colitis ulcerosa /stock.adobe.com, Juan Gärtner

Toronto – Die Lebenserwartung von Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist nach einer Studie im Kanadischen Ärzteblatt (CMAJ; 2020; DOI: 192: E1394-E1402) in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Die Patienten sterben jedoch weiterhin früher als die übrige Bevölkerung. Auch die Lebensqualität ist weiterhin eingeschränkt.

Die Entzündungen sind bei Menschen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht auf den Darm beschränkt. Entzündliche Darmerkrankungen gehen generell mit einem erhöhten Risiko auf Krebs, Herzerkrankungen, Arthritis und andere Erkrankungen einher.

Ein Team um Eric Benchimol vom Hospital for Sick Children in Toronto hat in einer Studie die Auswirkungen auf die Lebenserwartung und die Lebensqualität untersucht. Dies ist in Ontario möglich, da die Forscher Zugriff auf verschiedene Verwaltungsdaten haben.

In mehreren repräsentativen Umfragen haben die Einwohner Fragebögen zur Lebens­qualität beantwortet. Dabei wurde ein „Health Utility Index“ bestimmt, mit dessen Hilfe sich die „Health-adjusted life expectancy“ (HALE), die Lebenserwartung in einem guten Gesundheitszustand, berechnen lässt.

Benchimol kommt zu dem Ergebnis, dass die Lebenserwartung von Frauen mit einer entzündlichen Darmerkrankung zwischen 1996 und 2011 von 75,5 Jahre um fast 3 Jahre auf 78,4 Jahre gestiegen ist. Bei Männern kam es zu einem Anstieg um mehr als 3 Jahre von 72,2 auf 75,5 Jahre.

Dennoch blieb die Lebenserwartung unter dem kanadischen Durchschnitt. Frauen ohne entzündliche Darmerkrankungen leben nach den Berechnungen von Benchimol zwischen 6,6 und 8,1 Jahre länger. Bei den Männern beträgt die Differenz zwischen 5,0 und 6,1 Jahre.

Bei der HALE war die Lücke zwischen Menschen mit und ohne entzündliche Darmer­krankungen noch größer. Frauen mit entzündlichen Darmerkrankungen haben 9,5 bis 13,5 weniger Lebensjahre ohne eine starke Einschränkung der Lebensqualität. Bei Männern beträgt der Unterschied 2,6 bis 6,7 Jahre.

Worauf der Anstieg der Lebenserwartung zurückzuführen ist, kann die Studie nicht klären. Eine mögliche Erklärung könnte die Einführung der Biologika sein. Infliximab wurde in Kanada im Jahr 2001 eingeführt, Adalimumab folgte im Jahr 2004. Die Mittel können den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen, sie erhöhen allerdings auch das Risiko auf schwere Infektionen und möglicherweise auf Krebserkrankungen.

Dass die Lebenserwartung jetzt gestiegen ist, dürfte viele Ärzte und Patienten beruhigen, auch wenn die Studie den Beitrag der beiden Medikamente nicht klären kann. © rme/aerzteblatt.de

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