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Ärzteschaft

KBV kritisiert „Asynchronität“ bei Digitalisierung

Mittwoch, 18. November 2020

/dpa

Berlin – Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen stelle man oft eine „Asynchronität“ von gesetzlichen Fristen und den vorhandenen technischen Lösungen fest. Dieses Fazit zog heute Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bun­des­vereinigung (KBV).

Generell zeigen sich Vertragsärzte und -psychotherapeuten für eine sinnvolle Digitalisie­rung im Gesundheitswesen aber aufgeschlossen. Das gehe auch aus dem PraxisBarometer Digi­talisie­rung 2020 der KBV hervor. Die Praxen seien an einer weiteren Digitalisierung interessiert, betonte Hof­meis­ter. Eine Voraussetzung sei allerdings, dass der Mehrwert der Digitalisierung klar erkennbar sei. Dies sei beispielsweise bei der Nutzung etablierter Instrumente wie der aufgrund der Coronapandemie verstärkt durchgeführten Videosprechstunden der Fall.

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Die Neueinführung von „halbgaren Lösungen“ sehe man jedoch kritisch. Hofmeister ver­wies beispielhaft auf die elektronische Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung (eAU). Diese stelle ein „Massengeschäft“ dar, bei welchem man sich Fehleranfälligkeit nicht leisten könne.

„Dann sind – zu Recht – Skepsis und mangelndes Vertrauen die Folge bei den niederge­lasse­nen Ärztinnen und Ärzten“, erklärte KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel. Akzep­tanz erziele man nicht, indem man unter Strafandrohungen zu enge zeitliche Ziele setze.

Laut der Befragung im Rahmen des PraxisBarometers ist eine große Mehrheit der Praxen der Meinung, dass die Videosprechstunde sich gut oder sehr gut für die Besprechung von Untersuchungsergebnissen (69 Prozent), Arzt-Patienten-Gespräche ohne Untersuchung (69 Prozent) und die Anamnese (61 Prozent) eignet.

An ihre Grenzen stoße sie bei der Diagnosestellung und der weiteren Veranlassung, etwa bei einem Infekt der oberen Atemwege: Nur 16 Prozent halten die Videosprechstunde da­­für geeignet.

Das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch sei und bleibe also "weiterhin der Goldstandard". Dies zeigen auch die Ergebnisse beim Thema Fernbehandlung. Etwas mehr als die Hälfte der Praxen lehnen Fernbehandlungen dann ab, wenn sie den Patienten nicht umittelbar zuvor persönlich gesehen haben“, betonte Hofmeister.

Als großes Hemmnis der Digitalisierung nannten mehr als 80 Prozent der Befragten die Fehleranfälligkeit der EDV-Systeme. Ein knappes Drittel der Praxen bemängelte monat­lich technische Fehler der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI), bei einem weiteren Drittel treten diese wöchentlich und bei nahezu jedem Zehnten täglich auf.

Das IGES-Institut hat die Erhebung im Auftrag der KBV durchgeführt. 2.193 Ärzte und Psychotherapeuten nahmen im Sommer 2020 an der Onlinebefragung teil. © aha/aerzteblatt.de

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Markus Hinz
am Donnerstag, 19. November 2020, 16:46

Es gibt auch Asynchronität bzgl. der Stoßrichtung von Digitalisierungs-Maßnahmen

Danke für den guten Artikel. Die beschriebene Asynchronität von gesetzlichen Vorgaben und technischen Möglichkeiten führt mitunter zu mehr bürokratischem Aufwand und in der Folge zu „weniger Zeit für Patienten“. Neben offensichtlichen Patienten-zentrischen Ideen wie Videosprechstunde sollten auch Mitarbeiter-zentrische Digitalisierungs-Ideen wie z.B. automatische Dienstplanung stärker gefördert werden. Die Folge von mehr Planungseffizienz ist mit Sicherheit „mehr Zeit für Patienten“ und damit Digitalisierung im Gesundheitswesen, die wenn auch indirekt, mit Sicherheit beim Patienten ankommt. Wir stellen also Asynchronität auch bezüglich der Stoßrichtung von Digitalisierungs-Maßnahmen „Patient vs. Mitarbeiter“ fest.
LNS

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