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Medizin

Rilonacept bei rezidivierender Perikarditis hoch wirksam

Freitag, 27. November 2020

/picture alliance, magicmine

Turin – Das Fusionsprotein Rilonacept, das die Interleukine 1alpha und beta bindet, hat in einer Phase-3-Studie in der Behandlung der rezidivierenden Perikarditis eine sehr gute Wirkung erzielt. Die meisten Patienten waren schon nach der ersten Dosis symptomfrei und blieben unter einer Dauerbehandlung in der Regel ohne Rezidive.

Die im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2027892) vorge­stellten Ergebnisse stärken die Vermutung, dass die rezidivierende Perikarditis zu den autoinflammatorischen Erkrankungen zählt.

Autoinflammatorische Erkrankungen werden durch eine spontane Aktivierung des ange­borenen Immunsystems ausgelöst. Die Folge ist eine Entzündungsreaktion, die mit der Freisetzung bestimmter Zytokine verbunden ist, wobei Interleukin 1 eine Schlüsselrolle zu spielen scheint. Im Gegensatz zu den Autoimmunerkrankungen sind die B-Zellen und T-Zellen der erworbenen Immunität nicht beteiligt.

Interleukin 1-Blocker wie Canakinumab und Anakinra werden heute bei verschiedenen autoinflammatorischen Erkrankungen mit Erfolg eingesetzt. Dazu gehören das Still-Syndrom des Erwachsenen, das Schnitzler-Syndrom, das PFAPA-Syndrom und das Familiäre Mittelmeerfieber.

Die rezidivierende Perikarditis wird bisher nicht zu den autoinflammatorischen Erkran­kungen gezählt. Die Entzündungsreaktion ist auf die beiden Blätter des Herzbeutels beschränkt. Zu den möglichen Triggern gehören Virusinfektionen oder eine Herz­operation.

Die Perikarditis tritt episodisch auf. Sie führt zu starken Brustschmerzen, die die Lebens­qualität deutlich einschränken. Die Behandlung besteht derzeit in der Gabe von Steroiden oder dem früheren Gichtmedikament Colchicin. Beide Behandlungen sind mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

Die Entdeckung, dass Interleukin 1 bei der rezidivierenden Perikarditis wie bei (den anderen) autoinflammatorischen Erkrankungen an der Pathogenese beteiligt ist, hat zu neuen therapeutischen Konzepten geführt. Vor 4 Jahren hat ein Team um Massimo Imazio von der Universität Turin in einer placebokontrollierten Studie bereits gute Behand­lungs­erfolge mit dem Wirkstoff Anakinra erzielt, der den Rezeptor von Interleukin 1 blockiert.

Nach dem Absetzen des Mittels kam es bei 9 von 10 Patienten schon bald zu einer erneuten Perikarditis-Attacke im Gegensatz dazu bei nur 2 von 11 Patienten, die mit Anakinra weiter behandelt wurden (JAMA, 2016; DOI: 10.1001/jama.2016.15826). In der aktuellen RHAPSODY-Studie wurden die Patienten mit Rilonacept behandelt.

Das Mittel „fängt“ die beiden Interleukine 1 alpha und beta, bevor diese an den Rezeptor binden und dadurch eine Entzündungsattacke auslösen können. An der Studie nahmen 86 Patienten teil, bei denen es trotz einer Behandlung mit Colchicin und Steroiden zu Perikarditisattacken gekommen war.

In einer ersten 12-wöchigen Phase wurden alle Patienten mit Rilonacept behandelt. Das Medikament wurde einmal wöchentlich subkutan injiziert. Bis auf einen wurden alle Patienten innerhalb von im Mittel 5 Tagen schmerzfrei. Bis zur Normalisierung des C-reaktiven Proteins vergingen im Mittel 7 Tage.

Die Wirkung setzte demnach bereits nach der ersten Gabe von Rilonacept ein. Alle Patienten, die zu Studienbeginn Steroide erhielten, konnten diese erfolgreich absetzen. Nach 8 Wochen wurden alle Patienten ausschließlich mit Rilonacept behandelt.

In der zweiten Phase der Studie wurden 61 Patienten auf eine Weiterbehandlung mit Rilonacept oder auf eine Placebobehandlung randomisiert. In der Placebogruppe (in der die Patienten auch keine Steroide erhielten), kam es nach median 8,6 Wochen zu einem erneuten Rezidiv. In der Rilonaceptgruppe waren Rezidive so selten, dass die mediane Zeit nicht bestimmt werden konnte.

Die Studie wurde beendet, als in der Placebogruppe 23 von 31 Patienten (74 %) ein Rezidiv erlitten hatten. In der Rilonaceptgruppe war es zu diesem Zeitpunkt erst bei 2 von 30 Patienten (7 %) zu einem Rezidiv gekommen. Das Team um Massimo Imazio ermittelt eine Hazard Ratio von 0,04, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,01 bis 0,18 hochsignifikant war. Die Behandlung mit Rilonacept hatte das Rezidivrisiko damit um 96 % gesenkt.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Lokalreaktionen an der Injektionsstelle (34 %), die laut Imazio alle leicht bis mittelschwer waren. Bei 7 Patienten (23 %) kam es zu Infektionen der oberen Atemwege, die ebenfalls leicht bis mittelschwer waren. Während der ersten Studienphase brachen 4 Patienten die Behandlung wegen unerwünschter Ereignisse ab, darunter waren eine Alopezie, eine extrinsische allergische Alveolitis, Erytheme und systemische allergische Reaktionen (Überempfindlichkeit).

Eine weitere Nebenwirkung sind Störungen des Lipidstoffwechsels. Es kam zu einem Anstieg des LDL-Cholesterins (124,8 mg/dl versus 111,7 mg/dl) und der Triglyceride (198 mg/dl gegenüber 96,7 mg/dl).

Rilonacept wurde in den USA und in Europa zur Behandlung von Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndromen (CAPS) zugelassen. Der Hersteller gab die Zulassung in Europa auf. In den USA ist das Mittel weiterhin im Handel. © rme/aerzteblatt.de

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