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Ausland

Schwierige Versorgung von Entwicklungsländern zeichnet sich ab

Dienstag, 17. November 2020

/Alexander Limbach, stock.adobe.com

Paris – Der in aller Welt seit langem ersehnte Coronaimpfstoff rückt in Reichweite. Nach dem Mainzer Unternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer meldete gestern auch der US-Pharmakonzern Moderna, dass er demnächst die Notfallzulassung eines Corona­impfstoffs mit mehr als 90-prozentiger Wirksamkeit beantrage.

In reichen Ländern wie den EU-Staaten laufen die Vorbereitungen für eine Verteilung von Coronaimpfstoffen auf Hochtouren. Wie aber ärmere Länder in dem Wettrennen um das lebensrettende Mittel bestehen sollen, ist weiter unklar.

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Schon seit ein Coronaimpfstoff Thema ist, warnen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und andere Experten, dass Milliarden Menschen in Entwicklungsländern aus finan­ziellen und logistischen Gründen von der Schutzimpfung ausgeschlossen bleiben könn­ten.

Biontech und Pfizer wollen ihre ersten Impfdosen schon in einigen Wochen bereitstellen, wenn sie die Notfallzulassungen der jeweiligen Gesundheits­behörden bekommen. Nächs­tes Jahr wollen Biontech und Pfizer 1,3 Milliarden Impfdosen auf den Markt bringen.

Reichere Länder haben bereits Dutzende Millionen Dosen geordert. Bei Kosten in Höhe von 40 Dollar (34 Euro) für die aus zwei Dosen bestehende Biontech-Pfizer-Behandlung können ärmere Länder da nicht mithalten.

Sie müssen auf die Coronaimpfstoffinitiative Covax hoffen, die im April von der WHO für eine gerechte weltweite Verteilung von Coronaimpfstoffen ins Leben gerufen worden war.

Dazu wurden Regierungen, Wissenschaftler, Vertreter der Zivilgesellschaft und der Privat­wirtschaft zusammengebracht. Pfizer ist der Initiative allerdings bislang nicht beigetre­ten, laut Pressestelle des Pharmariesen hat er eine „Interessenbekundung für eine mögli­che Belieferung“ von Covax abgegeben.

Rachel Silverman vom Center for Global Development in Washington hält es dennoch für unwahrscheinlich, dass viel von den ersten Impfstoffchargen bei ärmeren Ländern an­kommt. Nach ihren Berechnungen haben sich reiche Länder bereits 1,1 Milliarden Impf­do­sen von Biontech/Pfizer gesichert. „Für alle anderen ist da nicht mehr viel übrig“, sagt die Expertin für Gesundheitspolitik.

Weil einige der Länder mit Vorbestellungen wie Großbritannien oder Japan auch Covax angehören, dürften ein paar Impfdosen auch für die ärmeren Staaten abfallen. Die USA, die allein 600 Millionen Impfdosen vorbestellt haben, gehören Covax hingegen nicht an. Unter dem künftigen Präsidenten Joe Biden könnte sich das womöglich ändern.

Benjamin Schreiber, Coronaimpfkoordinator beim UN-Kinderhilfswerk Unicef, warnt die Industriestaaten eindringlich vor Egoismus: „Wir müssen wirklich eine Situation verhin­dern, in der reiche Länder alle Impfstoffe schlucken und dann nicht mehr genug Dosen für die ärmsten Länder vorhanden sind.“

Abgesehen von ethischen Gründen ist eine breite Verteilung der Impfstoffe auch aus epi­demiologischen Gesichtspunkten sinnvoll. Diesen Monat veröffentlichte Modellrech­nun­gen von Wissenschaftlern der Northeastern University in Boston ergaben, dass bei einer Verteilung der ersten zwei Milliarden Dosen eines Coronaimpfstoffs ausschließlich an 50 reiche Länder die Zahl der weltweiten Coronatoten um 33 Prozent verringert würde.

Bei einer breiten Verteilung der Impfdosen einzig auf Grundlage der Bevölkerungszahl von Ländern würde die Zahl der Coronatoten hingegen um 61 Prozent verringert. „Der bescheidene Gewinn für Länder mit hohen Einkommen durch die Monopolisierung von Impfstoffen ist deutlich kleiner als die zerstörerischen Verluste für Länder mit niedrigen Einkommen“, kommentierte die an Covax beteiligte Impfallianz Gavi die Studie.

Zusätzlich haben arme Länder noch mehr mit den logistischen Herausforderungen bei der Impfstoffverteilung zu kämpfen. Der m-RNA-Impfstoff von Biontech und Pfizer muss bei minus 70 Grad gelagert werden – die meisten Krankenhauskühlschränke kühlen aber nur auf minus 20 Grad.

Selbst für Industriestaaten sei dies „eine enorme logistische Herausforderung“, sagte Sil­verman. In ärmeren Ländern seien bislang aber noch nicht einmal entsprechende Liefer­kettenprotokolle ausgearbeitet worden.

Hoffnung macht immerhin, dass Moderna verkündete, dass sein Coronaimpfstoffkandidat leichter zu lagern sei. Er soll sich bei zwei bis acht Grad einige Wochen halten und bei minus 20 Grad sogar ein halbes Jahr lang. © afp/aerzteblatt.de

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