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Medizin

Studie: Nebenwirkungen von Statinen sind häufig Nocebo-Effekte

Freitag, 27. November 2020

/roger ashford, stock.adobe.com

London – Die bekannten und von vielen Patienten gefürchteten Nebenwirkungen von Statinen traten in einer Expositionsstudie fast so häufig bei Patienten auf, die ein Placebo erhalten hatten. Die auf der Jahrestagung der American Heart Association vorgestellte und im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMc203117) publizierte Studie belegt die von Forschern seit längerem vermuteten Nocebo-Effekte.

Die Lipidsenker aus der Gruppe der Statine können einen lebensgefährlichen Zerfall der Muskelzellen auslösen, der als Rhabdomyolyse bezeichnet wird. Im Jahr 2001 musste der Bayer-Konzern das Statin Lipobay mit dem Wirkstoff Cerivastatin sogar vom Markt nehmen, nachdem es zu mehreren Todesfällen gekommen war.

Die Frühzeichen einer Rhabdomyolyse sind Muskel- und Gelenkschmerzen, die seither auch von vielen Anwendern anderer Statine bemerkt werden, bei denen in sehr seltenen Fällen auch Rhabdomyolysen beschrieben wurden. Es gibt keine genauen Zahlen. Experten schätzen jedoch, dass ein Fünftel aller Patienten die Behandlung mit Statinen wegen Muskel- und Gelenkschmerzen oder wegen anderen Nebenwirkungen abbricht.

Merkwürdigerweise sind diese Nebenwirkungen in den klinischen Studien (die vor der Lipobay-Affäre durchgeführt wurden) insgesamt selten und nicht wesentlich häufiger aufgetreten als in den Placebogruppen. Dies legt den Verdacht nahe, dass es sich bei den Nebenwirkungen häufig um einen Nocebo-Effekt handelt.

Ein Team um James Howard vom Imperial College London ist dieser Frage jetzt in einer Studie nachgegangen. 60 Patienten im Alter von 37 bis 79 Jahren, die eine Statintherapie aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen hatten, wurden zu einem neuen Expositions­versuch eingeladen. Die Teilnehmer erhielten 12 Flaschen ausge­händigt. 8 Flaschen enthielten jeweils eine Monatsration Tabletten.

Die Teilnehmer wussten allerdings nicht, dass jede zweite Flasche Placebos enthielt. Vermutlich um die wissenschaftliche Neugierde der Teilnehmer zu wecken, wurden 4 weitere Flaschen ausgeteilt, die leer waren. In diesen Monaten sollten die Teilnehmer an sich beobachten, ob die Beschwerden vielleicht doch andere Ursachen haben. Die Neben­wirkungen sollten die Teilnehmer auf einer App ihres Smartphones eingeben und die Intensität auf einem Score mit 0 bis 100 Punkten bewerten.

Ergebnis: 90 % der Patienten, die über Nebenwirkungen klagten, hatten diese auch in den Monaten, in denen sie Placebos eingenommen hatten. Die Intensität wurde in den Placebo­monaten mit 15,4 Punkten und in den Statinmonaten mit 16,3 Punkten angegeben. In den Monaten ohne Tabletten gingen die Beschwerden auf 8,0 Punkte zurück.

Von den 49 Teilnehmern, die bis zum Ende an der Studie teilnahmen, unterbrachen 24 die Behandlung wegen unerträglicher Nebenwirkungen vorübergehend (für mindestens 1 Monat). Insgesamt gab es 71 nebenwirkungsbedingte Unterbrechungen. Davon traten 31 während der Placebomonate und 40 während der Statinmonate auf.

Die Ergebnisse der Studie überzeugten einige Teilnehmer vom Nocebo-Effekt. 6 Monate nach dem Abschluss der Studie hatten 30 Patienten die Statinbehandlung wieder aufgenommen, 4 weitere überlegten noch. Insgesamt 25 Patienten blieben bei ihrer ablehnenden Haltung. © rme/aerzteblatt.de

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