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Medizin

SARS-CoV-2: Studie belegt Virusübertragung von Nerzen auf den Menschen

Mittwoch, 11. November 2020

/picture alliance, Ritzau Scanpix, AP, Mads Claus Rasmussen

Rotterdam – In den Niederlanden ist es bereits im Sommer zu einer auffälligen Häufung von SARS-CoV-2-Infektionen bei Angestellten auf Nerzfarmen gekommen. Genomanaly­sen in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abe5901) belegen jetzt eindeutig, dass die Viren zunächst von Menschen auf die Tiere und dann wieder auf Menschen übertragen wurden. Die Forscher warnen vor der Etablierung eines Reservoirs bei den Zuchttieren, das leicht zur Brutstätte für weitere neue Coronaviren werden könnte.

Die dänischen Behörden haben in der letzten Woche bekannt gegeben, dass alle 17 Millionen Nerze, die vor allem auf Jütland in Farmen gehalten werden, gekeult werden sollen. Begründet wurde dies mit bis zu 200 Infektionen von SARS-CoV-2 bei Menschen, die sich mit einem neuen Stamm (Cluster 5) infiziert haben, der von Nerzen auf den Menschen übertragen wurde. Der Erreger soll für den Menschen nicht gefährlicher sein als andere Virusstämme, es bestehe allerdings die Gefahr, dass sich die Erreger einem Impfstoff entziehen könnten.

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Virusforscher aus den Niederlanden haben die Meldungen nicht überrascht. Dort ist es ab April ebenfalls zu zahlreichen Ausbrüchen in Nerzfarmen gekommen, auf die die Veteri­när­behörden mit Massentötungen der Tiere reagiert haben. Forscher der Erasmus-Uni­ver­sität in Rotterdam haben das Ausbruchgeschehen in 16 Nerzfarmen jetzt genauer unter­sucht. Mit Genomanalysen der Erreger konnten sie die Infektionswege teilweise aufklä­ren.

Das Infektionsrisiko für die Farmer und ihre Angehörigen war hoch: In 43 von 88 Abstri­chen (49 %) aus den oberen Atemwegen wurden Virusgene nachgewiesen, was eine akti­ve Infektion belegt. Die späteren Antikörpertests fielen bei 38 von 75 (51 %) Personen positiv aus. Bas Oude Munnink und Mitarbeiter gehen davon aus, dass sich 66 der 97 (68 %) Angestellten mit SARS-CoV-2 infiziert hatten.

Schon die Untersuchung der ersten Farm lieferte Hinweise, dass die Viren von Menschen auf die Tiere übertragen werden. 4 von 5 Angestellten gaben an, dass sie unter Atem­wegsinfektionen gelitten hatten, bevor auch die Nerze erkrankten. Auch auf einigen an­de­ren Farmen gingen die Infektionen bei den Angestellten den Erkrankungen bei den Nerzen voraus.

Der Vergleich der Virusgenome ergab aber auch, dass einige Menschen sich bei den Tie­ren angesteckt haben mussten. Damit besteht laut Munnink die Gefahr, dass sich die Vi­ren bei den Nerzen etablieren und ein Reservoir bilden, aus dem heraus das Virus jeder­zeit wieder auf den Menschen übertragen werden kann.

Der Wechsel des Wirtes führt bei den Viren zu einem Anpassungsdruck. Sie verändern ihr genetisches „Make-Up“, um sich leichter vermehren zu können. Dies kann, wie die aktu­elle Entwicklung in Dänemark zeigt, rasch zur Bildung von neuen Stämmen führen, auf die das Immunsystem des Menschen (entweder durch Herdenimmunität oder durch Im­pfungen) unter Umständen nicht vorbereitet ist. Im schlimmsten Fall würde ein neues Pandemievirus entstehen.

In den letzten Monaten hat es zahlreiche Berichte über SARS-CoV-2-Infektionen bei Tieren gegeben, darunter Hunde und Katzen. Auch Zootiere (Tiger, Löwen) sind gefährdet. In keinem Fall wurde jedoch wie jetzt bei Nerzen eine Rückübertragung auf den Men­schen nachgewiesen.

Nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) wurden bislang neben den Nie­derlanden und Dänemark auch aus Italien, Schweden, Spanien und den USA mit SARS-CoV-2 infizierte Nerze gemeldet.

Besorgnis erregend sei dabei bisher aber lediglich die „Cluster 5“ genannte Mutation des Virus in Dänemark, erklärte die WHO. Wissenschaftler befürchten, dass diese Mutation die Wirksamkeit künftiger Impfstoffe beeinträchtigen könnte. © rme/afp/aerzteblatt.de

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