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Politik

Spahn will Gespräche zwischen RKI und Gesundheitsämtern über einheitliches Vorgehen

Donnerstag, 12. November 2020

/picture alliance, Marijan Murat

Berlin – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Ende November Gespräche mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst über die unterschiedlichen Umgangsweisen mit Quarantäneanordnungen, Tests und Nachverfol­gung sprechen.

„Wir müssen da einen richtigen Weg zwischen den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und dem pragmatischen Arbeitsalltag in einem Gesundheitsamt finden“, sagte der Minis­ter mit Blick auf seine eigene COVID-19-Erkrankung und auf den Umgang mit seinen Kontaktpersonen in Gesundheitsämtern in unterschiedlichen Bundesländern.

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„Dabei geht es um die Frage, ob und wann man einen Test macht, ob es einen zweiten oder gar vierten Test gibt und wie lange man in der Quarantäne bleiben muss“, so Spahn vorgestern auf einer virtuellen Konferenz zur Digitalisierung des Öffentlichen Gesund­heits­dienst (ÖGD) in Berlin.

„Was ich gemeinsam entwickeln will, ist, wie wir aus diesem November heraus diese Ar­beit im Gesundheitsamt noch einmal vereinheitlichen und damit entlasten können. Das ist eine der Erfahrungen, die ich aus zehn Tagen in Isolation mitgenommen habe“, sagte Spahn.

Gleichzeitig betonte er die Wichtigkeit des öffentlichen Gesundheitsdienstes: „Unsere Stärke im Europäischen Vergleich sind die Gesundheitsämter vor Ort. Diese Struktur hat kaum ein anderes Land. Das ist echt super, das bringt uns gut durch die Pandemie.“

Auch Lothar Wieler, Präsident des RKI, betonte in einem Videostatement, die „beeindru­ckende Arbeit“, die in den Ämtern geleistet wird. „Sie ist die entscheidende Basis der Ein­dämmung der Jahrhundertpandemie.“ Er warb dafür, die digitalen Möglichkeiten, die die Ämter nun bekommen, auch einzu­setzen.

„Wir wissen alle, wie schwierig das ist mit den aktuellen Systemen. Die Chancen der Di­gitalisierung müssen wir mit aller Kraft nutzen.“ Damit werde Arbeitszeit für die „Kernfra­gen“ frei. Aus seiner Sicht wäre es besser gewesen, das Meldesystem DEMIS wäre vor der Pandemie fertig gestellt worden. „Wir haben einen Digitalisierungsrückstand für den ÖGD, aber auch im RKI sowie in ganz Deutschland.“

Auf der virtuellen Veranstaltung warb auch der Bundesgesundheitsminister dafür, die neuen digitalen Anwendungen in den rund 400 Ämtern einzusetzen und damit für eine Entlastung zu sorgen. So wurde das digitale Symptomtagebuch der Firma Climedo Health vorgestellt, das in den vergangenen Monaten in 20 Gesundheitsämtern in acht Bundes­ländern getestet wurde.

Mit der Webanwendung können, so Firmengründer Sascha Ritz, bis zu 400 Quarantänen von einem ÖGD-Mitarbeiter gleichzeitig betreut werden. Die Aufnahme von Kontaktper­so­nen dauere nur 15 Sekunden, das Management der Menschen in Quarantäne sowie mit Symptomen werde so beschleunigt. Mit der Anwendung könnten aber keine Standortda­ten erfasst werden, hieß es.

Für die Gesundheitsämter übernehme das Bundesgesundheitsministerium (BMG) bis Ende 2021 die Lizenzkosten, sagte Spahn. Wie hoch diese je Einzellizenz sind sowie die Höhe der Kosten insgesamt, konnte das BMG nach der Veranstaltung auf Nachfrage nicht be­ziffern.

Das Symptomtagebuch kann in die neue Kontaktmanagementanwendung SORMAS inte­griert werden: In diesem Programm, das am Zentrum für Infektionsforschung am Helm­holzzentrum in Braunschweig entwickelt wurde, soll die Verfolgung von Kontakt­personen von Infizierten besser gelingen, ebenso kann ein örtliches Netzwerkdiagramm von Krankheiten dargestellt werden.

Auch Teilnehmer von Veranstaltungen, die zu möglichen Spreadingevents werden, können so erfasst und verwaltet werden. In den kommenden Wochen soll es auch mög­lich sein, dass Quarantänebescheinigungen direkt aus SORMAS erstellt werden.

Auch bei der bundesweiten Datenbank DEMIS geht es offenbar voran: Zwar stehe der Aufbau von DEMIS seit zehn Jahren im Gesetz, „aber es ist nicht weitergegangen, weil jeder seine Insellösung wollte“, sagte Spahn. „Nun schaffen wir in wenigen Monaten das, was in zehn Jahren hätte geschehen müssen.“

Michaela Diercke vom RKI berichtete, dass inzwischen über 90 Prozent der Gesundheits­ämter an DEMIS angeschlossen seien, auch 200 Labore hätten entsprechende Zertifikate für das System bekommen. Nach ihrer Aussage werden es täglich mehr Labore, zeitweise werden täglich 10.000 Meldungen zu Labortests über DEMIS abgewickelt, in einigen Regionen gäbe es eine 50-prozentige Abdeckung der DEMIS-Meldungen.

Ziel der nächsten zwei Jahre sei es, auch Ärzte sowie Kitas und Schulen, die Krankheiten auch außerhalb der Pandemie melden müssten, an das System anzuschließen.

Auf der Konferenz wurde betont, dass das RKI inzwischen eine neue Kontaktstelle für den ÖGD eingerichtet habe. Auch bei der Akademie für den öffentlichen Gesundheitsdienst gebe es Möglichkeiten zur Schulung im Umgang mit dem SORMAS-System und dem vorgestellten Symptomtagebuch. © bee/aerzteblatt.de

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