szmtag Training von Immunzellen hemmt Tumorwachstum
NewsMedizinTraining von Immunzellen hemmt Tumorwachstum
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Training von Immunzellen hemmt Tumorwachstum

Montag, 30. November 2020

Neutrophile Granulozyten in Urin/ picturealliance, Gladden W. Willis

Dresden – Neutrophile Granulozyten, also Zellen des sogenannten unspezifischen Immun­systems, lassen sich möglicherweise gezielt für den Angriff auf Tumorzellen trainieren. Das berichten Wissenschaftler vom Nationalen Centrum für Tumorerkran­kungen Dresden (NCT/UCC) und der Hochschulmedizin Dresden im Fachmagazin Cell (2020; DOI: 10.1016/j.cell.2020.09.058).

Krebsimmuntherapien zielen bekanntlich darauf ab, die natürlichen Abwehrmechanismen im Körper der Patienten auf die Krebszellen zu lenken. Sie setzen dabei üblicherweise auf das sogenannte spezifische Immunsystem, also unter anderem T-Zellen, dendritische Zellen oder bestimmte Antikörper.

Sie sind in der Lage, geeignete Strukturen auf Tumor- oder Immunzellen zu erkennen und eine passgenaue Abwehrreaktion einzuleiten oder auszuführen. Die Dresdener Wissen­schaftler konnten nun im Mausmodell zeigen, dass sich auch die unspezifische Immun­antwort unseres Körpers möglicherweise durch ein spezielles Training gegen Tumoren in Stellung bringen lässt.

Neutrophile Granulozyten – kurz „Neutrophile“ – bilden die häufigste Untergruppe der weißen Blutkörperchen und sind Teil der angeborenen, unspezifischen Immunabwehr. Bei bestimmten Tumoren sammeln sie sich verstärkt in der Umgebung des Tumors oder wandern in diesen ein.

Diese direkt am Tumor befindlichen tumorassoziierten Neutrophile können das Tumor­wachstum hemmen, besitzen zum Teil aber auch tumorfördernde Eigenschaften. Vermutet wird, dass der Tumor selbst Stoffe abgibt, die die Neutrophilen zu Treibern des Tumor­wachs­tums machen. Diesen für den Heilungsprozess negativen Vorgang konnten die Wissenschaftler in experimentellen Modellen durch ein spezielles Training der unspezifischen Immunantwort teilweise umkehren.

Als stimulierenden Reiz für das Immunsystem nutzten sie das langkettige Zuckermolekül Beta-Glucan, das als natürlicher Ballaststoff hauptsächlich in Zellwänden von Pilzen, Hafer oder Gerste vorkommt. Dafür injizierten sie Wildtyp-Mäusen intraperitoneal eine Einzeldosis β-Glucan. Sieben Tage danach wurden die Mäuse subkutan mit bestimmten Melanomzellen geimpft und das Tumorwachstum beobachtet.

Die Gabe von Beta-Glucan bewirkte, dass der Anteil der Neutrophilen mit tumorhem­menden Eigenschaften deutlich zunahm und das Tumorwachstum zurückging. Besonders wichtig ist laut den Forschern die Beobachtung, dass die Umprogrammierung der Neutro­philen offenbar bereits im Knochenmark einsetzt. Hier entwickeln sich aus Stammzellen verschiedene Vorläuferzellen, aus denen schließlich die unterschiedlichen Blutzellen hervorgehen.

Durch die Gabe von Beta-Glucan veränderte sich die Genaktivität der myeloischen Vorläuferzellen, aus denen sich später auch die Neutrophilen entwickeln. „Dies bewirkt, dass sich die Eigenschaften der kurzlebigen Neutrophilen längerfristig hin zu einer gegen den Tumor gerichteten Aktivität verändern. Denn die Vorläuferzellen bilden über einen längeren Zeitraum hinweg Neutrophile mit tumorhemmenden Eigenschaften“, erläuterte die Co-Erstautorin Lydia Kalafati.

„Basierend auf dem beschriebenen Mechanismus sind neue Formen der Krebsimmun­therapie denkbar, die künftig die Heilungschancen für bestimmte Patienten verbessern könnten“, hofft Triantafyllos Chavakis, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.

„Dabei wollen wir auch untersuchen, bei welchen Tumorarten die Methode besonders gut wirkt, um sie dann künftig ganz gezielt einsetzen zu können“, sagte Martin Bornhäuser, Mitglied im geschäftsführenden Direktorium des NCT/UCC und Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Dresden. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #846665
Olivier
am Montag, 7. Dezember 2020, 10:56

@buhl

Meine Freundin ist am 07.10.20 qualvoll gestorben. Ich habe auf ihren Wunsch noch den RTW bestellt u im Krankenhaus habe ich mich in der Rettungsstelle verabschieden können. Sabine hat Unmengen sogenannter Nahrungsergänzungsmittel bestellt. Gibt es eine Studie zu ihrer Empfehlung? Ich würde im Nachhinein der Immuntherapie den Vorzug geben u beginne im Schmerz über den Verlustvzum Leben zu finden
Avatar #797033
buhl
am Samstag, 5. Dezember 2020, 12:35

@Oliver

Wenn Sie betroffen sind, kann ich Ihnen nur raten nicht abzuwarten, bis oder ob sich dieses Forschungsergebnis jemals in der klinischen Anwendung wiederfindet, sondern Beta-Glucan in der Form 1,3 / 1,6 (die Form ist wichtig) als Ergänzungsmittel zu kaufen und einzunehmen. Die immunsystemstimulierende Wirkung, auch in Bezug auf Krebs, ist schon lange bekannt und erforscht.
Avatar #846665
Olivier
am Montag, 30. November 2020, 20:09

Pankreaskarzinom

Meine Frage lautet: Gibt es auch Hoffnung für Patienten mit einem Pankreaskarzinom? Die Chemotherapie war bisher ohne großen Erfolg und Ärzte hatten bislang keine Alternative anbieten können.
LNS
LNS LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER