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Politik

SARS-CoV-2: Infizierte Gesundheits­fachkräfte sollen notfalls weiterarbeiten

Freitag, 13. November 2020

/Michelle, stock.adobe.com

Berlin – In der Coronapandemie kann es im Notfall erforderlich sein, dass positiv auf SARS-CoV-2 getestete Mitarbeiter von Krankenhäusern, Arztpraxen oder Pflegeheimen weiterarbeiten. Das sagte Bundesgesund­heitsmi­nister Jens Spahn (CDU) gestern beim Deutschen Pflegetag und heute bei einem Pressegespräch in Berlin.

Der beste Weg sei, dass ein Infizierter und die Menschen, die mit ihm in Kontakt standen, in Quarantäne bleiben, sagte Spahn. „Wenn (...) wegen Isolation und Quarantänemaßnah­men so viele dann gar nicht mehr da sind, im Krankenhaus, in der Arztpraxis, in der Pfle­ge­einrichtung, dass die Versorgung zusammenbricht, muss man schauen, was ist neben der bestmöglichen Lösung die zweitbeste“, sagte Spahn.

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Dann könne es nötig sein, dass die Kontaktpersonen mit täglichen Tests und FFP2-Mas­ken weiterarbeiten. Die „Rückfallrückfallposition“ sei aber, „die positiv Getesteten mit ganz besonderen Schutzvorkehrungen auch arbeiten zu lassen“.

Es muss eine absolute Aus­nahmesituation bleiben

Ihm sei der Hinweis wichtig, dass diese Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI) be­reits seit dem Frühjahr gelte. Es soll aber ums absolute Aus­nahmesituationen gehen, wenn die Versorgung ansonsten nicht mehr sichergestellt werden könne. Es sei hingegen nicht als Aufforderung an erkrankte Pflegekräfte zu verstehen, arbeiten zu gehen, betonte Spahn.

Unterstützung erhielt Spahn von Ärztevertretern. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hält einen Einsatz infizierter Ärzte und Pfleger als letzte Maß­nahme für möglich.

„Wenn es gar nicht anders geht, ist es immer noch besser, dass ein symptomfrei an CO­VID-19 erkrankter Arzt sich um einen Patienten kümmert, als dass sich niemand um ihn kümmert", sagte Montgomery dem Sender Phoenix. Das sei ein sehr bedauerlicher Zu­stand, „aber es kann sein, dass es dazu keine Alternative gibt“. Er stellte klar, dass dieses medizinische Personal sich ausschließlich um COVID-19-Patienten kümmere.

Deutschland als Leuchtturm

Deutschland stehe in der Coronakrise im Vergleich zu allen anderen Industriestaaten am besten da, sagte Montgomery. Dies sei ein Verdienst der Aufklärungsarbeit des Gesund­heitsministers. „Deutschland ist schon ein Leuchtturm, und das ist sehr Jens Spahn zu danken, der sehr früh angefangen hat, die Bevölkerung auf das vorzubereiten, was jetzt passiert“, erklärte er. Viele andere Länder in unserem Kulturkreis hätten diese Pandemie völlig verschlafen.

Auch der Bundesvorsitzende des Verbands der niedergelassen Ärzte Deutschlands, Dirk Heinrich, erklärte, ein Einsatz infizierter Pflegekräfte werde sich kaum vermeiden lassen, wenn die Personalzahl nicht mehr ausreiche.

„Denn wir müssen und wollen natürlich unsere Patienten in den Praxen und Kliniken auch versorgen können“, sagte er den Sendern RTL/ntv. Er betonte aber gleichzeitig: „Das sind natürlich absolute Notmaßnahmen, und um diese zu vermeiden, sind jetzt ja diese Maßnahmen, die wir gemeinsam mit der Bevölkerung durchführen, ja absolut notwendig.“

Kritik kam von der Stiftung Patientenschutz. „Coronainfizierte weiterarbeiten zu lassen, ist der politische Offenbarungseid. Der Geist der Konzertierten Aktion wäre tot“, sagte hingegen der Vorstand der Stiftung Patienten­schutz, Eu­gen Brysch. Er mahnte einen Strategiewechsel weg von den standardmäßigen PCR-Corona-Tests und Quarantäneregeln in Kliniken und Heimen an.

„So werden die Krankenhäuser und Pflegeheime vor die Wand gefahren“, sagte er. Wenn bei 38 positiv getesteten Klinikmitarbeitern zusätzlich 600 Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden müssten, sei die Personalnot programmiert.

Brysch forderte „einen systematischen und täglichen Einsatz von Schnelltests bei allen Mitarbeitern in Krankenhäusern und Heimen“. Dann liege in 20 Minuten das Ergebnis zu einer Ansteckung vor. Ein PCR-Test müsse folgen.

Branchenvertreter hatten auf dem zweitägigen Pflegetag auf ihre Nöte aufmerksam ge­macht. Zu den aktuell drängendsten Problemen zählt ein Mangel an Intensivplätzen für COVID-19-Kranke wegen zu wenigen Intensivpflegern. Auch an anderen Stellen in Klini­ken und Altenheimen ist die ohnehin hohe Belastung weiter gestiegen.

Spahn sagte zum Abschluss des Pflegetags: „Diese Zusatzbelastung durch die Pandemie facht das Problem, das vorher schon da war, weiter an.“ Viele fragten sich: „Wie sollen wir das alles aushalten?“ Auf den Weg gebrachte Maßnahmen wirkten aber nicht unmittelbar. „Wir haben hier einen Marathon, keinen Sprint.“ So ließen sich Intensivpflegefachkräfte nicht „mal eben in ein paar Monaten“ ausbilden. © dpa/afp/kna/may/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #87797
borstel
am Freitag, 18. Dezember 2020, 17:24

Symptomfrei Erkrankte

Hat das Herr Montgomery tatsächlich gesagt: Symptomfreie Erkrankte?
Avatar #3205
Wutzi
am Samstag, 14. November 2020, 14:39

Frechheit

Unglaublich! Die Lockerungsorgie hat genau das ausgelöst was zu erwarten war und ausbaden sollen das die sowie so schön überlasteten Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen?Ganz abgesehen davon dass sich dadurch die Infektionen erst recht häufen werden.
Nein die richtige Reaktion wäre zunächst ein wirklicher lockdown und im übrigen Lernen von den asiatischen Ländern die es geschafft haben die Infektionen zu minimieren. Das und nicht eine monatelange Hängepartie hilft dann auch der Wirtschaft. Und natürlich müssen alle aufschiebbaren Behandlungen in den Krankenhäusern umgehend unterbrochen werden.
Avatar #573441
sauerbruch7
am Freitag, 13. November 2020, 22:24

weiterarbeiten?

Warum sollen wir unsere Gesundheit gefährden, wenn andere schlafen.
Jegliche Belastung kann bei Menschen, die an Covid oder Influenza erkankt sind zum Exitus führen.
Für Nichtmediziner: Maligne Herzrhytmusstörungen, Myokarditis, Perikarderguss etc.
Ich war bis 06/20 Chefarzt in einer Klinik. Wir haben inzwischen mehrere BK (für Nichtmediziner Berufskrankheiten) mit vermutlich bleibenden Schäden.
Avatar #550935
Arco
am Freitag, 13. November 2020, 18:32

Die logische Konsequenz.

Wenn immer mehr Menschen "positiv" sind oder waren, ist es absolut logisch, sinnvoll und notwendig, diese in der Covid-Versorgung einzusetzen. Warum sollte man Ärzte und Pflegekräfte, die eine Immunabwehr haben, nicht dort einsetzen ?
Im übrigen wird es in naher Zukunft ohnehin eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben: Diejenigen, die Immunschutz haben (z.B. auch die geimpft sind) werden normal leben können - diejenigen, die noch keinen Immunschutz haben, werden weiterhin unter Einschränkungen leben.
Und abschließend ist wichtig, dass die BR endlich die extrem volkswirtschaftschädlichen und zukunftsschädigenden Lockdowns beendet.
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