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Sexuelle Gewalt in der Kindheit: Betroffene leiden unter Coronamaßnahmen

Mittwoch, 11. November 2020

/Chinnapong, stock.adobe.com

Berlin – Die Mehrzahl der Betroffenen von sexueller Gewalt erlebt seit der Corona­pan­de­mie Ohnmacht, Hilflosigkeit und eingeschränkte Selbstbestimmung, die sie an die Zeit er­innert, in der sie als Kind hilflos der Macht anderer ausgeliefert waren.

Wegen der Kontaktbeschränkungen war zudem bei etwa der Hälfte der Betroffenen The­rapie und Beratung nicht mehr oder nicht ausreichend gewährleistet. Das sind Ergebnisse einer Onlinebefragung unter Betroffenen sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend zur Co­ronapandemie, die die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmiss­brauchs vom 9. Juni bis zum 5. Juli durchgeführt hat.

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Weiter gaben 92 Prozent der Befragten an, dass ihre Treffen mit der Selbsthilfegruppe, ein für Betroffene wichtiges Unterstützungsangebot, nicht mehr stattfanden. Insbeson­dere das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum hat demnach gegensätzliche Reaktionen und Haltungen hervorgerufen.

Ein Teil der Befragten lehnte diese Maßnahme strikt ab, weil das Tragen der Schutz­mas­ken beispielsweise Panikattacken hervorrief. Ein anderer Teil begrüßte den Mund-Nasen-Schutz mit der Begründung, dass er ihnen Sicherheit vermittele.

Einige Betroffene sexueller Gewalt betonten darüber hinaus, dass sie das Abstandhalten und die reduzierten sozialen Kontakte als angenehm und entlastend empfunden haben. Viele sorgten sich wegen des veränderten Alltags und weil soziale Kontakte und Unter­stützungsangebote weggefallen waren, dass Ängste erneut aufkommen und zu einer per­sönlichen Krise führen könnten.

Knapp ein Drittel der Befragten gab finanzielle Sorgen seit Beginn der Pandemie an. Für Personen, die bereits zuvor in einer prekären Situation gelebt haben, hat sich die Lage vielfach zugespitzt.

Finanzielle Sorgen drückten sich auch in der Befürchtung aus, dass durch die zusätzli­chen Kosten, die zur Bewältigung der Coronapandemie in allen Bereichen der Gesell­schaft entstehen, die Chancen auf angemessene Entschädigungs­leistungen schwinden.

An der Befragung der Kommission nahmen 823 Personen teil: 698 Frauen, 92 Männer und 33 Personen, die ihr Geschlecht als divers angaben. Die meisten der Teilnehmenden waren 30 Jahre und älter.

Die größten Altersgruppen stellten die 41- bis 50-Jährigen sowie die 51- bis 60-Jährigen. Alle Befragten machten auch Angaben darüber, wo sie in ihrer Kindheit sexuelle Gewalt erlebt haben. Beim überwiegenden Teil geschah dies in der Familie. © PB/EB/aerzteblatt.de

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