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Politik

Krankenkassen im dritten Quartal mit drei Milliarden Euro Minus

Freitag, 20. November 2020

/Setareh, stock.adobe.com

Frankfurt/Main – Die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung schreibt einem Medienbericht zufolge ein großes Minus. Im dritten Quartal betrug das Defizit mehr als drei Milliarden Euro, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung heute online unter Berufung auf Kassen­verbände berichtete.

Mit minus 1,4 Milliarden Euro hätten die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) am schlechtesten abgeschnitten, gefolgt von den Ersatzkassen mit minus 1,2 Milliarden Euro.

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Im ersten Halbjahr erzielten die Kassen dem Bericht zufolge noch einen Überschuss von fast 1,3 Milliarden Euro. Die Versicherungen begründeten das damit, dass während des ersten Lockdowns in der Coronapandemie teure Operationen verschoben worden seien und weniger Patienten von sich aus medizinische Einrichtungen aufgesucht hätten.

Nach dem Ende des ersten Lockdowns habe es eine Normalisierung bei Behandlungen und Operationen sowie Nachholeffekte gegeben, sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, der Zeitung. Noch seien die längerfristigen Kosten­effekte der Pandemie ungewiss. „Klar ist aber, dass wir in diesem Jahr mit einem Minus abschließen werden und dass das dicke Ende für die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung erst noch kommt“, warnte Litsch.

Für die wachsende Unterfinanzierung machte er „die finanzielle Wucht“ der von Bundes­gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebrachten Gesetze mitverant­wort­lich. Um das Defizit auszugleichen, würden vor der Bundestagswahl „die Rücklagen der Kassen verfeuert“.

Nach einem Minus im Gesundheitswesen von 16 Milliarden Euro im kommenden Jahr erwartet Litsch für 2022 mindestens 17 Milliarden Euro Defizit. „Dieses Loch lässt sich dann nicht mehr mit Kassenrücklagen stopfen“, sagte Litsch der FAZ. „Die rosigen Zeiten sind vorbei.“

Nach Planungen von Spahn und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sollen die Milli­ardenlasten der Pandemie für die Krankenkassen unter anderem durch höhere Zusatzbei­träge bewältigt werden. Zudem soll der Bundeszuschuss an die Kassen um fünf Milliar­den Euro angehoben werden.

Ferner ist geplant, dass die Krankenkassen einmalig Finanzreserven in Milliardenhöhe abführen, um einen Teil der Finanzierungslücke zu schließen. © afp/aerzteblatt.de

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