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SARS-CoV-2: Virusausscheidung in den ersten Tagen der Infektion am höchsten

Sonntag, 22. November 2020

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

St. Andrews/Schottland – Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 wird bereits in den ersten Tagen nach der Infektion auch von asymptomatischen Patienten in großen Mengen über die Atemwege ausgeschieden.

Laut einer Studienübersicht in Lancet Microbe (2020; DOI: 10.1016/S2666-5247(20)30172-5) sind jedoch bisher ab dem 9. Tag der Infektion keine lebensfähigen Viren mehr in den oberen Atemwegen nachgewiesen worden, während die Virusgene noch über längere Zeit in den oberen und unteren Atemwegen, im Blut und im Stuhl vorhanden waren.

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Die schnelle Replikation in den oberen Atemwegen ist für die rasche Ausbreitung von SARS-CoV-2 verantwortlich. Sie erklärt, warum sich die Epidemie innerhalb weniger Monate weltweit ausbreiten konnte, während das MERS-Coronavirus weitgehend auf die arabische Halbinsel beschränkt geblieben ist und die Ausbreitung von SARS-CoV-1 relativ schnell gestoppt werden konnte.

Muge Cevik von der University of St. Andrews in Schottland und Mitarbeiter haben den derzeitigen Kenntnisstand aus 8 Studien zu SARS-CoV-1, 11 Studien zu MERS-CoV und 79 Studien zu SARS-CoV-2 zusammengetragen.

Das erste SARS-Virus und MERS-CoV vermehren sich nur langsam in den oberen Atem­wegen. Der Gipfel der Ausscheidung erfolgt bei SARS-CoV-1 nach 12 bis 14 Tagen, bei MERS-CoV nach 7 bis 10 Tagen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Infizierten meist schwer erkrankt. Eine Übertragung durch asymptomatische oder präsymptomatische Personen erfolgt praktisch nicht.

Bei SARS-CoV-2 erreicht die Virusmenge schon nach 3 bis 5 Tagen in den oberen Atem­wegen ihren Gipfel. In den unteren Atemwegen wird die maximale Replikation erst in der zweiten Woche erreicht. Dies erklärt den hohen Anteil von asymptomatischen oder präsymptomatischen Personen, die das Virus ausscheiden und damit andere Menschen anstecken können.

Die mittlere Dauer der Virusausscheidung ist bei SARS-CoV-2 kürzer als bei den anderen Viren. Sie könnte laut Cevik auf 9 Tage beschränkt sein. Zu einem späteren Zeitpunkt sind bisher noch keine replikationsfähigen Viren in den oberen Atemwegen nachgewiesen worden. Diese Aussage ist mit Vorsicht zu interpretieren, da die Abstriche deutlich länger positiv bleiben.

Die Abstriche weisen mit der Polymerase-Kettenreaktion nur einzelne Virusgene nach. Sie müssen nicht von replikationsfähigen Viren stammen. Es könnte sich auch um Reste einer bereits überstandenen Infektion handeln. Ganz ausschließen lässt sich eine Infektiosität aber wohl nicht.

Die mittlere Dauer eines positiven Abstrichs lag nach den ausgewerteten Studien in den oberen Atemwegen bei 17,0 Tagen (95-%-Konfidenzintervall 15,5 bis 18,6), in den unteren Atemwegen bei 14,6 Tagen (9,3 bis 20,0), in den Stuhlproben bei 17,2 Tagen (14,4 bis 20,1) und in den Serumproben bei 16,6 Tagen (3,6 bis 29,7). Die längste nach­gewiesene Ausscheidungsdauer betrug in den oberen Atemwegen 83 Tage, in den unteren Atemwegen 59 Tage, im Stuhl 126 Tage und im Serum 60 Tage.

Die Ausscheidungsdauer von SARS-CoV-2 ist bei schweren Erkrankungen länger als bei leichten Infektionen, und sie steigt mit zunehmendem Alter der Patienten an. Sie ist nach der Studie bei Männern länger als bei Frauen.

Auch die Behandlungen können die Dauer der Virusausscheidung beeinflussen. Steroide, die sich in der Behandlung von schweren Erkrankungen als hilfreich erwiesen haben, könnten aufgrund ihrer immunsupprimierenden Wirkung die Dauer der Virusaus­scheidung verlängern. Antivirale Behandlungen sollten sie verkürzen, wobei für Remdesi­vir bisher keine Verkürzung nachgewiesen wurde, für Interferon 1 beta, Lopinavir und Ribavirin war in einer Studie eine Verkürzung nachweisbar, was jedoch irrelevant ist, da für keines der Mittel bisher ein klinischer Nutzen nachgewiesen werden konnte. © rme/aerzteblatt.de

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