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Politik

Allgemeinmedizin soll verpflichtend geprüft werden

Dienstag, 17. November 2020

/dpa

Berlin – Wer künftig Humanmedizin studieren will, kommt künftig am Ende des Studiums nicht um Prüfungsinhalte aus der Allgemeinmedizin herum. Dies soll verpflichtend wer­den, wie eine neue Verordnung zur Neu­regelung der ärztlichen Ausbildung vorsieht. Ziel sei es, die Allgemeinmedizin zu stärken, heißt es in einem Referentenentwurf für eine neue ärztliche Approbationsordnung, der dem Deutsch­en Ärzteblatt vorliegt.

Klinische und theoretische Inhalte im Medizinstudium sollen dem Papier zufolge vom ersten Se­mes­ter an und bis zum Ende der Ausbildung miteinander verknüpft werden. Die Lehrpraxen sollen stärker als bisher in die ärztliche Ausbildung einbezogen werden.

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Danach soll auch die Struktur des Praktischen Jahres (PJ) umgebaut werden. Künftig soll es Quartale statt Tertiale – also vier Ausbildungsabschnitte von je 12 Wochen geben. Vor­gesehen ist, dass die Ausbildungsabschnitte in der Inneren Medizin und in der Chirurgie als Pflichtquartale beibehalten und durch zwei Wahlquartale in anderen klinisch-prakti­schen Fachgebieten (Wahlfächer) ergänzt werden. Eines davon muss mindestens im am­bulanten vertragsärztlichen Bereich absolviert werden.

Im Sinne der praxisnahen Gestaltung der Prüfungen ist vorgesehen, die Prüfungen flexib­ler zu gestalten. Es kommt aber auch eine neue Prüfung hinzu. So ist zwischen dem Ers­ten und dem Zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung ein universitärer Leistungsnach­weis über eine strukturierte klinisch-praktische Prüfung angedacht.

Der Erste Abschnitt der ärztlichen Prüfung soll künftig aus einem schriftlichen Teil und einem mündlich-praktischen Teil bestehen. Die Prüfungszeitpunkte für den schriftlichen und den mündlich-praktischen Teil werden flexibilisiert. Sie sollen ab dem 4. beziehungs­weise dem 6. Fachsemester abgelegt werden können.

Für den Zweiten, schriftlichen Abschnitt der ärztlichen Prüfung soll das Institut für medi­zi­nische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) entsprechend der Umstrukturierung der Ausbildung den bisher faktenorientierten Gegenstandskatalog in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Fakultätentag (MFT) überarbeiten. Vorgesehen ist mittelfristig für den schriftlichen Teils des Staatsexamens eine elektronische Unterstützung.

Der Dritte, das Studium abschließende Abschnitt der ärztlichen Prüfung, beinhaltet wie bisher die Prüfung am Patientenbett. Dabei sollen die Anamnese und auch die körperli­che Untersuchung künftig unter Aufsicht der Prüfer erfolgen und mittels standardisierter Checklisten bewertet werden.

Der bisherige zweite Prüfungstag soll in der abschließenden staatlichen Prüfung als an­wendungsorientierte Parcoursprüfung stattfinden. Die Fragen sollen sich ausschließlich auf die Innere Medizin, die Chirurgie, die Allgemeinmedizin und das Wahlfach beziehen, wie es heißt.

Zum festen Bestandteil des Medizinstudiums sollen künftig die Aspekte Patientensicher­heit, Öffentliches Gesundheitswesen und Bevölkerungsmedizin werden. Ausdrücklich klargestellt wird, dass Famulaturen und das Praktische Jahr (PJ) als praktische Teile des Medizinstudiums grundsätzlich auch im Gesundheitsamt abgeleistet werden können. Ebenso gehören künftig die Datennutzung und Digitalisierung zum Ausbildungsinhalt.

Die Verordnung ist im Bundesrat zustimmungspflichtig. Die neue Approbationsordnung für Ärzte soll den Plänen nach zum 1. Oktober 2025 in Kraft treten. Der Zeitpunkt sei ge­wählt, um den Fakultäten Zeit zu geben, die aufgrund der Änderungen in der Ausbildung notwendigen Umstellungen ihrer Curricula vorzunehmen, heißt es.

Durch die verstärkte Einbeziehung von Lehrpraxen im Ausbildungsabschnitt vor dem PJ und im ambulanten Quartal des PJs würden die Fakultäten in höherem Maße Lehrpraxen rekrutieren müssen. „Auch dazu soll die Zeit bis zum Inkrafttreten der neuen Ausbildung dienen.“ © may/EB/aerzteblatt.de

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