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Medizin

Studie: Einsamkeit ist eine häufige Ursache für Depressionen im Alter

Freitag, 20. November 2020

/mrmohock, stock.adobe.com

London – Menschen über 50, die sich häufig einsam fühlten (ohne es unbedingt zu sein), erkrankten in einer Langzeitstudie in Lancet Psychiatry (2020; DOI: 10.1016/S2215-0366(20)30383-7) in der Folge häufiger an Depressionen. Einsamkeit könnte in England für 11 bis 18 % aller Depressionen im Alter verantwortlich sein.

Die psychischen Folgen der Einsamkeit werden leicht übersehen. Einsame Menschen suchen selten einen Arzt oder Psychiater auf, weil sie sich einsam fühlen. Und doch ist Einsamkeit ein schmerzhafter emotionaler Zustand.

Er besteht weniger darin, dass Menschen keine sozialen Beziehungen haben. Für Gemma Lewis vom University College London ist es eher die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einer bedeutungsvollen sozialen Beziehung und dem tatsächlich erlebten Zustand. Menschen können danach trotz der Gemeinschaft anderer Menschen einsam sein. Das Phänomen ist keineswegs selten. In einer Umfrage in Großbritannien gab 1/3 aller über 50-Jährigen an, dass sie sich einsam fühlen.

Lewis hat mit anderen Forschern die Auswirkungen der Einsamkeit auf das psychische Befinden untersucht. Grundlage waren die Ergebnisse der „English Longitudinal Study of Ageing“ (ELSA), die seit 2002 eine Gruppe von über 50-Jährigen begleitet. Die Teilnehmer werden alle 2 Jahre untersucht.

Seit dem zweiten Termin füllen die Teilnehmer auch einen Fragebogen der University of California in Los Angeles zur Einsamkeit aus („R-UCLA“) aus. Lewis setzte die Antworten zu späteren Ergebnissen im „CES-D“ (Centre for Epidemiologic Studies Depression Scale) in Beziehung, einem Screeningtest auf depressive Störungen. Insgesamt konnten die Forscher die Daten zu 4.211 Teilnehmern auswerten, die über einen Zeitraum von 12 Jahren beobachtet wurden.

Das Ergebnis war eine eindeutige Assoziation: Jeder Anstieg um einen Punkt auf der Einsamkeitsskala verdoppelte das Risiko, in den folgenden Jahren an einer Depression zu erkranken. Dies traf auch auf die Personen zu, die zu Beginn der Studie noch keine depressiven Störungen hatten. Dies schließt laut Lewis aus, dass die Depressionen für die Einsamkeit verantwortlich sind und nicht umgekehrt.

Nach den Berechnungen der Forscherin könnte die gefühlte Einsamkeit für 11 bis 18 % aller depressiven Störungen bei Menschen über 50 verantwortlich sein. Der Zusam­menhang ist für Lewis plausibel. Es gebe Hinweise, dass Einsamkeit zu kognitiven Fehl­funktionen führen kann. Einsame Menschen neigten zu einer erhöhten Wachsamkeit gegenüber bedrohlichen sozialen Reizen und zu Vorurteilen, schreibt die Psychiaterin.

Wer einsam ist, würde soziale Interaktionen zunehmend als negativ bewerten, was die Einsamkeit verstärken könne. Menschen erhalten laut Lewis durch die Gemeinschaft mit anderen Menschen positive Bestätigungen, die ihr Selbstwertgefühl stärken. Ohne diese Kontakte steige die Gefahr, dass die Betroffenen in eine Spirale rutschen, die am Ende in einer Depression mündet.

Die Psychiaterin appelliert an die Gemeinden, mehr Kontaktmöglichkeiten für die ältere Bevölkerung zu schaffen. Durch die Verringerung der Einsamkeit könnte die Häufigkeit von Depressionen gesenkt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #592769
aktivesalter
am Montag, 23. November 2020, 19:39

Einsamkeit tötet ...

... Ein Satz, den Hr. Spitzer schon als Titel eines durchaus bemerkenswerten Artikels nutzte (Spitzer M (2016) Einsamkeit - erblich, ansteckend, tödlich (Editorial). Nervenheilkunde 35 (11): 734-741).

In der Altermedizin ist diese Tatsache gelebte Realitität. Und wenn man tgl. erlebt, dass Patienten “eingehen”, da sie keinen Besuch ihrer Angehörigen bekommen, kann man die Studie gut nachvollziehen.

Ich finde es bedauerlich, dass im Interview mit Fr. Merkel eine 92-jährige Bewohnerin das fehlende WLAN anmahnen muss, damit sie Kontakt per Videotelefonie zu ihren Kindern bekommen kann.

Außerdem sind Online Lösungen, z.B. der Deutschen Depressionshilfe sind wirksam und sehr gut!

Dr. med. T. Frank
Avatar #720508
e.ne
am Sonntag, 22. November 2020, 14:06

Vom Helfen und helfen

Die Helfer in der Nachkriegszeit
oder auch die Helfer in Kriegs-Krisenregionen: Feuer, Wasser, Flüchtlinge
haben eine grundsätzlich andere Einstellung als professionelle Helfer im Land im Alltag.
Erstere gingen und gehen grundsätzlich von einer Zukunft raus - von einem Sinn des Ganzen - sie sind mit einem ganz anderen Elan bei der
Sache oft bis zur Erschöpfung - viele riskieren ihr eigenes Leben ...
Zuviel fast alle Anderen "helfen" weil es ihr Job ist - mit einer Einstellung
von Lebenslänglich - es ändert sich sowieso nichts - die sind so und so -
das "wissen" sie genau. Man redet lieber unter sich und über Andere.
Hilfe ist nicht auf etwas ändert sich, auf Bedürfnisse, Mitspracherecht ...
ausgerichtet. - Es gibt die und die Angebote. Punkt.
In den 50ern,60ern standen die Kirchen den Fremden, die sich suchten
und fanden, Alleinseienden, Witwern, Witwen offen.
Heute ist längst alles besetzt von Einheimischen oder es löst sich gerade auf oder hat sich aufgelöst. - Längst will man auch die Länge von Trauer bestimmen. Ist das noch angemessen? oder schon krank in sich?
Die Welt leidet unter Kritiksucht, Erziehungswahnsinn - das ist selten hilfreich.
Fremde und Einheimische geht fast nie. Selbst wenn dieselbe Sprache
gesprochen wird, die Wortbedeutungen sind anders, die Charaktere sind
sind verschieden ... bis man begreift, wovon der Andere spricht,
sind Jahrzehnte vergangen. - Ein Übel welches von Ärzten, Juristen u.a.
Helfern gern übersehen wird - in schönster Selbstgefälligkeit/Überschätzung. - Schliesslich hat/macht man ja auch noch seine eigenen
Fehler. Nur weil man mal einen Schritt ins Moor machte - möchte man da
nur ungern wirklich untergehen, besonders wenn Viele Helfer drum herum
stehen, die zuständig wären - im Wortsinn des Gesetzes.
Da gibt es so komische Dinge wie - wir helfen nicht, wir legen rein, wir
spionieren (Gestapo). Die Einen halfen nie, Andere machten schlechte
Erfahrungen ...
"Einsamkeit im Alter" das sind Senioren - die kennen sich schon ihr ganzes
Leben - somit am Besten. Helfen? nur auf ausdrücklichen Wunsch und nur
so weit wie der Wunsch reicht.


im Alltag.
Avatar #720508
e.ne
am Sonntag, 22. November 2020, 12:04

P.S. Ja gut - Covid 19 wurde nicht "erfunden"

Es wurde aus eiszeitlichem Schlaf in Höhlen über Fledermäuse wieder
aktiviert - oder hat sich selbst entwickelt aus über von unbekannten Gründen. - Noch ist es nicht genügend erforscht, noch haben wir sichere
Medikamente und auch Impfungen kommen erst noch - hoffentlich auch
in der Praxis.
Aber wir haben z.T. drastische Umgangsvorschriften - die es uns ermöglichen sollen, zu überleben - was sicherlich viele Betroffene in tiefste Depressionen stürzt - weshalb sich viele fragen werden:
Wozu das Ganze? Weshalb überhaupt über-leben?
Aber wie wer mit was umgeht - und weiter leben kann, nach schweren
Einbrüchen finanziell, seelisch, körperlich ist sehr individuell.
Dass man Hilfe erhält, wenn man welche sucht - ist anzuzweifeln.
Helfer neigen nun mal dazu, sich zunächst selber zu helfen - und sei es
um über diese Hilfe ins Licht der Öffentlichkeit zu geraten, berühmt zu
werden, gelobt zu werden usw
Avatar #720508
e.ne
am Sonntag, 22. November 2020, 11:50

Wer depressiv ist, geht nicht in organisierte "Kontaktmöglichkeiten"

Der die geht nicht allein irgendwohin noch in organisierter Begleitung.
Den die kriegt man gar nicht aus dem Haus. - Weshalb Covid 19 erfunden wurde. Es hat alles seine 2 Seiten. Jetzt kann man endlich mal guten
Gewissens zu Hause - und womöglich im Bett bleiben.
Wieviele "Oblomovs" gezüchtet worden sind,, werden - weiß ich nicht.
Aber: Es ist im Grunde egal. Es interessiert nicht wirklich.
Bedenkt man: Wieviele junge Leute aus dem Leben geworfen wurden
und werden wegen "3x schwarz gefahren" o.ä. "zwangsuntergebracht und
betreut" aus Gründen von: "Name genügt" und: "ich weiß nicht warum."!
Das läuft seit mindestens 30 Jahren - da ist doch irgendwann wirklich
allen alles egal - außer Jenen, die gerade über dieses Thema promovieren
oder was sagen/schreiben wollen.
Auch ist "Psychotherapie" im Alter keine Lösung - mehr -. s. unten Kommentar Claus F. Dieterle.
Man kann die Leute auch in Ruhe und Frieden mit sich alleine lassen.
D. sind nicht gerade Kennenlernwillig und fähig. Sie wollen alle bewundert, gestreichelt werden. Viele haben Ansprüche an ihre Umgebung
Die meisten sind selbstverliebt oder verliebt in ihren Wahnsinn/ihre
Einbildungen. Aber keinesfalls etwas oder jemanden kennenlernen zu wollen, sich für etwas /jmd zu interessieren und sich dann zu verlieben. Warum soll man raus gehen? wenn man nicht muss?
Sich ärgern, anmachen, verleumden, beleidigen, diskriminieren zu lassen?
Wenn sowieso das ganze Leben fast niemand da war, ist es doch egal.
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 21. November 2020, 21:47

Reproduzierbar?

Psychologische Studien sind in der Regel (>90%) nicht reproduzierbar, die "humanities" ganz überwiegend Pseudowissenschaften, von Richard P. Feynman mal als "cargo-cult-science" beschrieben: Sieht aus wie Wissenschaft mit möglichst viel Mathmatik, ist aber keine!
Die Ergebnisse sind mit Formeln und Zahln unterlegte Meinungen, sonst nichts.
Avatar #731782
astridschulze@massai.dk
am Samstag, 21. November 2020, 09:43

dies ist KEINE deutsche Studie - Herr Claus-F-Dieterle...

"Einsamkeit könnte in England für 11 bis 18 % aller Depressionen im Alter verantwortlich sein."
Untersuchen Sie am besten Ihren Therapievorschlag Mut und Initiative etc in einer eigenen populationsbasierten Studie in Deutschland in einer vergleichbaren Kohorte.
Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Freitag, 20. November 2020, 23:10

Mut und Initiative...

...gehören zur Überwindung von Einsamkeit.
Dazu kann auch eine Psychotherapie mit einem Selbstsicherheitstraining und kognitiver Therapie hilfreich sein.
Ein bekannter Psychotherapeut sagte mal "Psychotherapeuten sind bezahlte Freunde".

Am Mute hängt der Erfolg.
Theodor Fontane

Was man will - nicht was man wünscht - empfängt man.
Cosima Wagner

Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst,
indem du deine Geisteshaltung änderst.
Albert Schweitzer
LNS

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