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Politik

Ethikräte fordern globale und faire SARS-CoV-2-Impf­stoffverteilung

Donnerstag, 19. November 2020

/Alexander Limbach, stock.adobe.com

Berlin – Nach Zulassung der ersten Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 müssen diese global, fair und unabhängig von marktwirtschaftlichen Interessen verteilt werden. Darin war sich der Deutsche Ethikrat mit Vertreterinnen und Vertretern anderer europäischer Ethik­gremien und der WHO gestern Abend bei der öffentlich zugänglichen Online-Veranstaltung der Reihe „Forum Bioethik“ einig.

Gemeinsam diskutierten sie die verschiedenen Strategien einer gerechten SARS-CoV-2-Impfstoffverteilung auf nationaler und internationaler Ebene.

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Die Vorsitzende der European Group on Ethics in Science and New Technologies (EGE) und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, erklärte, dass angesichts der zunächst erwarteten Knappheit der Impfdosen die Bedürftigkeit von bestimmten Bevölkerungsgruppen bei der Verteilung oberste Priorität haben müsse.

„Verteilungsgerechtigkeit kommt vor der Verteilung“, sagte sie. Bei der Erstellung einer Verteilungsstrategie müsse man global denken und die gesellschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigen. „Eine faire Verteilung der verfügbaren Impfdosen kann die Probleme der Pandemie weltweit lindern“, sagte die Ärztin und Medizinethikerin. Entscheidend sei, das Prozedere der Verteilung nicht dem Markt zu überlassen.

Die Vize-WHO-Generaldirektorin für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte, Mariangela Simao, bekräftigte, dass es einen globalen Verteilungsrahmen und Verteilungsmecha­nismen brauche, um einen fairen und gleichen Zugang zum Impfstoff zu gewähren. Die WHO plane, zunächst Impfdosen für bis zu 20 Prozent der Bevölkerung an die einzelnen Länder – je nach Wunsch und Impfvorbereitungen – zu verteilen. In einer zweiten Phase würden dann die Impfdosen für die weitere Bevölkerung verteilt, wobei Länder mit einem höheren Pandemierisiko und einer vulnerablen Bevölkerung prioritär verhandelt würden.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, berichtete, dass eine Kommission aus Mitgliedern der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI), des Ethikrats und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina bereits Rahmenbedingungen für eine Priorisierung der erwarteten COVID-19-Impfung in Deutschland erarbeitet haben.

Danach sollen zunächst Hochrisikogruppen, wie ältere und kranke Menschen, mit Impfstoff versorgt werden. Ziel sei, schwere und tödliche Krankheitsverläufe zu verhindern und das Gesundheitssystem zu schützen. Zudem sollen Personen bedacht werden, die Erkrankten beistehen und selbst gegebenenfalls ein erhöhtes Risiko haben, wie medizinisches Personal.

In einem dritten Schritt sollen Personen geschützt werden, die für das Gemeinwesen besonders wichtige Funktionen erfüllen und nicht ohne Probleme ersetzbar sind.

Der Vorsitzende des Ethikrats in Frankreich (Comité Consultatif National d'Éthique), Jean-François Delfraissy, berichtete von einer ähnlichen Priorisierungsdebatte in seinem Land. „Wir brauchen eine europäische, eine globale Lösung“, sagte er. Zudem müsse eine Balance gefunden werden zwischen Impfempfehlungen gegen COVID-19 und weiteren Empfeh­lungen zur Vorsorge, wie das Tragen einer Maske. Denn das Vorhandensein einer Impfung löse die Problematik der Pandemie nicht sofort.

Der Vorsitzende es Ethikrats Großbritanniens (Nuffield Council on Bioethics), David Archard, betonte die Bedeutung von Transparenz bei der Verteilung der Impfstoffe. „Die Programme der Regierungen müssen transparent sein“ sagte er. In Großbritannien sei das jedoch nicht immer der Fall. Gleichzeitig dürfe man den großen Einfluss der sozialen Medien auf die Akzeptanz eines Impfstoffes nicht aus den Augen lassen. © ER/aerzteblatt.de

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