szmtag Hypercholesterinä­mie: ANGPTL3-Antikörper halbiert LDL-Cholesterin...
NewsMedizinHypercholesterinä­mie: ANGPTL3-Antikörper halbiert LDL-Cholesterin auch bei subkutaner Gabe
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hypercholesterinä­mie: ANGPTL3-Antikörper halbiert LDL-Cholesterin auch bei subkutaner Gabe

Montag, 30. November 2020

/adimas, stock.adobe.com

New York – Die subkutane Behandlung mit dem Antikörper Evinacumab, der das Protein ANGPTL3 neutralisiert, hat in einer Phase 2-Studie den Cholesterinwert von Patienten, die mit zugelassenen Wirkstoffen die Zielwerte nicht erreicht haben, halbiert. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Heart Association vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2031049) publiziert.

Die Fachgesellschaften in den USA und in Europa haben die Grenzwerte für das LDL-Cholesterin, das ein wesentlicher Risikofaktor für atherosklerotische Erkrankungen ist, zuletzt deutlich gesenkt. Bei Patienten mit einem sehr hohen Ausgangsrisiko empfiehlt die European Society of Cardiology (ESC) mittlerweile einen Zielwert von unter 55 mg/dl und übertrifft damit sogar die US-Fachgesellschaften, die 70 mg/dl für ausreichend erachten. Bei Patienten mit einem mittleren oder geringen Risiko liegen die ESC-Ziel­werte bei 70 und 100 mg/dl.

Bei Patienten mit einer familiären Hypercholesterinämie werden diese Zielwerte mit Statinen und auch mit den neueren PCSK9-Inhibitoren häufig nicht erreicht. Es besteht deshalb Bedarf an weiteren Cholesterinsenkern. Diese Lücke könnten Antikörper füllen, die das Protein Angiopoietin-like 3 (ANGPTL3) neutralisieren.

ANGPTL3 ist an der Lipoproteinlipase und der endothelialen Lipase beteiligt. Menschen mit einer „Loss of function“-Mutation im ANGPTL3-Gen haben einen hypolipidämischen Phänotyp, der ihr Risiko auf eine koronare Herzkrankheit deutlich senkt.

Der Antikörper Evinacumab soll diese Schutzwirkung auf Patienten übertragen, die mit konventionellen Medikamenten die Cholesterinzielwerte nicht erreichen. Der Hersteller konnte kürzlich in einer Phase-3-Studie zeigen, dass Evinacumab das LDL-Cholesterin bei Patienten mit homozygoter familiärer Hypercholeste­rinämie halbiert. Die Behandlung erfolgte in der Studie alle 4 Wochen als intravenöse Infusion. Diese Behandlung ist nur in der Klinik oder in Spezialpraxen möglich, was einem breiten Einsatz des Mittels im Wege steht.

Der Hersteller lässt deshalb prüfen, ob auch eine subkutane Behandlung, die der Patient zuhause durchführen könnte, den LDL-Spiegel senken kann. In einer Phase-2-Studie wurden 3 verschiedene subkutane Dosierungen mit Placebo verglichen. Ein Teil der Patienten erhielt alle 2 Wochen eine Dosis von 300 mg Evinacumab. In der zweiten Gruppe wurde das Medikament in der Dosis von 300 mg wöchentlich injiziert. In der dritten Gruppe wurde die wöchentliche Dosis auf 450 mg erhöht. Die vierte Gruppe erhielt wirkstofffreie Injektionen.

Bei weiteren Patienten wurde der Antikörper wie in der Phase-3-Studie intravenös verabreicht. Hier gab es 2 unterschiedliche Dosierungen und eine Placebogruppe.

An der Studie nahmen 272 Patienten mit einer primären Hypercholesterinämie teil. Bei den meisten wurde eine heterozygote familiäre Hypercholesterinämie klinisch vermutet und teilweise auch genetisch nachgewiesen. Bei der heterozygoten familiären Hypercho­lesterinämie ist nur eins der beiden Gene für die LDL-Rezeptoren mutiert.

Sie ist mit einer Prävalenz von 1 zu 313 deutlich häufiger als die homozygote familiäre Hypercholes­terinämie. Bei Patienten, die bereits im jungen Alter eine schwere Atherosklerose entwickeln, kann die Diagnose bei 1 von 15 Patienten gestellt werden.

Die Cholesterinwerte sind bei der heterozygoten Form nicht so hoch wie bei der homo­zygoten Form. Die geforderten Zielwerte lassen sich jedoch ebenfalls mit Statinen oder einem PCSK9-Inhibitor oft nicht erreichen.

Die von Robert Rosenson von der Icahn School of Medicine in New York und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass die subkutane Gabe von Evinacumab bei Patienten mit refraktärer Hypercholesterinämie eine Option sein könnte. Vor Beginn der Studie hatten die Patienten ein durchschnittliches LDL-Cholesterin von 150,0 mg/dl.

Unter der subkutanen Behandlung mit 450 mg pro Woche sank das LDL-Cholesterin um 56,0 %. Unter der Dosis von 300 mg pro Woche kam es zu einem Rückgang um 52,9 % und unter der zweiwöchentlichen Gabe von 300 mg zu einem Rückgang um 38,5 %.

Die Wirkung war in den beiden ersten Gruppen ebenso gut wie unter der monatlichen intravenösen Gabe von 15 mg/kg (minus 50,5 %), aber stärker als bei der niedrigeren intravenösen Dosis von 5 mg/kg (minus 24,2 %). Alle Patienten hatten neben Evinacumab ihre frühere Behandlung mit Statinen oder PCSK9-Inhibitoren fortgesetzt.

Wenn sich die Ergebnisse in einer Phase-3-Studie bestätigen sollten, dürfte einer Zulas­sung von Evinacumab kaum etwas entgegen stehen – sofern es keine Überraschung hinsichtlich der Verträglichkeit gibt. Schwere Komplikationen sind laut der Publikation in der aktuellen Studie nicht aufgetreten.

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Harnwegsinfektionen, die bei 11 % beob­achtet wurden gegenüber 8 % in der Placebogruppe. Auch Erytheme an der Injektions­stelle (6 gegenüber 3 %), Arthralgien (5 gegenüber 3 %) und Myalgien (5 gegenüber 0 %) wurden beobachtet. In der Phase-3-Studie zur homozygoten Form war es bei einem Patienten zu einer Urosepsis gekommen, ein weiterer Patient unternahm einen Suizidversuch. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Montag, 30. November 2020, 19:56

Cholesterin ist im Fall

der Gefäßkrankheit Arteriosklerose kein Schadfaktor, sondern ein Reparaturfaktor. Eine Handlung, durch welche das Angebot an Cholesterin reduziert wird, ist keine Handlung, durch welche das Reparaturbedürfnis beseitigt wird. Das ist etwa so, als ob man eine Technologie zur Reduktion der Niederschlagsmenge einsetzen würde mit dem Ziel, dass es bei schadhaften Dächern weniger reinregnet, anstatt die Dächer auszubessern.
LNS
VG WortLNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER