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Mit steigendem Rentenalter drohen Pflegeengpässe

Donnerstag, 12. November 2020

/picture alliance, Mascha Bricht

Berlin – Mit steigendem Rentenalter drohen in der Pflege weitere Engpässe in der infor­mellen Pflege durch Angehörige und Bekannte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Anfang der Woche veröffentlichte Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

„Rund 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden unter starker Mithilfe von Angehörigen versorgt“, erklärte Studienautor Björn Fischer. Derzeit pflegen in Deutschland rund 4,3 Millionen Menschen kranke und ältere Ange­hörige und Bekannte.

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Zwei Drittel der Pflegenden sind demnach Frauen, vorrangig zwischen 50 und 70 Jahre alt und viele reduzierten ihre Arbeitszeit oder nutzten Früh­verrentungsmöglichkeiten, da die Pflege zeitaufwendig und nicht mit einer Vollzeit­beschäftigung vereinbar sei.

Schätzungen zufolge dürfte die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden zehn Jahren um etwa eine weitere Million auf rund 3,5 Millionen ansteigen. Damit dürfte auch die Nachfrage nach informeller Pflege stark wachsen.

Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass die Anhebung des Rentenalters bei Frauen die Pflegetätigkeit stark reduziert. So ist in der Gruppe der 60- bis 62-jährigen Frauen ein Rückgang um 30 Prozent zu beobachten. Ursache des Problems ist den Forschern zufolge die unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Damit bei weiter steigendem Renteneintrittsalter und wachsender Nachfrage nach infor­meller Pflege die Lücke in Zukunft nicht noch größer werde, müssten bestehende Instru­mente zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verbessert werden. Ein Verzicht auf eine Erhöhung des Renteneintrittsalters wäre aus Sicht der Forscher indes nicht der richtige Weg.

„Mittel- und längerfristige Pflege- und Familienzeiten mit Lohnersatzleistungen würden einen wichtigen Beitrag leisten“, empfahl Studienautor Kai-Uwe Müller. „Zudem könnte das Pflegegeld ausgeweitet werden, was pflegende Angehörige zusätzlich entschädigen würde.“

Derzeit liegt es deutlich unter den Sachleistungen für ambulante Pflegedienste. Auch eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung wie etwa erleichtertes Homeoffice könnten sich als sinnvoll erweisen.

„Eine bessere Vereinbarkeit könnte auch mehr Männer zur Pflege Angehöriger animieren“, fügte Müller hinzu. Derzeit engagieren sich Männer – mit Ausnahme der über 70-Jähri­gen – deutlich weniger in der Pflege. Die Diakonie begrüßte die Studie als gute Grund­lage, um die Lücken in der Absicherung pflegender Angehöriger zu schließen. © kna/aerzteblatt.de

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