NewsMedizinSARS-CoV-2: Britischer Impfstoff erzielt in Phase-2/3-Studie auch bei (gesunden) Senioren eine hohe Immunität
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

SARS-CoV-2: Britischer Impfstoff erzielt in Phase-2/3-Studie auch bei (gesunden) Senioren eine hohe Immunität

Donnerstag, 19. November 2020

/picture alliance, NurPhoto, STR

Oxford – Impfstoffe gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 können offenbar auch bei älteren Menschen eine robuste Immunabwehr erzeugen. Der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca, der derzeit in einer Phase-3-Studie getestet wird, soll nach den jetzt im Lancet (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)32466-1) veröffentlichten Ergebnissen nach der zweiten Impfdosis auch ältere Menschen schützen und dabei sogar etwas besser verträglich sein.

Der Vektorimpfstoff „ChAdOx1 nCov-2019“ von AstraZeneca wird derzeit in einer Phase-2/3-Studie in Großbritannien an mehr als 12.000 Probanden untersucht. Wie bei allen Impf­stoffen waren die ersten Tests an gesunden jungen Menschen durchgeführt worden, später wurden auch ältere Personen einbezogen. Bis auf einen Verdachtsfall, der im September zu einem vorübergehenden Stopp der Studie geführt hat, sind offenbar keine wesentlichen Sicherheitsprobleme aufgetreten.

Anzeige

Ein Team um Maheshi Ramasamy von der Universität Oxford hat jetzt die bisherigen Ergebnisse in einer Untergruppe von 560 Probanden ausgewertet, bei denen die Reaktion des Immunsystems näher untersucht wurde. Darunter waren auch 240 Teilnehmer im Alter von über 70 Jahren.

Auch bei den älteren Probanden sind bisher keine wesentlichen Komplikationen aufge­treten. Die Verträglichkeit scheint bei den Senioren sogar besser zu sein. Während es in der Altersgruppe von 18 bis 55 Jahren nach der ersten Injektion bei 88 % zu Lokal­reaktionen kam, lag die Rate bei den 56- bis 69-Jährigen bei 73 % und bei Probanden im Alter ab 70 Jahren nur bei 61 %.

Auch systemische Reaktionen wie Müdigkeit, Kopf­schmerzen, Fieber oder Myalgien waren bei den Senioren tendenziell seltener. Die Häufigkeit in den 3 Gruppen betrug laut Ramasamy 86 %, 77 % und 65 %.

Die bessere Verträglichkeit im Alter wäre im ungünstigsten Fall auf eine Schwäche des Immunsystems zurückzuführen. Hierfür fand Ramasamy jedoch keine Hinweise. Die Immunogenität des Impfstoffs war robust und über die Altersgruppen hinweg ähnlich – solange die Teilnehmer eine zweite Impfdosis erhielten – bei jüngeren Probanden wurde auch ohne den Booster eine starke Immunantwort erzielt.

Die Forscher haben die Immunantwort einmal nach den Antikörper-Titern bewertet. Diese waren bereits bei der ersten Untersuchung nach 14 Tagen angestiegen. Nach der zweiten Dosis waren bei 208 von 209 untersuchten Teilnehmern neutralisierende Antikörper nachweisbar, die sie im Prinzip im Fall einer Infektion vor COVID-19 schützen sollten. In der Praxis dürfte die Schutzwirkung etwas geringer sein.

Die von Biontech/Pfizer und Moderna mitgeteilte Schutzwirkung von 94,5 % beziehungs­weise 95 % scheint jedoch im Bereich des Möglichen zu liegen.

Die britischen Forscher haben mit einem IFN-gamma-ELISpot-Assay auch die Reaktion der T-Zellen untersucht, die die Antikörperproduktion durch die B-Zellen stimulieren können. Der Assay untersucht, ob die Zellen auf die Gegenwart von Krankheitserregern mit einer vermehrten Produktion von Interferon gamma reagieren. Dies war nach den von Ramasamy vorgestellten Ergebnissen bereits nach 14 Tagen der Fall, wobei es erneut keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Altersgruppen gab.

Die begleitenden Untersuchungen der T-Zell-Antwort gehören nach Ansicht der Editoria­listin Melissa Andrew von der Dalhousie University/Kanada zu den Stärken der Studie. Zu den Einschränkungen, die allerdings auch für andere Impfstoffstudien gelten, zählt, dass der Impfstoff auch in der höheren Altersgruppe ausschließlich an gesunden Probanden getestet wurde. Damit waren die am meisten gefährdeten Gruppen, die aufgrund von kardio­metabolischen Risikofaktoren häufig schwer erkranken, von der Teilnahme ausge­schlossen.

Die Vakzine „ChAdOx1 nCov-2019“ ist bereits der fünfte Impfstoff, der auch an älteren Personen getestet wurde. Die anderen 4 waren die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna sowie der beiden chinesischen Hersteller CanSino und SinoPharm. Die beiden chinesischen Impfstoffe sollen eine etwas schwächere Impfantwort im Alter erzielt haben.

Vergleiche über die Studien hinweg sind jedoch kaum möglich. Insgesamt scheinen die Aussichten auf einen Impferfolg auch für ältere gesunde Menschen gut zu sein. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #695943
hirsi83
am Samstag, 21. November 2020, 17:44

Antikörperabhängige Verstärkung

Wie sieht es denn mit den Thesen zur antikörperabhängigen Verstärkung und erleichtertem Viruseintritt durch nicht-neutralisierende Antikörper bei den aktuell entwickelten Impfungen aus? Gibt es dazu Beobachtungen im Rahmen der Zulassungsstudien? Man liest immer nur, dass keine schweren NW nach den Impfungen beobachtet wurden, aber gibt es auch Daten wie die Probanden nach Re-Expositon mit dem Wildtypvirus reagiert haben? https://www.nature.com/articles/s41577-020-0321-6.pdf
LNS

Nachrichten zum Thema

2. Dezember 2020
Berlin – Die geplante Ausgabe von FFP2-Masken an Risikogruppen in der Pandemie ist nach Darstellung des GKV-Spitzenverbandes in der Verwaltungsratssitzung des Verbandes organisatorisch noch ungeklärt.
Maskenausgabe: Organisation ungeklärt
2. Dezember 2020
Berlin – Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat vor überlasteten Krankenhäusern gewarnt: Die Situation sei coronabedingt „extrem angespannt, und das jetzt schon – ohne die saisonale
Kretschmer: Lage in den Krankenhäusern wegen Corona „extrem angespannt“
2. Dezember 2020
Köln – Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den angekündigten Coronalockerungen an Weihnachten hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) aufgerufen. Bund und Länder
Laschet: Gelockerte Coronaregeln an Weihnachten nicht ausreizen
2. Dezember 2020
Berlin – Die Bundeswehr verstärkt ihre Unterstützung für Gesundheitsämter im Kampf gegen die Coronapandemie. „Wir haben das Kontingent aufgestockt für 20.000“, sagte Bundesverteidigungsministerin
Bundeswehr verstärkt Einsatz in Gesundheitsämtern
2. Dezember 2020
Berlin – Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat die strengeren Coronamaßnahmen in Berlin verteidigt. „Wir haben in Berlin – wie in anderen Bundesländern auch – so hohe Zahlen und
Müller verteidigt strengere Coronaregeln in Berlin
2. Dezember 2020
Kiel – Der Kieler SPD-Fraktionschef Ralf Stegner ist dafür, in bestimmten Fällen Hotels für die Coronaquarantäne zu nutzen. Das SARS-CoV-2-Virus breite sich im privaten Bereich umso schneller aus, je
Stegner regt Coronaquarantäne im Hotel an
2. Dezember 2020
Eschweiler – Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, hat die Politik aufgefordert, die überregionale Versorgung von schwer
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER